Auto-Klone: Bei der Geburt getrennt - DER SPIEGEL
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Auto-Klone Bei der Geburt getrennt

Wenn Chinas Autohersteller Designs abkupfern, herrscht große Aufregung - dabei sind die etablierten Pkw-Konzerne weitaus größere Kopisten. Sie klonen Kleinwagen, Allradler, Sportflitzer. SPIEGEL ONLINE zeigt die wichtigsten Vierradzwillinge und -drillinge.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Sitzbezüge, Felgen, lackierte Blenden - warum bieten Autohersteller ihre Modelle mit einer kaum noch überschaubaren Zahl von Extras und Individualisierungsmöglichkeiten an? Sie tun es nicht nur, um ihre Kunden glücklich zu machen. Sondern auch, um eine wichtige Tatsache zu verschleiern, nämlich dass viele Autos sich kaum noch voneinander unterscheiden.

Pkw sind Massenprodukte par excellence. Anders wären die hohen Entwicklungskosten gar nicht mehr zur bezahlen. Aus diesem Grund greift die sogenannte Gleichteilestrategie immer weiter um sich: Alles, was sich mehrfach verwendet lässt, kommt in möglichst viele Modelle eines Konzerns. Und wenn sich gleich ganze Autos unter verschiedenen Markennamen doppelt und dreifach verkaufen lassen - umso besser.

Zum Beispiel der VW Golf: Er hat mit Konzernmodellen wie dem Audi A3, dem Seat Leon, dem Skoda Octavia und obendrein mit Varianten wie dem VW Touran oder dem VW New Beetle ziemlich viele Wiedergänger. Längst aber kooperieren die Hersteller auch über Konzerngrenzen hinweg. Fachleute sprechen dann von Badge-Engineering - eben weil es sich um zwei Autotypen handelt, die sich aber fast nur noch durch das Markenlogo unterscheiden, sonst aber aus den gleichen Bauteilen bestehen.

Die betroffenen Hersteller sehen das naturgemäß ein bisschen anders. Angesprochen auf Autozwillinge oder -drillinge betonen sie stets, dass lediglich Grundkomponenten identisch seien, die ganze Ausprägung und Feinabstimmung sowie optisch auffällige Blechteile jedoch markenspezifisch.

Das mag so sein, doch Fakt ist auch, dass bei manchen Autogeschwistern die Nuancen kaum zu erkennen, geschweige denn zu erfahren sind. Bizarr wird die Sache ja nicht, weil die gleiche Technik in mehreren Modellen eingesetzt wird - sondern weil das Geklone möglichst nicht publik werden soll. Wenn dann für prinzipiell identische Autos höchst unterschiedliche Preise aufgerufen werden, wundert sich der Kunde natürlich. SPIEGEL ONLINE hat zehn Autozwillinge und -drillinge zusammengestellt, deren verwandtschaftliche Beziehung für manchen vielleicht überraschend ist.

Fiat 500 + Ford Ka

Fiat 500 und Ford Ka: Die optisch ungleichen Kleinwagenklone aus der polnischen Fiat-Fabrik Tychy

Fiat 500 und Ford Ka: Die optisch ungleichen Kleinwagenklone aus der polnischen Fiat-Fabrik Tychy

Die Autozwillinge Fiat 500 und Ford Ka sind äußerlich nicht als solche zu erkennen. Das italienische Modell, das bereits 2007 debütierte, fährt im Retro-Look vor, der Ford Ka, der erst seit wenigen Wochen auf dem deutschen Markt erhältlich ist, tritt als modern gestylter Kleinwagen an. Auch bei der Positionierung unterscheiden sich die Fahrzeuge: Der billigste Fiat 500 kostet 10.900 Euro und ist schon recht gut ausgestattet; das magerer bestückte Ford-Modell wird ab 9750 Euro angeboten.

Renault Koleos + Nissan X-Trail

Renault Koleos und Nissan X-Trail: Frucht der Allianz von Renault und Nissan

Renault Koleos und Nissan X-Trail: Frucht der Allianz von Renault und Nissan

Die beiden kompakten SUV-Modelle, der französische Renault Koleos, der jedoch bei Samsung in Südkorea gebaut wird, und der japanische Nissan X-Trail, verfügen über einen identischen Allrad-Antriebsstrang. Darüber hinaus aber basiert der Koleos auf diversen Bauteilen, die Nissan im Kompaktwagen Qashqai einsetzt. So wird aus dem Koleos ein Patchwork-Auto - denn Renault wollte möglichst schnell ein Fahrzeug dieses Typs auf die Straße bringen, um am Boom der kompakten Allradler teilhaben zu können.

Alfa Mito + Fiat Grande Punto

Alfa Romeo Mito und Fiat Grande Punto: Inhaltliche Übereinstimmung zwischen Mailand und Turin

Alfa Romeo Mito und Fiat Grande Punto: Inhaltliche Übereinstimmung zwischen Mailand und Turin

Die beiden Autos demonstrieren auf klassische Art, wie Mehrmarken-Konzerne den Begriff Synergie auslegen. Aus dem sauberen Alltagskleinwagen Fiat Grande Punto wird bei der sportlichen Schwestermarke Alfa Romeo ein aufgebrezelter Feger. Nach Alfa-Angaben wurde der Mito in nur 16 Monaten entwickelt - was ohne den Rückgriff auf eine bereits fertige Basis mit allen wesentlichen Komponenten nicht möglich gewesen wäre. Gebaut werden die beiden allerdings in unterschiedlichen Fabriken: Der Fiat im süditaliensichen Melfi, der Alfa im Fiat-Hauptwerk Mirafiori in Turin.

Lamborghini Gallardo + Audi R8 V10

Lamborghini Gallardo und Audi R8 V10: Zahlreiche Gemeinsamkeiten

Lamborghini Gallardo und Audi R8 V10: Zahlreiche Gemeinsamkeiten

In der Luxusliga müssen die Hersteller sehr behutsam mit dem Teileaustausch-Thema umgehen, sonst ist das sorgfältig aufgebaute Image schnell hinüber. Andererseits schreien die kleinen Stückzahlen geradezu nach Synergien. Audi und die Tochtermarke Lamborghini führen das exemplarisch bei den Sportwagen Gallardo und R8 V10 vor.

In beiden rumoren unterschiedliche Varianten des von Lamborghini entwickelten Zehnzylindermotors, beide verfügen über einen ebenfalls in Italien entwickelten Allradantrieb - und was die Bedienelemente oder etwa Komfortdetails angeht, herrscht ebenfalls reger Austausch. Allerdings: Das einzige wirklich vollkommen identische Bauteil beider Modelle sei die Bremsanlage, heißt es bei Audi.

Fiat Sedici + Suzuki SX4

Fiat Sedici und Suzuki SX4: Eineiige Zwillinge unterwegs

Fiat Sedici und Suzuki SX4: Eineiige Zwillinge unterwegs

Dass es sich bei diesen Modellen von Fiat und Suzuki um Zwillinge handelt, ist offensichtlich. Um die Entwicklungskosten für einen kleinen Allradler zu sparen, sah sich Fiat nach einem Kooperationspartner um. Fündig wurde man bei Suzuki, 2003 wurde die Zusammenarbeit besiegelt. Drei Jahre später kamen beide Modelle in Deutschland auf den Markt. Hierzulande setzte sich jedoch der Suzuki durch. Die Zulassungsstatistik des Kraftfahrtbundesamts für das vergangene Jahr weist 7009 Suzuki-SX4-Modelle aus, gegenüber 2547 Exemplaren des Fiat Sedici.

Opel Agila + Suzuki Splash

Opel Agila und Suzuki Splash: Zwei Mini-Van-Modelle aus derselben Fabrik

Opel Agila und Suzuki Splash: Zwei Mini-Van-Modelle aus derselben Fabrik

Schon bei den Vorgängermodellen kooperierten Opel und Suzuki, bei den aktuellen Fahrzeugen wurde das beibehalten. Auf der Plattform des Suzuki-Kleinwagens Swift wurden die Minivans Suzuki Splash und Opel Agila entwickelt. Das Design beider Autos unterscheidet sich marginal, die Benzinmotoren stammen von Suzuki; beide Autos werden im Suzuki-Werk im ungarischen Esztergom gebaut.

VW Touareg + Porsche Cayenne

VW Touareg und Porsche Cayenne: SUV-Dickschiffe mit gleichen Genen

VW Touareg und Porsche Cayenne: SUV-Dickschiffe mit gleichen Genen

Als große SUV-Modelle noch en vogue waren, gingen VW und Porsche (das war noch vor der engen Verflechtung) gemeinsam ans Werk und entwickelten ein entsprechendes Auto. Die Rohkarosserie beider Modelle stammt aus dem VW-Werk im slowakischen Bratislava; der Sechszylinder-Basismotor aus dem VW-Werk in Salzgitter. Porsche erledigt die Endmontage des Cayenne im Werk Leipzig. Das jüngste Porsche-Derivat, der Cayenne Diesel, greift übrigens auf einen Selbstzünder von Audi zurück. Man sieht: Je größer der Konzern, desto komplexer der Teiletausch.

Citroën C-Crosser + Peugeot 4007 + Mitsubishi Outlander

Citroën C-Crosser, Peugeot 4007, Mitsubishi Outlander: Trio im SUV-Segment

Citroën C-Crosser, Peugeot 4007, Mitsubishi Outlander: Trio im SUV-Segment

Im Grunde genommen sind diese Autos alle Varianten des Mitsubishi Outlander, denn von diesem Modell stammen die wesentlichen Komponenten - Karosseriestruktur, Allradtechnik, Fahrwerk. Alle drei werden in Mitsubishi-Fabriken in Japan gebaut. Allerdings haben Citroën und Peugeot die Allradmodelle so eingekleidet, dass sie dem Design der jeweiligen Marke entsprechen. Die deutschen Kunden greifen überwiegend zum japanischen Original: Im vergangenen Jahr wurden hierzulande mehr Outlander verkauft als 4007 und C-Crosser zusammen.

Peugeot 107 + Citroën C1 + Toyota Aygo

Peugeot 107, Citroën C1, Toyota Aygo: Drillinge, die aus dem tschechischen Kolin kommen

Peugeot 107, Citroën C1, Toyota Aygo: Drillinge, die aus dem tschechischen Kolin kommen

Je kleiner das Auto, desto geringer die Marge - also wird das Geschäft umso besser, je höher die Stückzahl ist. Um eine möglichst große Produktionsmenge zu gewährleisten, kooperieren der französische PSA-Konzern (Peugeot-Citroën) und Toyota in der Kleinwagenklasse. Auf den Markt kamen die drei Stadtautos, die im Gemeinschaftswerk von PSA und Toyota im tschechischen Kolin gebaut werden, im Sommer 2005; anfangs gab es für alle Modelle nur eine Motorvariante. Trotz der weitgehend identischen Silhouette flitzte der Citroën C1 in der Gunst der deutschen Kundschaft im vergangenen Jahr mit 15.233 Neuzulassen vorweg - dahinter Toyota Aygo (12.169) und Peugeot 107 (9707).

Saturn Sky + Opel GT + Pontiac Solstice

Saturn Sky, Opel GT, Pontiac Solstice: Ein Roadster - drei Marken.

Saturn Sky, Opel GT, Pontiac Solstice: Ein Roadster - drei Marken.

Das Roadster-Trio ist ein Beispiel, wie eine Kooperation in einem Großkonzern wie General Motors laufen kann. Alle drei Autos basieren auf der sogenannten Kappa-Plattform des Konzerns, alle drei werden im GM-Werk in Wilmington im US-Staat Delaware gebaut.