Auto-Magazine: Hochglanz fürs Image - DER SPIEGEL
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Auto-Magazine Hochglanz fürs Image

Wer als so genannte Premium-Marke ernst genommen werden will, braucht nicht nur die entsprechenden Autos, sondern auch die richtigen Autoren. Kaum ein Hersteller lässt sich die Chance entgehen, per Hochglanz-Magazin das Image aufzupolieren.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Riege der exklusiven Auto-Titel, die im Auftrag der Hersteller produziert werden, ist in den vergangenen Wochen um zwei Neuzugänge gewachsen. Um den neuen Mini mit der entsprechenden Aura zu umgeben, wurde "Mini International" entwickelt, ein Heft, dessen Erstauflage 68 Seiten umfasst und dem eine CD beigelegt ist. Darauf zu hören ist "The Sound of Antwerp", was daran liegt, dass sich das Heft jedesmal mit einer anderen In-Stadt befasst. Und los ging es logischerweise mit A - wie Antwerpen. Innerhalb des Magazins lässt sich eine deutliche Zweiteilung feststellen. In Teil eins geht es um die Stadt und die Menschen, die sich BMW als Kundschaft wünscht: Alle sind jung, kreativ und beinahe schon erschreckend cool. Ab Seite 56 sieht die Drucksache aus wie ein sorgfältig gestalteter Auto-Prospekt: Mini-Fotos, Mini-Texte, Mini total. Viermal im Jahr wird das Heft in einer Auflage von 250.000 Exemplaren erscheinen, zunächst in vier Sprachen, weitere Versionen sollen folgen.

Ebenfalls viermal im Jahr erscheint ein neues Magazin, das von der Premium Automotive Group des Ford-Konzerns herausgegeben wird. 100.000 Exemplare werden pro Ausgabe gedruckt, 160 Seiten dick ist die erste Nummer, auf der man den Titel kaum erkennen kann. Ähnlich wie die Mini-Zeitschrift setzt auch das "Premium Magazin" auf extrem moderne Grafik. Es gibt Reportagen über die japanische Modedesignerin Hiroko Koshino und eine britische Butler-Akademie sowie ein Portrait des US-Schriftstellers James Salter. Eingestreut sind Berichte über den Volvo V70 und den Jaguar X-Type. Das Editorial durfte Umberto Angeloni, der Chef des Modehauses Brioni, verfassen. Titel: "Cultury of Luxury". Das ist programmatisch zu verstehen, denn in einer Mitteilung der Redaktion heißt es, das Heft werde sich um Top-Design, exklusiven Lifestyle und außergewöhnliche Reiseziele kümmern.

Das ist nicht überraschend. Denn Menschen, die bereit sind, 70.000 oder 100.000 Mark - und manchmal auch weitaus mehr - für ein Auto auszugeben, die kaufen weder ihre Kleidung bei Karstadt, noch fahren sie nach Rimini in den Urlaub. Die Hoffnung, dass sich ein Hauch von der in den Stories vermittelten Exklusivität auch auf die entsprechenden Automarken legt, schwingt zwischen den Zeilen stets mit. Übrigens auch in den Anzeigen, mit denen das Heft bestens bestückt ist.

Die klassischen Auto-Magazine, allesamt schon seit Jahren auf dem Markt und zu wichtigen Kundenbindungsinstrumenten geworden, sehen neben den neuen Lifestyle-Blättern der Marke Mini und der Markengruppe Ford-PAG zumindest optisch ziemlich altbacken aus. Ob "Mercedes - Das Magazin für mobile Menschen", das "BMW-Magazin" oder "Christophorus" von Porsche. Allerdings sind diese Hefte etabliert und entsprechend verbreitet. Die Hefte von Mercedes und BMW erscheinen in mehr als 100 Ländern, werden in 20 (BMW) beziehungsweise 11 (Mercedes) Sprachen übersetzt und haben eine Millionen-Auflage.

Porsches Heft gibt sich etwas bescheidener: Es erscheint in zehn Ländern in einer Gesamtauflage von 230.000 Exemplaren. Die beiden anderen Konkurrenzprodukte sind schon alleine in Deutschland weiter verbreitet. BMW gibt hier zu Lande eine Auflage von 366.000 Heften an, Mercedes von 624.000 Heften. Mit solchen Zahlen wären viele Verleger von "normalen" Zeitschriften hochzufrieden.