Auto-Nippes: Zehn Zentimeter Bohlen - DER SPIEGEL
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Auto-Nippes Zehn Zentimeter Bohlen

Zehn Zentimeter Dieter Bohlen in Jeans und T-Shirt machen ab Freitag dem moppeligen, hüftenschwingenden Elvis am Innenspiegel Konkurrenz. Der allgegenwärtige Popproduzent stößt mit seinem Plastikebenbild in die Welt der Wackel-Dackel und Dufttannenbäumchen vor.
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Berlin - "Wackel-Dieter" heißt die rund zehn Zentimeter große Miniaturausgabe vom Gitarristen von Thomas Anders, die sich autofahrende Bohlen-Fans ab Freitag an den Innenspiegel oder die Frontscheibe heften können. Allerdings ist diesmal nichts mit "Es lebe billig!": Immerhin 9,95 Euro kostet das Plastikmännchen, laut der "Bild"-Zeitung.

Der kleine, bruchfreie Dieter sei mit eine, weißem T-Shirt (Aufdruck: "talentfrei") und Mikro ausgestattet. Die Vermarktungsrechte besitzt Bohlens Verleger Random House. Der begibt sich damit auf ein Terrain, das bisher den Tankstellen und Treibstoffkonzernen gehörte: das Land der Klorollen mit Häkelüberzug und Nick-Dackel.

"Der Wackel-Dackel ist 1998 durch einen Werbespot für Aral plötzlich wieder zum begehrenswerten Schmuckstück geworden", sagt ein Sprecher des BP-Aral-Konzerns. Damals war der nickende Wauwau auf deutschen Straßen nur noch in der Heckablage der Blechkarossen ergrauter Volksmusikfreunde anzutreffen. "Aber nach diesem Spot mit Heavy-Metal-Musik in einem Ford Granada wollten sogar Katzenfreunde auf einmal den Dackel haben", sagt der BP-Aral-Sprecher.

100.000 der Wackel-Hunde fanden ein neues Herrchen. Und der Verkauf geht, wenn auch gedrosselt, weiter. Von den Tankstellentresen sind die Kurzbeiner inzwischen zwar verschwunden, werden aber weiterhin auf der Internetseite des Treibstoffmultis angeboten - sogar in zwei Größen.

Dass der Produktmarkt "Nippes-Kulisse im Auto" ein paar frische Ideen vertragen konnte, erkannte drei Jahre später die Ingolstädter Autoschmiede Audi. Von dort wurde eine an Elvis Presley erinnernde, mit den Hüften wackelnde Mini-Figur in die Mini-Shops der Tankstellen geworfen. "Aus rechtlichen Gründen musste der kleine King aber 'The Fan' heißen", sagt ein Audi-Sprecher.

Eigentlich sei es nur "als Detail" in dem Werbefilmchen gedacht gewesen, aber: "Nachdem sich die Firma wegen der großen Nachfrage für die Produktion der Figur entschlossen hatte, wurde der werkseigene Zubehörladen am Erstverkaufstag geradezu belagert."

Unternehmensangaben zufolge sollen einige Fans sogar im Schlafsack vor dem Ladeneingang übernachtet haben, um nicht leer auszugehen. Von dem "Fan-Elvis" baumeln inzwischen rund 527.000 Stück herum. Nur die echten Elvis-Imitate, denn Audi ist gegen diverse Fälscher erfolgreich mit einstweiligen Verfügungen vorgegangen.

So wird die Miniausgabe von Dieter Bohlen sich demnächst in bunter Gesellschaft tummeln, der Titan neben dem King Elvis auf den Angebotsseiten der Internet-Auktionshäuser. Auch Jesusfiguren, Schmuckstücke wie ein düsteres "Gothic Girl" und eine Wackel-Sphinx sind für Liebhaber dort zu finden.

Von John Mikisch und Peter Leveringhaus, ddp