Auto-Urlaub Konflikte ausbremsen
"Viele Reisende haben die falsche Erwartung, dass der Urlaub schon im Auto beginnt", sagt der Diplompsychologe Ulrich Veltgens. Somit werde die oft mühsame und nervenaufreibende Anreise ausgeblendet. Genau damit fängt der Ärger an.
Denn eine Urlaubsfahrt bringt den normalen Rhythmus durcheinander, die innere Uhr tickt meist anders (frühes Aufstehen, langes, konzentriertes Autofahren) und dann sitzt man auch noch mit mehreren anderen Menschen über Stunden sehr eng beieinander. Veltgens: "Diese Bedingungen muss man sich vor der Fahrt bewusst machen und überlegen, wie man darauf reagiert."
Wer im Auto nicht wisse, wohin er eventuell aufkommende Aufregung oder Wut leiten solle, der riskiere einen Unfall, warnt Veltgens. Der Verkehrspsychologe empfiehlt daher folgende Konfliktvermeidungs-Strategien im Auto:
1. Autofahrer sollten sich überlegen, wie Sie mit Stresssituationen (Hitze, verfahren, quengelige Kinder, Müdigkeit) umgehen wollen. Zum Beispiel so, dass bereits bei ersten Anflügen von Wut ganz bewusst Atemübungen gemacht werden oder - am besten - eine Pause eingelegt wird. Ziel solcher Reaktionen ist es, dass die Aufmerksamkeit möglichst nicht vom Straßenverkehr abgelenkt wird.
2. Niemals im Auto Grundsatzdiskussionen führen. Denn angeschnallt an den Sitz ist es besonders schwierig, bei einem kontroversen und emotionalen Gespräch geduldig und gelassen zu bleiben. Der Rat der Psychologen: Nicht das "Fehlverhalten" einzelner Insassen debattieren, sondern lösungsorientiert denken: Was braucht der andere, was brauche ich?
3. Den anderen im Auto mitteilen, was gerade passiert und welche Situation eintreten könnte (Stau, verfahren). Gemeinsam über eine Lösung sprechen.
4. Möglichst ein bis zwei Tage Puffer zwischen dem letzten Arbeitstag und dem Start in den Urlaub einplanen. Ad hoc Autoreisen bergen ein hohes Stress-Risiko.
Psychologe Veltgens, der diese Tipps für eine möglichst entspannte Autoreise zusammengestellt hat, ist Leiter der Impuls GmbH, einer Tochterfirma des TÜV Rheinland-Berlin/Brandenburg. Das Unternehmen bietet verkehrspsychologische Schulungen und Verkehrstherapien an und untersucht seit drei Jahren die Entstehung und Vermeidung von aggressivem Verhalten im Straßenverkehr.