Auto-Versteigerung Fahren wie Steve McQueen
"Steve hatte Spaß daran, mit kreischenden Reifen loszufahren und später dann am Straßenrand zu stehen und vorzugeben, er hätte sich bei der Warterei auf uns fürchterlich gelangweilt", erinnert sich William Claxton. Der Fotograf und Freund von Steve McQueen teilte mit dem Schauspieler die Leidenschaft für schnelle Autos und war regelmäßig mit ihm zu rasanten Spritztouren unterwegs. "Steve fuhr im Lusso und ich in meinem Porsche 356 SC 1600." Irgendwann in den späten 60ern muss das gewesen sein. McQueen hatte den Ferrari 250 GT Berlinetta Lusso mit der Fahrgestellnummer 4891 im Jahr 1963 bei Otto Zipper Motors in Santa Monica gekauft und fuhr den edlen Sportwagen exakt zehn Jahre lang.
"Steve liebte dieses Auto", erinnert sich Claxton. Wer auf schnelle, schlanke, schneidige Coupés steht, dem wird es ebenso ergehen. Dabei trägt das Auto weder das typische Ferrari-Rot noch den damals beliebten gelben Lack, sondern ein merkwürdiges Dunkelbraun, das immerhin den klangvollen Namen Marrone Metallizato trägt und auf den zweiten Blick ziemlich gut mit dem beigefarbenen Lederinterieur harmoniert. Nur 350 Exemplare dieses Typs wurden gebaut. Das Modell, dessen Erstbesitzer Steve McQueen war, kommt nun bei Christie's unter den Hammer. Das Auktionshaus erwartet den Zuschlag bei einer Summe zwischen 800.000 und 1,2 Millionen Dollar - also etwa 600.000 bis 900.000 Euro.
Die Auktion in Monterey ist geschickt terminiert, denn in den kommenden Tagen werden sich Dutzende von millionenschweren Autosammlern an der kalifornischen Küste tummeln, um dort auf Einkaufstour zu gehen, ihre Pkw-Preziosen vorzuführen und überhaupt ein wenig unkatalysierte Abgase zu schnüffeln. Denn neben der Versteigerung von Auto-Raritäten findet derzeit das Monterey Historic Race Meeting statt sowie, am Wochenende, der Concours d'Elegance in Pebble Beach, eine Showveranstaltung für außergewöhnliche Automobile.
Essenzieller Bestandteil der Coolness
Da passt der Ferrari von Steve McQueen natürlich bestens in die Szenerie. Befeuert wird das von Pininfarina wunderbar geschmeidig geformte Geschoss von einem 3-Liter-Zwölfzylindermotor, der zirka 250 PS leistet und dessen Brennräume von drei Weber-Doppelvergasern gefüttert werden. Der Wagen verfügt über ein Viergang-Schaltgetriebe und vier Scheibenbremsen - und über diesen ganz besonderen Stil zwischen Selbstbewußtsein, Eleganz und Zurückhaltung. Christopher Sager, der Autochef des Auktionshauses Christie's in den USA, schwärmt: "Der Wagen war im Besitz des Mannes, der das Automobil an sich und das sportliche Autofahren im Besonderen zu einem essenziellen Bestandteil der Coolness in den sechziger- und siebziger-Jahren gemacht hat."
Der Lusso war Steve McQueens erster Ferrari, aber bei weitem nicht das einzige spektakuläre Auto in der Sammlung des Schauspielers. Schon von seiner ersten Gage kaufte sich McQueen einen MG-Sportwagen, es folgten Porsche, Siata, Jaguar und selbstverständlich ein Shelby Cobra. Nachdem McQueen den Lusso verkauft hatte, wechselte das Auto mehrfach den Besitzer, bis es schließlich 1997 in die Hände von Michael Regalia gelangte, einem Oldie-Spezialisten, der den Ferrari in etwa 4000 Arbeitsstunden zerlegte und komplett restauriert wieder zusammenbaute. Danach heimste das Auto zahlreiche Preise auf diversen Auto-Schönheits-Konkurrenzen ein. Nun ist der Preis hinlänglich in die Höhe getrieben, um es versteigern zu können.
Maserati Khamsin oder VW Käfer?
In Monterey werden noch ein paar andere, sehr seltene Stücke den Besitzer wechseln. Etwa ein Maserati Khamsin (Baujahr 1977), von dem lediglich 430 Exemplare gebaut wurden und der zwischen 50.000 und 70.000 Dollar bringen soll; oder ein Bugatti Typ 57 Drophead Coupé (1938), das zwischen 600.000 und 800.000 Dollar erlösen könnte; ferner ein Duesenberg Model J Cabriolet (1930), für das Christie's zwischen 700.000 und 850 Dollar veranschlagt.
Es geht auch günstiger. Ein VW Käfer aus dem Jahre 1954 wird ab 40.000 Dollar angeboten. Und wem das immer noch zuviel Geld für ein altes Auto ist, der findet vielleicht an Plakaten für den Großen Preis von Monaco im Jahre 1977 Gefallen, die bereits ab 200 Dollar aufgerufen werden. Steve McQueen hätten sie bestimmt gefallen.