Auto-Werbung: Geisterfahrt im Eiskanal - DER SPIEGEL
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Auto-Werbung Geisterfahrt im Eiskanal

Volkswagen will das Image des eher unscheinbaren Golf-Klons Bora auf sportlich trimmen. Nach den Werbefilmen über den Streit eines jungen Paares ­ "Ich fahre." "Nein, ich fahre" ­ wird nun ein Spot über eine Bora-Raserei auf einer Rodelbahn ausgestrahlt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Fast eine Woche dauerten die Dreharbeiten in der Nähe von Umbach im österreichischen Ötztal. Dort gibt es eine Rennrodelbahn, die als Schauplatz für den Spot dient. Die Geschichte des 60-Sekunden-Filmchens ist folgende: Ein Mann verliert in einem Berggasthof unbemerkt seine Brieftasche, steigt in seinen silbergrauen VW Bora und fährt ins Tal.

Allerdings kommt er vom rechten Weg ab und gerät ­ wiederum merkt er nichts davon ­ auf die Rodelbahn. Unten im "Ziel" trinkt er einen Kaffee, sucht seine Brieftasche und flitzt mit einem "Ich bin gleich zurück" wieder davon. Er fährt durch den Eiskanal den Berg wieder hoch?

Welche Botschaft will Volkswagen dem Fernsehvolk vermitteln? Dass österreichische Rodelbahnen miserabel gegen Missbrauch geschützt sind? Dass man mit einem Bora auch prima Schlittenfahren kann? Dass Bora-Fahrer vergesslich (Brieftasche), verwirrt (falsche Fahrbahn) und verantwortungslos (Vollgas bei Glätte) sind?

Alles falsch. Die Botschaft lautet: Der Allrad-Antrieb 4Motion ist eine ganz tolle Technik. Und damit das auch rüberkommt, hat die beauftragte Düsseldorfer Werbeagentur DDB gewaltig am (All-)Rad gedreht. Ein Team von 60 Leuten unter der Leitung des britischen Produzenten Adrian Stoop und der New Yorker Regisseurin Rebecca Blake war im Ötztal zugange, damit alles zwar glatt läuft, aber nichts ins Rutschen kommt. Vier Kameras, ein mächtiger Kamera-Kran und ein Hubschrauber kamen zum Einsatz, um die mehr als 75 Szenen einzufangen. VW-Testfahrer kurvten mit dem Bora mehr als hundert Mal durch den Eiskanal rauf und runter. Ein Riesenaufwand für ein bisschen Image.

Denn der Golf-Ableger Bora soll endlich als Lifestyle-Modell mit Verwegenheits-Touch rüberkommen, und nicht als Stufenheck-Golf mit Bausparkassen-Charme. Damit mögliche Skeptiker erst gar nicht Zweifel an dem Spot und seinem automobilen Hauptdarsteller können, bat VW einen Notar zum Drehort. Der Jurist sollte bestätigen, dass es sich um ein Serienfahrzeug handelte und nahm sogar auf dem Beifahrersitz des Filmautos Platz, um eine Fahrt durch den Eiskanal nach oben live mitzuerleben.

Alsdann bestätigte der unerschrockene Mann, dass es sich bei dem Auto tatsächlich um einen handelsüblichen VW Bora V6 4Motion handelte, das Topmodell der Bora-Baureihe mit Allradantrieb, dessen Motor 204 PS (150 kW) leistet. In Kombination mit Winterreifen sorgt die Technik dafür, dass der Wagen auch in der bis zu 18 Prozent steilen Eisrinne kontrolliert bewegt werden kann ­ zumindest von geübten Testfahrern.