Autobau: Roboter vs. Mensch - DER SPIEGEL
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Autobau Roboter vs. Mensch

Rationalisierung heißt das eine Zauberwort in der Automobilindustrie. Der andere Begriff, den die Branche predigt wie ein Wundermittel, lautet Handarbeit. So oder so, beide Extreme sollen das Unternehmensergebnis verbessern.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Bislang galt es als erstrebenswertes Ziel in der Autoindustrie, die Fabriken so zu organisieren, dass die Neuwagen möglichst schnell, möglichst flexibel und in möglichst guter Qualität hergestellt werden. Ford zum Beispiel feierte vor kurzem das Richtfest eines neuen so genannten Industrieparks in Köln. Dort entsteht, inmitten einer ganzen Ansammlung von Zuliefererbetrieben, das "modernste Automobilwerk Europas", wie Ford-Chef Rolf Zimmermann sagt.

Insgesamt werden mehr als eine Milliarde Mark in diese Anlage investiert, in der 800 neue Arbeitsplätze geschaffen werden und wo ab Herbst dieses Jahres der neue Fiesta vom Band laufen soll. Die Jahreskapazität von heute 190.000 Fahrzeugen pro Jahr soll bis Ende 2002 auf dann 400.000 Einheiten mehr als verdoppelt werden.

Zimmermann: "Unser Ziel ist es, die Produktionskosten um bis zu 30 Prozent zu senken." Unter anderem sollen Roboter dabei helfen, die Bauzeit für einen Fiesta von augenblicklich 22 Mannstunden auf dann 16 Mannstunden zu drücken. Diese Strategie gilt als unumgänglich für Massenhersteller, wenn sie auch in Zukunft noch rentabel produzieren wollen.

Auf der entgegengesetzten Seite des Automobilmarktes wird dagegen die gute alte Handarbeit wieder modern. Edle Luxusschlitten, dies scheint eine Art Naturgesetz zu sein, kommen ohne eine gute Portion Handarbeit nicht aus. Deshalb nennen die Konzerne die neuen Produktionsanlagen, die für die demnächst auf den Markt kommenden Luxuswagen entstehen, gerne Manufakturen.

Eine steht zum Beispiel im schwäbischen Affalterbach, heißt AMG und gehört zu Mercedes. Dort wird unter anderem der getunte, neue V6-Motor von einem Mechaniker von Hand zusammengebaut. Rund zwei Stunden sind dafür nötig. Der Kunde kann sich danach rühmen, einen handgefertigten Motor unter der Haube seines Sportwagens zu haben. Für die Superluxuslimousine Maybach, ebenfalls aus dem Hause Mercedes, wird in Sindelfingen eine eigene Manufaktur errichtet.

Handarbeit ist zwingend nötig, wenn es um extrem teure Luxusautomobile geht. Bei Rolls-Royce zum Beispiel wird eine neue, unterirdische Fabrik geplant. Der Clou dabei ist, dass die Decke aus Glas sein soll, über die dann die geneigte Kundschaft flanieren kann, um die Entstehung des eigenen Rolls-Royce-Modells zu verfolgen.

Ein ganzes Glashaus hat Volkswagen für seine künftigen Luxusschlitten D1 in Dresden gebaut. Mitten in der Stadt entstand das rechtwinklige, 22 Meter hohe Hauptgebäude, in dem täglich 150 Fahrzeuge entstehen sollen. Stolz sprechen die Wolfsburger von ihrer "Gläsernen Manufaktur". Hier werde, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens "Autobau in einer bislang beispiellosen Art und Weise zelebriert werden". Das Investitionsvolumen beträgt nach offiziellen Angaben 365 Millionen Mark.

Um die Fabrik mit dem besonderen Gehalt und der erhabener Gestalt angemessen in das Umfeld im Zentrum der sächsischen Landeshauptstadt einzufügen, wird derzeit am so genannten Manufakturgarten mit Grünflächen und Wasserarrangements, Wegen, Stegen und Lichtstelen gebaut. Damit der Lkw-Verkehr zum Werk künftig nicht die Stadt verstopft, entstand in Dresden-Friedrichstadt ein Logistikzentrum, wo die Bauteile für die Autoproduktion zwischengelagert werden. Von dort werden sie mit speziellen Transportstraßenbahnen in die Manufaktur gefahren.