Autodach: Die große Klappe kommt in Mode - DER SPIEGEL
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Autodach Die große Klappe kommt in Mode

Immer mehr Autohersteller folgen dem Vorbild des Mercedes SLK und gönnen Cabrios und Roadstern ein massives Dach. Statt eines mit mehreren Lagen Stoff bespannten Gestänges geben dort variabel montierte Stahlplatten auf Knopfdruck den Blick zum Himmel frei.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Das Dach sorgt vor allem für wohliges Gefühl bei schlechtem Wetter. Denn an die Stelle der Erinnerungen an ein verregnetes Zeltlager tritt die Geborgenheit eines Coupés, bei dem keine Windgeräusche die Unterhaltung stören und keine verkratzten Kunststoffscheiben den Blick nach hinten trüben.

Bis vor kurzem war diese technisch aufwendige und deshalb auch recht teure Lösung dem Mercedes SLK und seinem zum Herbst avisierten großen Bruder SL vorbehalten. Doch Peugeot hat zum Jahreswechsel mit dem 206 CC deutlich gemacht, dass die Alternative zum Faltdach auch von anderen zu realisieren ist.

Stahl statt Stoff

Künftig wird Autofahrern diese Technik öfter begegnen: So hat die Toyota-Tochter Lexus als Gegner für den neuen Mercedes SL zum Sommer den Edel-Roadster SC 430 angekündigt, bei dem ebenfalls Stahl statt Stoff zum Einsatz kommt. Bei Peugeot verspricht man hinter vorgehaltener Hand, dass nach dem offenen 206 ein Cabrio auf Basis des 307 natürlich kein konventionelles Verdeck mehr bekommen kann.

Noch deutlicher wird der Trend zur stählernen Kappe bei den Zulieferern, die ihren Auftraggebern auf Automobilausstellungen immer neue Konzepte als Ersatz für die betagte Stoffmütze präsentieren. So hat das Remscheider Unternehmen Edscha schon auf dem Pariser Salon im Herbst 2000 gemeinsam mit dem italienischen Karosseriebauer Bertone einen 3er BMW auf die Räder gestellt, bei dem das dreigeteilte "Klapp-Top" binnen 25 Sekunden sogar zwei Sitzreihen überspannt und in geöffnetem Zustand trotzdem noch Platz für das Reisegepäck lässt. Nach Angaben von Firmensprecherin Barbara Meimeth laufen intensive Verhandlungen mit diversen Automobilherstellern. In zwei bis drei Jahren könnte das System in Serie gehen.

Es geht noch einfacher

Einen ähnlichen Zeithorizont sieht man beim finnischen Unternehmen Valmet, das auf dem Automobilsalon in Genf seinen Prototypen "Hatric" vorgestellt hat. Auch bei den Finnen, die derzeit vor allem den Porsche Boxster und einige Modelle von Volvo montieren, ersetzt - zunächst eingebaut in einem Volvo C 70 - ein massives Dach aus drei Elementen die herkömmliche Verdeck-Konstruktion. Auf Knopfdruck heben sich die einzelnen Stahlplatten samt der großen Heckscheibe an und falten sich im Kofferraum zusammen.

Dass es auch einfacher geht, zeigt der italienische Karosseriebauer Fioravanti aus Moncelieri. Dort kommt ein aus transparentem Kunststoff gefertigtes Dach aus einem Guss zum Einsatz, das sich auf Knopfdruck in wenigen Sekunden bündig auf den Kofferraum-Deckel legt. Die Heckscheibe wird dabei gedreht und fungiert als Windschott. Als Vorteil dieser Lösung nennt der Hersteller vor allem den Umstand, dass der Kofferraum nicht zusätzlich beeinträchtigt wird.

Stoffverdeck hat ausgedient

Doch egal nach welchem Prinzip Cabrios und Roadster künftig die Hüllen fallen lassen: Des Stoffverdeck hat nach Einschätzung vieler Experten weitgehend ausgedient. So dauere es vielleicht noch ein oder zwei Fahrzeuggenerationen, heißt es bei den Technikern von Peugeot in Paris, dann hätten sich massive Konstruktionen auf breiter Front durchgesetzt. Nur bei besonders preiswerten Modellen fände man dann noch ein Verdeck aus Stoff.

Und natürlich bei den "echten" Roadstern der überzeugten Puristen - dort gehören Wind und Wetter einfach dazu.

Thomas Geiger, gms