Autoentwicklung: Mit allen Sinnen - DER SPIEGEL
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Autoentwicklung Mit allen Sinnen

Weil die Technik vieler Autos immer ähnlicher wird, kommt anderen Kriterien eine wachsende Bedeutung zu. Außer dem Design spielt zum Beispiel auch eine Rolle, welche Geräusche der Wagen macht, welchen Geruch er verströmt und wie sich Lenkrad, Knöpfe und Griffe anfühlen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Sämtliche Automobilhersteller beschäftigen inzwischen Spezialisten für Düfte, Klänge und Haptik. Sehr wichtig ist es zum Beispiel, wie sich ein Auto anfühlt. Vor allem die so genannten Kontaktzonen eines Wagens, also all jene Stellen, die von den Insassen berührt werden, sollen sich angenehm und geschmeidig, glatt und wertvoll anfühlen. Deshalb werden immer neue Materialien und Materialkombinationen ausprobiert, um den besten Kompromiss zwischen Funktionalität und den spürbaren Eigenschaften zu erzielen. Zahlreiche speziell geschulte Haptiker prüfen jeden Griff, jeden Knopf, jeden Schalter und jede Oberfläche an Tür und Armaturenbrett. "Die schönste Probefahrt nützt nichts, wenn sich der Interessent schon an der kalten oder zu rauen Oberfläche der Türgriffe stört", so Renault-Entwickler Jean-Paul Bauchel.

Der schönste Türgriff wiederum nützt nichts, wenn die Tür mit einem blechernen Scheppern ins Schloss fällt. Satt und solide muss es klingen, wenn der Fahrer die Tür zuzieht. Auch das Geräusch, das das Blinkerrelais von sich gibt, sollte zum Charakter des Fahrzeugs passen. Klingt es wie ein Kugelschreiber, der auf eine Schreibtischplatte tickt, wie Zungenschnalzen oder wie eine kaputte Uhr?

Entscheidend ist natürlich vor allem das Motorengeräusch. Bei Porsche zum Beispiel ist der Sound des Sechszylinders nahezu ebenso wichtig wie die typische 911er-Form. Weil der Motorklang zuletzt von Kundschaft kritisiert wurde, hat Porsche bei der Renovierung des 911ers jetzt die hellen, mechanischen Geräusche zurückgefahren und dafür das dumpfe Auspuffwummern etwas angehoben. Resultat: Der 911er klingt wieder sonorer, tiefer, angriffslustiger.

Neben dem Hör- und dem Tastsinn versuchen Autohersteller auch den Geruchssinn ihrer Kunden zu umschmeicheln. Insgesamt gibt es in einem Auto rund 50 sogenannte Geruchsfamilien und mehr als 1300 Duftnoten. Nicht immer werden diese als angenehm empfunden, weshalb die Ausdünstungen verschiedener Werkstoffe bei verschiedenen Temperaturen erschnüffelt, überprüft und gegebenenfalls verändert werden. Außerdem gibt es offenbar einen typischen Geruch für ein neues Auto. Diese Duftnote so lange wie möglich zu konservieren, ist eines der Anliegen der Geruchsexperten in den Entwicklungsabteilungen der Autohersteller. Man soll ein Auto nicht nur gut fahren, sondern eben auch gut riechen können.