Autofahrer-Studie: Millionen Briten sehen unscharf - DER SPIEGEL
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Autofahrer-Studie Millionen Briten sehen unscharf

Es ist erschreckend: 2,5 Millionen Briten fahren trotz starker Sehschwäche ohne Brille Auto. Sie gefährden ihr eigenes Leben und das anderer Verkehrsteilnehmer. Die Gründe: Angst und Eitelkeit.
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London - Nach einem Bericht des Online-Magazins "EurekAlert" liegen die Ergebnisse einer Studie der Universität von Warwick zugrunde. Dabei war die Sehschärfe von 1000 Erwachsenen untersucht worden. Keiner von ihnen hatte zuvor eine Brille oder Kontaktlinsen benutzt. Die Resultate sind beunruhigend: 35 Prozent der Teilnehmer fielen durch den Sehtest. Sie hätten nie ohne Sehhilfe Autofahren dürfen.

Als die Betroffenen von den Versuchsleitern auf ihr schlechtes Abschneiden angesprochen wurden, seien sie nicht einmal überrascht gewesen. Ein schlechtes Gewissen habe aber niemand von ihnen gehabt. Das mangelnde Verantwortungsbewusstsein betreffe alle Bevölkerungsschichten. Unter den Versuchspersonen befanden sich laut "EurekAlert" Architekten, Zahnärzte und Krankenschwestern. Sogar Taxi-Fahrer übten trotz extremer Sehschwäche ungetrübt ihren Beruf aus.

"Viele Leute hatten Angst vor Kontaktlinsen", wird June McNicholas von der Warwick Universität zitiert. Brillen würden oft aus Eitelkeit nicht benutzt. Die Aussagen der Befragten unterstützen diese Thesen. Demnach gaben 78 Prozent der Untersuchten an, Linsen zu meiden, weil sie unbequem seien. 68 Prozent sei deren Pflege und Handhabung zu kompliziert. 60 Prozent fürchteten zudem, ihre Augen zu beschädigen.

In Deutschland gibt es bislang keine Studie, die sich mit dem Sehvermögen der rund 52 Millionen Autofahrer in der Bundesrepublik beschäftigt. Auch über die Zahl der Unfälle, die auf schlechtes Sehen zurückgehen, liegt keine Statistik vor. "Viele Autofahrer haben seit der Führerscheinprüfung keinen Test mehr gemacht" sagt Uwe Kraffel, Vorsitzender des Berufsverbandes der Augenärzte Deutschlands. "Sehschwächen, die sich mit zunehmendem Alter einschleichen, werden meist zu spät erkannt." Seit 1999 seien zumindest bei Lastwagenfahrern regelmäßige Sehtests Pflicht. Bei der ersten Untersuchung fiel laut Kraffel glatt ein Drittel der Fahrer durch.

Besonders in der Dämmerung oder bei Dunkelheit ist Autofahren heikel. Selbst wer bei Tageslicht noch gut sehen, habe in der Nacht oft Schwierigkeiten, sagt Kraffel. Durch die Trübung der Augenlinse kann Gegenlicht besonders irritieren. "Diese Gefahr wird oft unterschätzt."