Autofarbtrends Silber auf Platz eins
Wuppertal/Münster - Wer sich heute auf den Straßen umschaut, könnte meinen, neue Autos würden von den Herstellern ausschließlich in Silber, Blau oder Schwarz angeboten - von den übrigen Tönen der Farbpalette ist auf den Straßen derzeit wenig zu sehen. Die Dominanz des Silber-Trends belegen die Statistiken des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) in Flensburg. So zählten im Jahr 2002 knapp 42 Prozent aller neu zugelassenen Automobile zur Farbgruppe Grau - und dazu gehört eben vor allem Silber. Mit großem Abstand folgten Schwarz (22 Prozent) und Blau (20 Prozent). Zusammengenommen sind also mehr als 80 Prozent aller neuen Wagen in diesen drei Farbtönen lackiert.
Dass Silber heute so bestimmend ist, haben selbst jene Experten nicht erwartet, die sich hauptberuflich um das Erkennen der Lacktrends von Morgen kümmern. Die Fachleute haben laut der Farbdesignerin Renate Weber von BASF-Coatings in Münster zwar mit einem Silber-Trend gerechnet, seien aber von Ausmaß überrascht worden.
"Trends verlaufen immer wellenförmig"
Doch die Erfahrung zeigt, dass auch ein Trend wieder abebben muss. "Trends verlaufen immer wellenförmig", sagt Color-Designerin Elke Dirks von Dupont Performance Coatings in Wuppertal. Zehn bis zwölf Jahre dauert es Renate Weber zufolge vom langsamen Ansteigen der Welle über den Höhepunkt bis zum Abebben und dem Ende. Dies belegen auch die Zahlen des KBA.
1978 lag dem Amt zufolge Grün mit 19,1 Prozent in der Käufergunst ganz vorne. Auf den Plätzen folgten Rot mit 17,8 Prozent und Gelb mit 17,1 Prozent. Nur ein Prozent der Käufer bevorzugte Schwarz. 1993 dagegen wollten nur noch 10,9 Prozent der Käufer grünen Lack auf der Karosserie sehen. Ganz vorne lag in jenem Jahr Rot mit einem Anteil von 26,9 Prozent. Blau hatte immerhin schon einen Anteil von 19,8 Prozent erreicht. Das zuvor verschmähte Schwarz glänzte auf 12,9 Prozent der Neuwagen.
Anfang 2000 hatte dann bereits jener Trend eingesetzt, der jetzt so beherrschend ist. Damals registrierte das KBA mehr als 30 Prozent für den Bereich Grau und damit eben auch Silber. Blau (24,5 Prozent) und Schwarz (18 Prozent) hatten ihre Plätze eingenommen. Und auch der Abstieg der einstigen Lieblingsfarbe Rot hatte längst begonnen: Von 8,1 Prozent im Jahr 2000 sank der Anteil bis Ende 2002 auf fünf Prozent.
Keine Farbe der nächsten Jahre wird so erfolgreich wie Silber
Ferdinand Dudenhöffer vom Center of Automotive Research der Fachhochschule Gelsenkirchen sieht neben den Wellenbewegungen der Trends noch andere Ursachen für die Beliebtheit einer Farbe. Wenn angesehene Marken ihre Fahrzeuge bevorzugt in einer bestimmten Farbe präsentieren, haben womöglich auch Käufer weniger hochklassiger Fahrzeuge den Wunsch, dass diese zumindest von der Farbe her den Traumautos gleichen, lautet seine Theorie. "Wichtig ist auch, dass manche Käufer die Farbe in Hinblick auf den späteren Gebrauchtverkauf wählen." Fahrzeuge in gefragten Farben verkaufen sich eben auch später noch besser.
Die Farbdesigner denken jedoch in anderen Kategorien - sie fragen sich heute bereits, was in den Jahren 2006 bis 2008 beliebt sein wird. Wie es aussieht, wird es dann auf den Straßen wieder merklich vielfarbiger zugehen - und nicht nur mit einer "bunten" Farbe. Laut Renate Weber wird es aber keine Farbe geben, die so beherrschend wird wie heute Silber.
Beginnen wird die Veränderung der Farbigkeit allerdings mit dem immer noch starken Silberanteil, dem neue Impulse verliehen werden sollen. "Man versucht, subtil etwas Farbe hineinzubringen", so Elke Dirks. "Bis jetzt war das Silber sehr technisch. Nun geht es mit etwas Apricot oder Beige darin in eine wärmere Richtung." Eine andere Richtung wird Silber laut Renate Weber speziell bei eher sportlichen Fahrzeugen einschlagen. Dort soll das Silber mehr in Richtung Grau gehen und stärker an echtes Metall erinnern, "etwa wie bei einer Ritterrüstung."
Die neuen Farben sind nicht so grell wie in den Siebzigern
Daneben kehrt jedoch die komplette Palette des Farbkreises in modernem Gewand auf das Blech zurück. "Die Lacke werden wieder farbiger. Auch Orange, Rot oder Violett werden wieder stärker, dürften allerdings nicht ein solches Volumen wie heute Silber erreichen", sagt Elke Dirks. Die neuen Töne werden nichts mit den grellen Farben der siebziger Jahre zu tun haben. Vielmehr zielen die Hersteller auf veredelte Versionen. So kann ein blaustichiges Rot die Karosse edel wirken lassen, und bei Grün kann laut Dirks mit Gold- oder Kupfereffekten gearbeitet werden.
Auch die anderen aktuellen Lieblingsfarben Blau und Schwarz werden in der Zukunft in neuem Gewand glänzen. So geht Elke Dirks davon aus, dass bei blauen Farben auch Töne wie Türkis oder Petrol wieder ein Thema sein werden. Schwarz kann dagegen mit bunten Metallic-Partikeln zu neuer Farbigkeit verholfen werden - so könnten Rot gefärbte Metallicteilchen gerade im Sonnenlicht besondere Effekte hervorrufen.
Von Heiko Haupt, gms