Autoglas-Technologien Alles klar!
Welcher Autofahrer kennt das nicht? Dunkelheit schon am frühen Abend, mehrspuriger Berufsverkehr und dazu einsetzender Regen. Schnell wird aus dem eben noch entspannten Dahinrollen ein aufreibender "Blindflug". Und die Scheibenwischer können die Situation nicht klären im Gegenteil, sie verschleiern die Sicht nach vorn noch mehr. Denn die Gummilippen der Wischer verteilen die zahlreichen Partikel auf der Windschutzscheibe Staub, Reifenabrieb, Insekten oder Rückstände von Chemikalien aus der Waschstraße zusammen mit dem Regenwaser übers ganze Sichtfeld. Das Scheinwerferlicht entgegenkommender Fahrzeuge, das Licht von Straßenlaternen oder das der Rückstrahler und Bremsleuchten der Vorausfahrenden wird durch den Schmierfilm vielfach gebrochen und blendet den Fahrer.
Immer wieder kommt es durch solche Sichtbehinderungen zu Unfällen. Daher sollten Autofahrer stets dafür sorgen, eine freie Sicht auf das Verkehrsgeschehen zu haben. Zuerst sollen die Scheiben rundum regelmäßig von außen und innen auch hier setzt sich bereits nach wenigen Wochen ein Grauschleier aufs Glas gereinigt werden. Auch die Scheibenwischer verdienen besonderes Augenmerk. Sobald die Gummilippen anfangen zu schmieren, sollten sie ausgewechselt werden. Besonders wirksam sind moderne, permanent gebogene Wischerblätter, da sie auf den meist gewölbten Windschutzscheiben optimal aufliegen.
Manche Pkw-Hersteller bieten ihre Fahrzeuge auch mit wasserabweisenden, sogenannten hydrophoben, Scheiben an. Dabei wird das Glas schon bei der Herstellung mit einer speziellen Oberflächenbeschichtung versiegelt, die den Lotuseffekt nutzt. Die extrem glatte, teflonartige Oberfläche sorgt dafür, dass die Wassertröpfchen auf der Scheibe sehr klein bleiben und sich nicht zu einem Wasserfilm verbinden.
Nach Angaben des Autoglas-Herstellers Saint-Gobain Sekurit werden die einzelnen Wassertropfen ab einer Geschwindigkeit von 50 km/h vom Fahrtwind von der Scheibe geblasen. Bislang jedoch werden solche "Aquacontrol"-Scheiben hauptsächlich für die Seitenverglasung verwendet. Als Windschutzscheibe kommt das versiegelte Glas nur in einigen Oberklassemodellen zum Einsatz.
Bessere Sicht senkt die Reaktionszeit erheblich
Dabei gilt der positive Effekt als unstrittig. Eine Studie des Transportation Research Institute der Universität Michigan (UMTRI) ergab, dass solche Glasbeschichtungen die Sicht des Fahrers im Vergleich zu herkömmlichen Autoscheiben um rund ein Drittel verbessern und die Reaktionszeit um bis zu 25 Prozent verbessern können. Jedoch lässt die Wirkung der wasserabweisenden Oberfläche vor allem an der Frontscheibe nach etwa 20.000 Kilometern nach, kann aber wieder aufgefrischt werden.
Nach dem gleichen Prinzip funktionieren Mittel zum nachträglichen Versiegeln herkömmlicher Windschutzscheiben. Experten aber raten von solchen Do-it-yourself-Lösungen ab, weil sich ihre Wirkung rasch ins Gegenteil verkehrt. "Durch die mechanische Beanspruchung durch die Wischerblätter kommt es häufig zu Schlierenbildung und die Gefahr steigt, etwa Fußgänger zu übersehen", sagt Christian Schäfer, Leiter Technik und Verkehr beim Automobilclub ADAC Hansa.
Niemals nur mit Gucklöchern losfahren
Ein typischen Sichtproblem im Winter sind beschlagene oder vereiste Scheiben. In solchen Fällen müssen alle Scheiben des Autos von Schnee oder Eis befreit und auf der Innenseite getrocknet werden. Ein Handbesen zum Freifegen des Wagens sowie ein Eiskratzer und ein Lappen für die Wischarbeit von innen sollten daher in den Wintermonaten griffbereit sein. Wer die frostige Handarbeit scheut, sollte dem Wagen am Abend eine "Mütze" überstülpen oder zumindest die Frontscheibe abdecken. Inaktzeptabel und höchst riskant ist es, lediglich mit freigekratzten Gucklöchern loszufahren. In solchen Fällen müssen Autofahrer zudem mit einem Bußgeld von 35 Euro rechnen.
Bequemer ist die freie Sicht bei Winterwetter mit beheizbaren Scheiben zu haben. An den Heckfenstern zählt diese Technik mittlerweile fast schon zum Standard bei modernen Autos. Und auch beheizbare Frontscheiben sind bei einigen Marken und Modellen inzwischen erhältlich. Allerdings sollte man auch hier zumindest die gröbsten Schneewehen per Hand von den Scheiben kehren. Denn bei laufendem Motor abzuwarten, bis die dünnen Heizdrähte im Glas die Eiskristalle aufgeweicht haben, schadet nicht nur der Maschine, sondern vor allem auch der Umwelt und ist aus diesem Grund verboten.