Autokosten-Studie: Mehr Wert statt Volumen - DER SPIEGEL
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Autokosten-Studie Mehr Wert statt Volumen

Deutsche lieben Autos. Und sie lassen sie sich was kosten. Nach einer Studie des Prognose-Instituts B&D-Forecast in Leverkusen legt der deutsche Autobesitzer heute mehr als doppelt so viel für seinen Neuwagen auf den Ladentisch wie noch vor 20 Jahren.
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Wurden 1983 in Deutschland für den Neuwagen im Schnitt 9460 Euro gezahlt, sind es heute 22.100 Euro, hat B&D-Geschäftsführer Ferdinand Dudenhöffer, zugleich Direktor des Center Automotive Research (CAR) an der Fachhochschule Gelsenkirchen, errechnet. "Immerhin ein Anstieg von 134 Prozent." Und auch in den nächsten fünf Jahren sieht der Auto-Professor den Fahrzeugwert als bestimmenden Faktor auf dem deutschen Automarkt, während im Zulassungsbereich mittelfristig nur wenig neues Potenzial zu erwarten sei. Freuen kann sich darüber vor allem die Zulieferindustrie, die diese Werttreiber fast vollständig entwickelt und herstellt.

Dudenhöffer hat vier Trends ausgemacht, die auch zukünftig den Kauf höherwertiger Autos stützen werden. Die ersten beiden zeigen ein gestiegenes Bedürfnis nach mehr Sicherheit- und Komfortausstattung. Fahrer-, Beifahrer-, Seiten-Airbag, ABS oder ESP sind Ausstattungen, auf die der Deutsche kaum mehr verzichten will. ABS ist mittlerweile bei 90 Prozent aller in Deutschland verkauften Neuwagen vorhanden, ESP liegt bei 40 Prozent. Tiefer in den Geldbeutel gegriffen wird ebenso für die Annehmlichkeiten an Bord. Elektrische Türöffner, 1983 noch der Oberklasse vorbehalten, sind heute bei neun von zehn Neuwagen Standard. Groß im Trend auch die Klimaanlage, die mittlerweile bei fast 80 Prozent Ausstattungs-Anteil liegt.

Und der Trend zur besseren Komfort- und Sicherheits-Ausstattung bleibt laut B&D-Prognose ungebrochen. Die heutigen Möglichkeiten der Navigationssysteme beispielsweise - ob fest installiert, Pocket-PC oder Handy - würden dazu führen, dass im Jahr 2008 der Ausstattungsanteil mit den elektronischen Pfadfindern bei knapp 40 Prozent liegt. Ähnliches gelte für Parkpilot, Telefon-Freisprecheinrichtungen, Xenon-Scheinwerfer, elektronische Abstandswarner, Reifendruckkontrollsysteme sowie Reifen mit Notlaufeigenschaften.

Mit der IAA gewinnt außerdem der Diesel-Partikelfilter im deutschen Automarkt an Fahrt. Mitte 2004 ist nach Einschätzung Dudenhöffers der Partikelfilter bei allen Herstellern in den Modellreihen der Mittelklasse aufwärts im Angebot - ohne Aufpreis. Der Kundendruck und der strenge Wettbewerb führe dazu, dass der Partikelfilter bei Fahrzeugen ab der Mittelklasse serienmäßig verbaut werde. "Wer dann noch mit Aufpreisen arbeitet geht ein Marken-Risiko ein", sagt Dudenhöffer.

Die Werteverbesserungen bleiben allerdings nicht auf den Ausstattungsbereich beschränkt. Stärkere Motor-Leistungen sind seit langem im Trend. Allein von 1990 bis zum Jahr 2002 ist die Motorstärke des Durchschnitts-Neuwagens von 68 KW auf 85 KW angestiegen. Das sind in zwölf Jahren 17 KW oder 25 Prozent mehr.

Und schließlich legen die Deutschen beim Autokauf immer mehr Wert aufs Image. Der Anteil höherwertiger Markenkäufe am Gesamtmarkt ist in Deutschland systematisch gestiegen. Vorausgesetzt, man definiert Premium-Marken als Audi, BMW-Mini, Mercedes-Smart, Porsche, Saab, Volvo, so ist der Anteil dieser Hersteller am Gesamt-Neuwagenverkauf von 21,5 Prozent im Jahre 1990 auf 30,4 Prozent im Jahre 2002 gestiegen.

Bemerkenswert ist laut Dudenhöffer bei alledem die Tatsache, dass die Ausgaben für einen Neuwagen deutlich stärker gestiegen sind als die Lebenshaltungskosten. Normiert man die Neuwagen-Preise des Jahres 1983 auf 100, beträgt der normierte Neuwagenpreis in 2003 immerhin 234. Im Vergleich dazu kletterten die Lebenshaltungskosten in den letzten 20 Jahren lediglich um 51 Prozent. "Der Deutsche hat also deutlich mehr fürs Auto angelegt als für die anderen Konsumgüter", resümiert der Auto-Professor.

Und noch eine Überraschung für den Autofahrer fördert die B&D-Studie zu Tage. Die Wartung ist billiger geworden. Wurde 1983 im Schnitt noch 490 Euro für Wartung und Verschleiß-Reparaturen ausgegeben, sind es 2003 nur noch 395 Euro. Hier schlagen sich die verlängerten Wartungsintervalle bei den Fahrzeugen im Geldbeutel des Autofahrers nieder.