Automarkt: Die Franzosen kommen - DER SPIEGEL
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Automarkt Die Franzosen kommen

Immer mehr Deutsche steigen in französische Autos, lautet die Bilanz der Neuzulassungen des letzten Jahres. Die japanischen Marken waren dagegen weniger gefragt. Auch bei den deutschen Herstellern gab es Verlierer: Ford und Opel.
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Frankfurt/Flensburg - Insgesamt sind nach Angaben des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) 1999 in Deutschland rund 4,44 Millionen Kraftfahrzeuge aller Art neu auf die Straßen gekommen, davon 3,8 Millionen fabrikneue Personenwagen. Im Vergleich zu 1998 stieg damit die Gesamtzahl der Neuzulassungen um zwei Prozent und bei den Pkw um 1,8 Prozent. Bei den Personenwagen hat es 1999 das dritthöchste Zulassungsergebnis seit der deutschen Vereinigung gegeben.

Wie aus Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes und des Verbandes der Kraftfahrzeugimporteure hervorgeht, verlor Ford als viertgrößter Anbieter innerhalb eines Jahres 12,5 Prozent seiner Kunden und kam nur noch auf etwa 314.000 Zulassungen. Neben dem neu eingeführten Kompaktmodell Focus und dem Sportcoupé Cougar hatten es alle andern Pkw-Baureihen schwer: Verkaufsrückgänge zwischen 30 und 40 Prozent waren die Regel. Opel, zweiter in der Rangliste, hat den angestrebten Aufschwung nicht geschafft und blieb mit etwa 523.000 Wagen um 2,2 Prozent unter dem Vorjahresstand. Die Verluste bei den älteren Modellen Vectra und Omega konnten vom Kompaktvan Zafira nicht ganz ausgeglichen werden.

Ganz anders entwickelte sich die Marke Mercedes-Benz: Die Stuttgarter bekamen nochmals einen Schub, der die Nachfrage um 6,8 Prozent in die Höhe trieb und Listenplatz drei festigte. Von den knapp 400.000 Zulassungen entfiel erstmals ein Viertel auf die kompakte A-Klasse, die sich damit zum meistverkauften Mercedes-Modell entwickelte. Der Kleinwagen Smart kam in seinem ersten vollen Verkaufsjahr auf knapp 38.000 Zulassungen.

Auf ein gutes Jahr kann auch die VW-Tochter Audi auf Rang fünf zurückblicken. Ausschlaggebend für das Plus von sechs Prozent auf 258.000 waren der Erfolg des Sportcoupés TT und die wieder erholte A3-Baureihe. Beim Marktführer VW war der Zuwachs um 4,6 Prozent auf 741.000 Wagen vor allem dem neuen Kleinwagen Lupo zu verdanken. Der Dauerbrenner Golf konnte sich dank der ebenfalls neuen Stufenheckvariante Bora auf dem Vorjahresniveau behaupten.

BMW profitierte vom guten Start seiner 3er Reihe, die als einziges Modell der Münchener zulegen konnte. Am Ende blieb für die Marke trotzdem nur ein bescheidener Anstieg um 1,7 Prozent auf etwa 236.000 Wagen übrig. Stetig voran geht es beim kleinsten deutschen Anbieter, dem Sportwagenhersteller Porsche: 10.500 Verkäufe entsprechen hier einem Anstieg um 9,1 Prozent. Trotz der unterschiedlichen Entwicklung bei den Verkaufszahlen blieb die Rangliste der deutschen Marken - mit VW an der Spitze und Porsche am Ende - insgesamt aber unverändert.

Fortgesetzt hat sich der Aufwärtstrend bei den großen französischen Herstellern. Renault kletterte um zehn Prozent und setzte sich mit über 258.000 Fahrzeugen auf Platz sechs etwas weiter vom Verfolger BMW ab. Noch kräftiger legte Peugeot mit rund 18 Prozent zu und verbesserte sich mit rund 103.000 Zulassungen vom elften auf den neunten Rang, überholte Toyota und Nissan und rückte gleichzeitig näher an Fiat heran. Die größte italienische Marke büßte etwa zehn Prozent ein und kam auf rund 120.000 Zulassungen.

Größere Veränderungen gab es auch in der Rangfolge der japanischen Anbieter. Mazda schob sich von Listenplatz zwölf auf Nummer zehn und profitierte bei einem leichten Zuwachs auf rund 89.000 Verkäufen. Toyota verlor zehn, Nissan sogar 20, Mitsubishi 8,3 und Honda 9,5 acht Prozent ihrer Kundschaft. Mitsubishi und Honda mussten ihre Positionen 13 und 15 an die aufstrebenden VW-Auslandstöchter Seat (Spanien) und Skoda (Tschechien) abgeben, die ihre Verkaufszahlen um 20 und 30 Prozent steigern konnten.

Den prozentual größten Auftrieb konnte 1999 allerdings der kleine britische Luxuswagenhersteller Jaguar auf Platz 32 verzeichnen: Die Einführung des Mittelklassemodels S-Type bescherte den Engländern unter Ford-Regie ein sattes Plus von 46 Prozent auf 6050 Zulassungen - zu Lasten der profitableren XJ- und XK-Modelle.

Wilfried Willutzki