Automarkt-Incentives Rabatte auf Rekordniveau
Der Direktor des Car Automotive Research (CAR) an der FH Gelsenkirchen hat die aktuellen "Incentives im deutschen Automarkt" untersucht. Also Rabattaktionen, Preisnachlässe über Sondermodelle, Gratifikationen und Gratisgeschenke sowie Sonderfinanzierung und Leasingangebote, mit denen Hersteller und Importeure zurzeit die Kunden ins Autohaus locken.
"Der Markt steckt voller solcher Aktionen", diagnostiziert Dudenhöffer. Grund sei der schlappe Inlands-Auftragsbestand der deutschen Hersteller, der mit etwas mehr als 350.000 Fahrzeuge den niedrigsten Stand seit zehn Jahren erreicht hat. Mit der Folge, dass deren Inlandsorganisationen, also die Autohändler, von der "Hand in den Mund" lebten. Dennoch oder gerade deswegen stecken sowohl Händler als auch Hersteller ihre Gewinnspannen ins Rabatt-Geschäft. "Ein margenverzehrender Incentive-Kampf beschreibt derzeit den deutschen Automarkt" stellt Dudenhöffer fest.
Dabei bewegen sich die "Rabatte auf Rekordniveau". Bei einigen Herstellern beträgt der Durchschnitt nach Berechnungen des CAR-Instituts über die gesamte Modellpalette gegenüber den Listenpreisen deutlich mehr als zehn Prozent. Spitzenreiter ist dabei Renault, allein auf Grund seiner hohen Zahl von 25 Prozent Tageszulassungen, die dann durch direkte Händlerangebote mit bis zu 15 Prozent Abschlag verkauft werden.
Hinzu kommen direkte Rabatte, individuelle Leasing- und Sonderzinsen des Händlers und die überhöhte Inzahlungnahme von Gebrauchtwagen. Bis zu 3500 Euro über den üblichen Preis nach der DAT/Schwacke-Liste zahlen die Franzosen bei Kauf eines Megane, Laguna, VelSatis oder Scenic. Laut Dudenhöffer werde damit der Durchschnitts-Renault in Deutschland mit rund 2000 Euro Rabatt gegenüber dem Listenpreis des Herstellers angeboten. Wen wundert's, dass Renaults intensiv bei Quelle angeboten werden.
Dort sind auch häufig Ford Galaxy und Ford Mondeo zu finden. Beide Fahrzeuge stehen mit Preisabschlägen von über 20 Prozent gegenüber dem Herstellerlistenpreis im Angebot des Versandhandels. Ford sei zwar wesentlich zurückhaltender mit Tageszulassungen als Renault, allerdings würden zu den schon gut kalkulierten Ford-Viva-Sondermodellen beim Händler noch reichlich Rabatte angeboten. So sei es nicht sonderlich schwer, den Ford Focus mit bis zu 4000 Euro Preisvorteil zu finden.
Und noch ein Franzose fällt mit üppigen Preisvorteilen und überhöhten Inzahlungnahmen auf. Citroën bietet neben zinslosen Finanzierungen regelmäßig für Sondermodelle fast aller Baureihen (C2, C3, Pluriel, Xsara, Picasso, Berlingo) Preisnachlässe bis 3000 Euro respektive Inzahlungnahmen bis 4500 Euro über Marktpreis beim Kauf eines C5 Kombi oder C8.
Aber auch Oberklasse-Hersteller mischten in den Rabatt-Rangeleien kräftig mit. So bietet Mercedes neben individuellen Händlerprämien bundesweit Sonderzinsen für die A- und C-Klasse, die nach CAR-Berechnungen mit einem Rabatt von bis zu 14 Prozent einhergehen. Ähnliche Aktionen gäbe es bei Audi für den A4 und bei BMW händlerbezogen für den Z4. Hinzu kämen Eroberungsprämien, Ausstattungspakete und die im Firmenkundengeschäft nach außen kaum wahrnehmbaren "Sonderrabatte und Leasing-Programme".
"Amerikanische Verhältnisse", wo die Big Three - GM, Ford, Chrysler - immer noch Durchschnittsrabatte von über 3500 US-Dollar pro Fahrzeug geben, fürchtet Dudenhöffer jedoch nicht für den deutschen Markt. Im Gegenteil, der Auto-Professor erwartet vielmehr, dass die Hersteller und Importeure wegen des überalterten Fahrzeugbestandes und eines attraktiven Angebots in Deutschland ihre Incentives auf Normal-Niveau zurückfahren könnten. Der Fahrzeugbestand sei mit durchschnittlich acht Jahren auf einem historischen Hoch, der Auswechselprozess damit unvermeidbar. Und noch nie hätten so viele neue Modelle in den wichtigen Volumen-Segmenten wie 2004 zur Verfügung gestanden.
Voraussetzung dafür sei allerdings, dass die Politik sich ruhig verhalte. "Sollte es der Umweltminister Trittin schaffen, in den nächsten sechs Monaten nicht in TV und Presse mit neuen Steuervorschlägen aufzutauchen, sollten keine Überlegungen zur Pkw-Maut angestellt werden, sollten keine neuen Vorschläge zu Steuererhöhungen und Abgabenbelastungen aus Berlin kommen, sind die Voraussetzungen gut, dass der Automobilmarkt anspringt", meint Ferdinand Dudenhöffer.