Automobil-Visionen Klappflundern und Eierbecher
"Driving tomorrow" heißt das Motto der diesjährigen Tokio Motor Show, und das ist nicht nur eine flotte Formulierung des Messemarketings, sondern tatsächlich als Programm zu verstehen: Skurrile Gefährte werden da gezeigt, die aus den Requisitenlagern von Science-Fiction-Filmen zu stammen scheinen. Mal sind die Space-Geschosse flach wie Flundern, zum Einsteigen klappt der Fahrer den gesamten Deckel zurück. Mal öffnen sich die Schiebetüren seitlich auf der gesamten Fläche des Wagens, wie riesige gläserne Portale.
Tokio Motor Show: Schrille Autos und fotogene Frauen
Der Clou allerdings ist ein Ein-Personen-Mobil von Toyota, das so auch in Phantomas oder James-Bond-Filme auftauchen könnte: Ein rasender Eierbecher, der mit Kalimerokäppchen vor Regen und Knieschützerklappen vor Beulen schützt. Im i-swing, so die Hersteller, fühle man sich, als ob "man auf Skiern eine Piste hinabgleitet". Hostessen führen auf der Bühne vor, wie sich das Gefährt in die Kurve legt. Als Cityflitzer scheinen die Elektro-Wägelchen in der Zukunft durchaus vorstellbar. Dennoch: Das Unternehmen hält eine Serienfertigung in den kommenden zehn Jahren für unwahrscheinlich.
Auf Eierform setzt auch Nissan: Mit einer elektrisch angetriebene Glaskugel, dem Pivo: Mit drehbarem Führerstand könnte er den Stadtverkehr revolutionieren. Denn dann gilt: Ab jetzt immer vorwärts einparken.
Die Tokio Motor Show ist gerade bekannt dafür, dass hier die Designern und Ingenieure Autovisionen ins Licht der Öffentlichkeit rollen dürfen, die sonst eher selten zu sehen sind. Das gilt übrigens nicht nur für die japanischen Hersteller, sondern auch für einige deutsche Firmen. Mercedes etwa stellt traditionell in Tokio ein Forschungsfahrzeug vor - und auch für VW ist die Show seit Jahren eine ideale Bühne, um die Technikkompetenz des Konzerns zu demonstrieren.
Die Veranstalter erwarten in diesem Jahr erstmals mehr als 1,5 Millionen Besucher, die Laufzeit der Messe wurde auf 17 Tage ausgedehnt und umfasst nun auch drei Wochenenden. Damit, so rühmt Itaru Koeda, Präsident der Jama (Japan Automobile Manufacturers Association), sei die Tokio Motor Show die längste Automobilausstellung der Welt, denn sie übertreffe nun auch den Autosalon von Paris, der üblicherweise 16 Tage dauert.
Rund 240 Hersteller zeigen auf der Automesse ihre Neuheiten, insgesamt sind 79 Weltpremieren angekündigt. Zu den wesentlichen Trends dieser Messe zählen Hybrid- und Brennstoffzellenantriebe, Hightech-Elektronik im Fahrzeug in allen möglichen Facetten und vor allem Karosserieformen, die weit jenseits von den bislang üblichen Formaten angesiedelt sind.
Die 39. Auflage der Messe, die seit 1954 veranstaltet wird, in diesem Jahr markiert eine Zäsur. Denn ab dem Jahr 2007 wird die Tokio Motor Show, die bislang jährlich mit den wechselnden Schwerpunkten Pkw und Lkw stattfindet, auf einen anderen Rhythmus umgestellt. Ab dann nämlich wird es alle zwei Jahre nur noch eine noch größere Ausstellung geben, in denen Motorrad-, Pkw- und Nutzfahrzeug-Hersteller gemeinsam ihre Neuheiten vorstellen. Das Verkehrs-Tohuwabohu rund ums Messegelände dürfte dadurch eher noch wilder werden.
Die Veranstaltung wird am Samstag für das Publikum geöffnet und findet noch bis zum 6. November in den Makuhari-Messehallen am Rande der japanischen Hauptstadt statt.