Autositze Wecker unterm Gesäß
Wer wünscht sich das nicht in seiner Beziehung: einen Partner, der anschmiegsam ist, intelligent und einem jederzeit den Rücken massiert. Während dies auf der zwischenmenschlichen Ebene meist ein Wunschtraum bleibt, kann sich zumindest mancher Autofahrer auf einen idealen Begleiter verlassen: seinen Sitz. Denn moderne Autositze sind mittlerweile komplexe Hightech-Geräte, die immer höhere Ansprüche an Sicherheit und Komfort erfüllen. Sie warnen vor kritischen Situationen im Verkehr, schützen den Besitzer im Falle eines Unfalls und pflegen den Rücken dank ausgeklügelter Massage- und Klimafunktionen.
Citroën-Fahrer etwa können sich darauf verlassen, dass ihr Sitz sie warnt, sollten sie Opfer des Sekundenschlafs geworden sein. Das sogenannte AFIL-System löst einen Vibrationsalarm aus, der den vermeintlich abwesenden Fahrer wieder zur Besinnung rufen soll. Sechs Infrarotsensoren unter der vorderen Stoßstange registrieren, sobald das Auto eine durchgezogene Fahrbahnmarkierung überfährt, ohne dass der Blinker zuvor gesetzt wurde. Das System geht in diesem Fall davon aus, dass der Fahrer die Augen nicht mehr auf der Straße hat und aktiviert einen von zwei Unwuchtrotoren in der Sitzfläche des Fahrersitzes. Besteht zum Beispiel die Gefahr, dass das Auto nach rechts abdriftet, wird der rechte Hallo-Wach-Wecker ausgelöst Tests haben ergeben, dass ein eingenickter Fahrer bei Rüttelalarm auf der rechten Sitzseite automatisch nach links lenkt.
Der Rüttelalarm im Citroën C4 ist bislang einmalig in der Welt der Autositze. Bei den Franzosen wollte man in Zeiten, in denen der Fahrer kaum noch unter all den Piep- und Blinksignalen der unterschiedlichsten Hightech-Komponenten im Autoinneren unterscheiden kann, ein neues Signal einführen. "Wer im Auto zum Beispiel laut AC/DC-Musik aufgedreht hat, würde einen Warnton auch gar nicht hören", sagt Citroen-Sprecher Thomas Albrecht. "Ist er eingeschlafen, kann er natürlich ein Warnlämpchen nicht sehen. Deshalb setzen wir den Vibrationsalarm ein."
Elf Luftpolster sorgen für optimalen Halt im Auto
Die Autohersteller setzen überhaupt vermehrt auf sicheres Gestühl. Mercedes-Fahrer zum Beispiel können in der neuen S-Klasse auf Sitzen Platz nehmen, die kaum noch Wünsche offen lassen. Bei den sogenannten fahrdynamischen Multikontursitzen lassen sich fünf Sitzzonen mit Hilfe von elf Luftpolstern so justieren, bis es sich anfühlt, als sei das gesamte Gerät passgenau für die Körpermaße des Fahrers konstruiert worden. Die Sitze bieten umfangreiche Massagefunktionen und sind zudem mit dem Pre-Safe-Insassenschutzsystem des Wagens verbunden, so dass bei einem drohenden Unfall automatisch auch die Luftpolster in den Seitenwangen und lehnen aufgepumpt werden, um optimalen Halt zu geben.
Außerdem variiert bei den Sitzen der Fülldruck der seitlichen Luftkammern in den Rückenlehnen je nach Lenkwinkel und Querbeschleunigung, um dem Fahrer in Kurven besser abzustützen. "Der Sitz ist ja das Ausstattungselement, das beim Fahren, insbesondere von langen Strecken, am intensivsten genutzt wird", sagt Mercedes-Sprecher Gerd Esser. "Nur wenn man dabei nicht schwitzt, nicht verkrampft und nicht unruhig auf dem Sitz herumrutscht, kann man sein Auto wirklich führen. Ein guter Sitz hilft dem Fahrer, bei Kondition und damit konzentriert zu bleiben." Weil der Mercedes-Sitz besonders für belastete Rücken von Vielfahrern eine gute Lösung ist, wurde er von en unabhängigen Experten der "Aktion Gesunder Rücken" mit dem AGR-Gütesiegel ausgezeichnet.
Orthopädisch optimierte Sitze für Vielfahrer
Doch nicht nur die First-Class-Sitze von Luxuslimousinen sind gut für die Bandscheiben. Auch Opel-Fahrer können beispielsweise im Signum auf einem "orthopädisch optimierten" Multikontursitz mit AGR-Siegel Platz nehmen. Die Rüsselsheimer investierten rund 75 Millionen Euro in die Entwicklung der aktuellen Sitzegeneration. "Moderne Autositze werden bezüglich ihrer technischen Komplexität oft stark unterschätzt", sagt Andrew Leuchtmann aus dem Bereich Seat-Engineering der Opel-Muttergesellschaft General Motors. "Tatsächlich sind es aber absolute Hightech-Komponenten, die auf engstem Raum extremen Anforderungen an Crashsicherheit, Komfort und auch Gewicht - Stichwort Kraftstoffverbrauch - erfüllen."
Weil Sicherheit und Komfort immer wichtiger werden, sind die Autohersteller auf der Suche nach der optimalen Sitzgelegenheit. Im Renault Mégane zum Beispiel kommen Modelle des Zulieferer Faurecia mit Anti-Submarining-System zum Einsatz, die verhindern sollen, dass Fahrer oder Beifahrer im Falle einer Kollision unter dem Sitzgurt hindurchrutschen. "Sitze sind heute integraler Bestandteil des Sicherheitssystems des Autos", heißt es bei Faurecia. Außerdem sind sie Marketing-Instrumente: "Autohersteller verlangen heute im höchsten Maße individuelle Sitzlösungen, um für ihre Kunden unverwechselbar zu werden", heißt es weiter bei Faurecia. Denn wer sich einmal bequem auf seinem Wellness-Massage-Sitz mit integrierter Klimaanlage niedergelassen hat, wechselt nicht so leicht auf den Sessel der Konkurrenz.
pwe