Autotechnik Charakter auf Knopfdruck
Rüsselsheim/Köln - Im Windschatten dieser Gelände-Kombi-Van-Limousinen werden Autos entwickelt, die ihren Charakter auf Knopfdruck wechseln und sich in Sekunden etwa vom biederen Familienauto in einen rasanten Sportwagen verwandeln. Während sich früher allenfalls die Härte der Dämpfer verstellen ließ, bietet die Technik heute weitaus mehr Wandlungsmöglichkeiten.
Das jüngste Beispiel dafür liefert der neue Opel mit dem neuen Astra. Ihn gibt es nach Angaben des Herstellers in Rüsselsheim gegen Aufpreis mit einem speziellen Dynamik-Paket, das in die Elektronik des Fahrzeugs eingreift. Wer per "SportSwitch" - einem unauffälligen Schalter in der Mittelkonsole - den Modus wechselt, verändert damit unter anderem die Einstellung der elektronischen Dämpferregelung und sorgt so für eine härtere Straßenlage. "Wir haben im Sport-Modus darüber hinaus auch die Servo-Unterstützung der Lenkung, das Ansprechverhalten des Gaspedals und die Schaltpunkte der Automatikgetriebe variiert", so Pressesprecher Patrick Munsch.
Das Ergebnis ist nach seinen Worten "mehr Fahrspaß auf Knopfdruck". Während der Astra in der normalen Einstellung für ruhiges Gleiten ausgelegt sei, verschiebe sich die Priorität im Sportmodus von Komfort in Richtung Dynamik und Stabilität.
Noch weiter geht Ford mit der im September auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt am Main vorgestellten Studie Visos. Bei dem Konzeptfahrzeug gingen die Entwickler über den Eingriff in Motor- und Getriebesteuerung sowie Fahrwerksabstimmung hinaus. Bei dem Prototypen zeigt sich der Charakterwandel sogar in der äußeren Form, wenn der Schalter für den "Sport-Mode" gedrückt wird: "Dann fährt vorn ein Frontspoiler aus, während am Heck ein Diffusor und ein zweiter Spoiler erscheinen", sagt Chris Hamilton, der für das Außendesign verantwortlich ist.
Mehr Fahrspaß
Im Innenraum des Visos wird bei sportlicher Fahrt automatisch die Beleuchtung des Cockpits heller und akzentuierter. Die Vordersitze blasen sich für mehr Seitenhalt auf, das Lenkrad rückt näher an den Fahrer, die Instrumente zeigen wichtige Motor- und Betriebsdaten, und aus der Mittelkonsole taucht wie das Persikop eines U-Boots der Schalthebel für sequenzielle Gangwechsel auf. sagt Innenraumdesigner Paul Campbell erklärt: "Wenn Sie in den Comfort Mode zurückschalten, wird die Illumination wieder weicher, die Sitzposition bequemer". Gefragt ist der Charakterwechsel auf Knopfdruck nicht nur bei verkappten Rennfahrern.
Denn abseits befestigter Straßen kann die Elektronik Sicherheit und Komfort erhöhen, glauben die Entwickler. Auf diesem Gebiet will Land Rover mit seinem neu entwickelten "Terrain Response" auftrumpfen. Das System, das zum ersten Mal in der Detroit-Studie Range Stormer gezeigt wurde und nach Angaben der Presseabteilung in Schwalbach noch in diesem Jahr im neuen Discovery in Serie geht, reagiert auf unterschiedliche Fahrbahnbeläge.
Automatisch - oder auf Knopfdruck - wechselt der Geländewagen zu den jeweils idealen Einstellungen für schnelle Autobahnfahrten, Wüstenstrecken, Schotterpisten oder Graspassagen. Insgesamt stehen nach Herstellerangaben sieben verschiedene Modi zur Wahl. "Terrain Response" soll sich elektronisch auf Motor- und Getriebesteuerung, Einstellung der Differentiale, Regelung von ESP sowie auf das ABS und die Bremsen auswirken.
Von Thomas Geiger, gms