Autotrends: Revolution? Nicht mit den Deutschen! - DER SPIEGEL
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Autotrends Revolution? Nicht mit den Deutschen!

Die Italiener bauen immer schönere Autos, die Amerikaner immer ausgeflipptere - und die Deutschen? Richtig geraten: Hier zu Lande geht der Trend ganz eindeutig zum Vernunftauto.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die technische Entwicklung schreitet immer schneller voran - nur an den Autos wird sie weitgehend vorbeigehen. Eine Umfrage in den Entwicklungsabteilungen von Audi, BMW und Mercedes-Benz zeigt, dass zwar viele Verbesserungen im Detail zu erwarten sind. Doch die großen Revolutionen bleiben wohl aus.

Der Schwerpunkt der Entwicklung liegt bei den Herstellern auf einer weiteren Reduzierung von Verbrauch und Emissionen. So setzt Audi neben Direkteinspritzung für Diesel- und künftig auch für Benzinmotoren vor allem auf eine Verringerung des Fahrzeuggewichts - zum Beispiel durch Aluminiumkarosserien.

Bei BMW liegt der Focus nach Angaben aus München auf einer Optimierung der Motoren, wie sie mit dem variablen Ventiltrieb und der variablen Nockenwellensteuerung bei einigen Sechszylindern schon verwirklicht ist. Und auch Mercedes in Stuttgart setzt laut Hans Joachim Schöpf, Leiter des Geschäftsbereiches Pkw-Entwicklung, auf Technologien wie Direkteinspritzung, individuelle Ventilansteuerung und Zylinderabschaltung. So soll der neue V12-Motor im Teillastbereich automatisch zum Sechszylinder werden.

Bei allen drei Anbietern geht man davon aus, dass der Verbrennungsmotor auch in zehn Jahren noch die breiteste Anwendung finden wird. Schließlich habe die Common-Rail-Technik dem Diesel neue Horizonte eröffnet, und beim Benziner habe das Zeitalter der Direkteinspritzung gerade erst begonnen, heißt es bei Audi.

Die Chancen der alternativen Antriebe werden sehr unterschiedlich beurteilt: Während man sich in Stuttgart für den Serieneinsatz der Brennstoffzelle rüstet, setzt man in München kurzfristig auf Erdgas und langfristig auf Wasserstoff. In Ingolstadt hält man sich bedeckt.

Ebenfalls ein wichtiges Thema bleibt die Sicherheit. Hier arbeiten alle Hersteller an intelligenten Airbags, die den Unfall vorhersehen und die Aufprallwucht abschätzen können. Außerdem reifen neue Assistenzsysteme heran, bei denen aktive und passive Sicherheit miteinander zu vorausschauenden Systemen verknüpft werden. Funktionen wie der Abstandsregeltempomat bei Mercedes oder eine bei BMW erprobte automatische Spurführung sind dabei nur der Anfang.

Die Fülle neuer Informationen und Funktionen wird das Innenleben der Autos in naher Zukunft gründlich verändern. Weil die Zahl zusätzlicher Knöpfe und Schalter irgendwann erschöpft ist, hat BMW in der Studie Z9 ein Konzept mit wenigen, intuitiven Bedienelementen entwickelt, das einen Ausblick auf das Cockpit von morgen geben kann.

Auch bei Mercedes und Audi erwarten die Insassen neue Anzeigeinstrumente, die den Tacho ersetzen und zusätzliche Informationen vermitteln können. Auf gewohnte Bedienelemente wie Lenkrad und Tacho wird aber so schnell nicht verzichtet. Zwar übernehme die Elektronik unter dem Stichwort "Drive by wire" die Rolle der Mechanik, doch ein Joystick sei auf absehbare Zeit keine Alternative.