Autowandern in Namibia: Auf den Spuren der Südwester - DER SPIEGEL
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Autowandern in Namibia Auf den Spuren der Südwester

Namibia war 30 Jahre lang deutsche Kolonie, auch fast ein Jahrhundert später ist das wilhelminische Erbe noch sichtbar. Vom Auto aus wirkt das Land wie "Afrika light": Man sieht Nashörner im Busch, durchquert die Wüste - und isst Schnitzel im "Deutschen Haus".
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Der Blick schweift von einem Berg mitten im Nirgendwo in die Ferne. Die Savanne liegt einem zu Füßen, die Hand hält ein kühles Getränk und am Abhang unten huschen ein paar Zebras und Elefanten durchs Gebüsch. Dazu noch der glutrote Sonnenuntergang am Horizont - wie im Film. Tatsächlich ist es erlebte Wirklichkeit im Herzen Afrikas und Höhepunkt einer Autowanderung, für die man weder Abenteurer noch Aussteiger sein muss. Zwar ist Afrika in weiten Teilen ein wilder und manchmal sogar gefährlicher Kontinent, doch nirgendwo erschließt sich einem dieser Erdteil einfacher als in Namibia, das bis 1914 noch als "Deutsch Südwest" auf den Landkarten verzeichnet war.

Ein paar Tage Zeit, ein voller Tank und ein zweites Ersatzrad reichen vollends aus, um in einer guten Woche auf den Spuren der Südwester zumindest einen Teil des Landes zu erkunden, vieles über Afrika zu lernen und dabei hinter dem Steuer Dinge zu erleben, von denen Geländewagenfahrer hierzulande nur träumen.

Die Anreise mit dem eigenen Auto wäre natürlich ein Abenteuer für sich. Doch gibt es in der per Flugzeug gut erreichbaren Hauptstadt Windhoek glücklicherweise genügend Mietwagen, die auch für härtere Offroad-Einsätze geeignet sind. Allerdings sind solche Fahrten nicht ohne Risiko: Jahr für Jahr verunglücken rund 40 deutsche Touristen tödlich bei Unfällen in Wüste oder Savanne. Deshalb empfiehlt sich die Buchung eines Komplettpakets samt erfahrener Reiseleitung. BMW beispielsweise bietet eine solche Erlebnisreise im Fahrertrainings-Programm an, das allerdings 3850 Euro plus Flug kostet.

Die Instruktoren erklären wie man richtig im Gelände fährt, was beim Dünen-Surfen im Auto zu beachtennist und welche Rahmenbedingungen abseits der Straße gelten. Doch anders als bei einem konventionellen Fahrertraining sitzt hier niemand auf der Schulbank, sagt Frank Isenberg, der das BMW-Programm verantwortet. "Hier in Namibia sind wir weniger Fahrlehrer als Reiseleiter und wollen den Kunden einfach ein faszinierendes Erlebnis bieten."

Gleich hinterm Flughafen beginnt die Rüttelpiste

Das Erlebnis beginnt bereits kurz hinter dem Flughafen: Denn auch wenn das deutsche Erbe allerorten präsent ist, der Kiosk die "Allgemeine Zeitung" führt und es sogar ein kleines Stück beinahe deutscher Autobahn gibt, werden aus den befestigten Straßen schnell staubige Schotterpisten. Und spätestens hinter den Toren der Lodges und Gästefarmen werden aus den Schotterpisten steinige Gebirgspfade, auf denen man beim so genannten Gamedrive, also der Wildbeobachtung vom Auto aus, ohne Allradantrieb aufgeschmissen wäre.

Eine eindrucksvolle Rundfahrt führt von der Hauptstadt aus auf der C26 über 300 Kilometern durch ein rotes Steingebirge und die Ausläufer der Wüste Namib an die Atlantikküste nach Swakobmund und Walfischbai. Die Asphaltdecke endet schon kurz hinter der Hauptstadt. Doch schnell gewinnt man Vertrauen in die Schotterpiste, ist mit einem viel zu hohen Tempo unterwegs und zieht eine riesige Staubfahne hinter sich her. Aber Vorsicht: Hin und wieder lauern knietiefe Bodenwellen, und in den Kurven bietet der Schotter oft weniger Grip als loser Schnee. Außerdem sind das Panorama am mehr als 2000 Meter hohen Gamsbergpass, die Wüste bis zum Horizont oder der Ausblick auf die fast himmelhohe "Düne 7" kurz vor der Küste viel zu spektakulär um daran vorbei zu rasen. Außerdem heißt es auf Schilder und das Navigationssystem achten, wenn man keine Zusatztage für Suchfahrten eingeplant hat.

Keine anderen Autos, dafür aber viele Tiere

Keine anderen Autos, dafür aber viele Tiere

Andere Autos sieht man auf solchen Touren durch Namibia kaum. Doch alleine ist man deshalb nicht. Immer wieder kreuzen Antilopen die Piste, Paviane turnen am Straßenrand, in der Ferne reckt gelegentlich eine Giraffe den Hals. Mit etwas Glück steht zumindest auf den riesigen Farmen und Lodges auch mal ein Nashorn oder ein Elefant auf der Straße. Und auch wenn man sie vielleicht nicht sieht, bekommt man mit großer Sicherheit Löwen zumindest zu hören.

Ganz andere Tiere grüßen an der Küste vom Rand dessen, was die Einheimischen eine Straße nennen. Wer von Walfischbai – empfehlenswert ist hier ein ortskundiger Führer – in Richtung Sandwichharbour aufbricht, fährt auf Sandstraßen vorbei an Pelikan-, Flamingo- und Robbenkolonien, bevor der Guide die Geländeuntersetzung einlegt und seine Gäste zum Ritt durch die Dünen einlädt. Wie Laurence von Arabien kann man dort mit dem Wagen durch den Sand pflügen, auf den Hügeln surfen und mitten über den Strand zurück in die Zivilisation fahren.

Dabei reibt man sich spätestens in Swakobmund die Augen: Nein, das Seebad liegt nicht auf Rügen und nicht auf Sylt – auch wenn der Metzger Thüringer Bratwürste und Bayrischen Leberkäse anbietet, am Wochenende zum Reibekuchen-Wettessen eingeladen wird, gegenüber die "Villa Wiese" mit günstigen Übernachtungen wirbt und man an der Hauptstraße das "Alte Amtsgericht" entdeckt.

Vorbei am "Matterhorn Afrikas"

Am Tag darauf zweigt die Route nach 80 Kilometern vom Strand ab und führt über eine steinige Hochebene vorbei an der Spitzkoppe, dem "Matterhorn Afrikas" und vielen anderen eindrucksvollen Bergen wieder ins Landesinnere führt: Wer jetzt mutig genug ist und das richtige Auto hat, kann einmal mehr von der ohnehin kaum erkennbaren Straße abbiegen und mitten in ein Flussbett einschwenken. Gut, dass das Wasser hier 30 Meter unter der Erde fließt. Doch hinterlässt der bisweilen ziemlich enge Canyon des Omaruru-Rivers trotzdem mächtigen Eindruck. Und der tiefe Sand wird zu einer echten Herausforderung, die man nur mit fast luftleeren Reifen besteht.

40 Kilometer später geht es wieder heraus aus dem Canyon, die Reifen werden wieder aufgepumpt, und der Weg führt in das faszinierende Erongo-Gebirge, in dem der Wind die roten Steine so rund geschliffen hat, als würden die Götter hier mit haushohen Kugeln Billard spielen. Wer hier die richtige Lodge auswählt, der kommt auf verschlungenen Pfaden mit dem eigenen Wagen und ein bisschen Abenteuerlust auch auf eben jene Bergspitzen, von denen man beim Sonnenuntergang mehr Afrika sieht, als man sich je hat träumen lassen. Dass es von dort nur noch zweieinhalb Stunden sind zurück nach Windhoek, zurück auf eine feste Straße und zurück in die Zivilisation, das mag man kaum glauben.

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