Autozubehör Donald Duck fährt mit
Solche Entertainment-Pakete sind zwar nicht neu und gehören nach Angaben der Unternehmen - vor allem mit Blick auf Exportmärkte wie die USA und Japan - schon seit einigen Jahren zu den Bestsellern im Veredlungsprogramm der BMW M GmbH, der Audi-Tochter quattro oder der Individualabteilung von Mercedes.
Auch die vornehmen Tuner haben das "Mäusekino" längst im Fond etabliert. Doch egal ob werkseitig montiert oder später nachgerüstet - meist mussten die Kunden für solche maßgeschneiderte Lösungen in kleinen Stückzahlen fünfstellige Beträge ausgeben, weshalb sich der Kreis der Nutzer in aller Regel auf die Business-Elite beschränkt hat.
Jetzt nehmen die Pkw-Hersteller einen anderen Kundenkreis ins Visier und beginnen den flächendeckenden Einsatz solcher Multi-Media-Systeme bewusst in klassischen Familien-Autos. Damit sollen die launigen Standardfragen des ungeduldigen Nachwuchses auf der Rückbank bald verstummen. Alle Systeme sind so ausgelegt, dass nicht nur ein DVD-Player, sondern auch eine Spielkonsole oder ein Camcorder angeschlossen werden kann. Damit die erste Reihe vom Kinderprogramm nicht gestört wird, lässt sich der Soundtrack auch über Infrarot-Kopfhörer abspielen.
Ihren Einstand in der Großserie gibt diese Unterhaltungstechnik nach Angaben von Ford in Köln im zuletzt gründlich überarbeiteten Galaxy, wo seit kurzem ein Multi-Media-Paket angeboten wird. Für rund 4700 Mark bekommt der Kunde zwei Bildschirme in den Kopfstützen, eine Steuereinheit mit Eingängen für alle möglichen Geräte zwischen den Vordersitzen und einen VHS-Videoplayer im Kofferraum. Das gleiche System gibt es zum selben Preis demnächst auch im Mondeo Turnier.
Knapp 1500 Mark teurer, dafür aber einen Schritt weiter ist das Infotainment-Angebot im neuen Renault Laguna. Es soll laut Renault später auch im Espace und im kommenden Vel Satis angeboten werden. Bild und Ton kommen nicht mehr vom Video-Band, sondern bieten dank DVD deutlich bessere Qualität.
Als dritter bringt in diesem Sommer Mercedes ein rollendes Kino auf den Markt: Das Video-Paket für die M-Klasse besteht nach Angaben von Sprecher Wolfgang Zanker aus einem großen Flachbildschirm im Fahrzeughimmel und einem VHS-Abspielgerät, das unter der Fondsitzbank montiert wird. Auf Wunsch lässt sich an die 5500 Mark teure Einheit auch ein DVD-Player, eine Kamera oder eine Spielkonsole anschließen. Den Soundtrack gibt es - je nach Wunsch - über eine hochwertige Bose-Anlage oder über Kopfhörer. Das Videopaket kann bei jeder neuen M-Klasse mitbestellt werden, lässt sich aber bei allen Fahrzeugen ab dem Modelljahr 2000 auch nachrüsten.
Ähnlich funktioniert das "AutoVision"-Paket, das Opel im kommenden Jahr im Zafira anbieten will. Dafür hat das Unternehmen gemeinsam mit Johnson Controls eine Konsole entwickelt, in der DVD-Player und Bildschirm vereint sind. Die 3,5 Kilogramm schwere Einheit wird zwischen den Vordersitzen am Dach montiert und klappt auf Knopfdruck einen Monitor aus. Der Preis steht noch nicht fest, wird aber auf rund 4000 Mark taxiert. Erfolg vorausgesetzt, lässt sich "AutoVision" mühelos auch in den meisten anderen Opel-Modellen einbauen.
Fürs Erste jedoch beschränkt sich das Unterhaltungsangebot bei allen Anbietern - aus Sicherheitsgründen - auf die Rückbank. Und auch dort müssen sich die Hinterbänkler auf absehbare Zeit mit Programmen von der Konserve begnügen. Denn bis die Technik so versiert ist, dass "echter" TV-Empfang während der Fahrt möglich ist, wird es wohl noch etwas dauern. Ohne digitales Fernsehen hätte man, so die Experten aus der Zulieferindustrie, sonst auch im Sommer nur Schneegestöber auf dem Bildschirm.