Baggerfahren für jedermann: König der Kiesgrube - DER SPIEGEL
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Baggerfahren für jedermann König der Kiesgrube

In diesem Sandkasten werden auch gestandene Männer wieder zu Buben: Der Baukonzern Hochtief hat in Essen einen gewaltigen Spielplatz für Erwachsene eingerichtet. Statt mit Schaufel und Eimer wird im Blue Site Park mit schwerem Gerät gebuddelt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frauen wissen es längst: Männer sind im Grunde große Kinder. Doch haben sie gegenüber Heranwachsenden einen entscheidenden Vorteil: Ihr Taschengeld ist nicht so knapp bemessen. Deshalb können sie sich Wünsche erfüllen, die früher nur Träume waren. Davon profitieren - neben den Modellbahnabteilungen im Spielwarenhandel - immer häufiger auch Bauunternehmer und Kiesgrubenbesitzer, die ihr Gerät und Gelände zweckentfremden und zum Spielzeug für Erwachsene deklarieren. Ihnen rennen Kegelclubs und Stammtische, gestresste Manager und besser verdienende Schreibtischtäter die Zäune ein. Nachdem Buddelparks wie das Baggerland Herzfelde bei Berlin, oder der Baggerspaß Bayern gelegentlich bereits in Terminnot geraten, hat jetzt auch der Baukonzern Hochtief den Reiz der gelben Riesen erkannt und in einem Essener Industriegebiet den vielleicht schönsten Abenteuer-Spielplatz für Männer eingerichtet.

Die Idee dazu hatte Dirk von der Weiden. "Weil solche Geräte auf viele eine ungeheure Faszination ausüben, haben wir vor einigen Jahren überlegt, wie man auch einmal Laien hinter das Lenkrad bekommen könnte", berichtet er von den ersten Plänen, die zum "Blue Site Park" geführt haben. Zunächst als Begegnungsforum für Kunden und Geschäftspartner gedacht, ist das zwei Fußballfelder große Areal nun ein Buddelparadies, das auch für Vereine und Privatgäste geöffnet ist.

Im Keller grollt der Diesel, oben schwebt der Kies

Ab 3000 Euro aufwärts geht es los. Dann kommen die schweren Brocken zum Einsatz, etwa der Kaelble SL 22: 8,40 Meter lang, 3,20 Meter breit 3,60 Meter hoch und 20 Tonnen schwer. Der Radlader raubt stilecht eingekleideten Gästen erst einmal den Atem. Denn einen nach dem anderen bittet Maschinenführer Christoph Brandenburg hinauf ins enge Führerhaus. Dort zwängt man sich in einen Sitz, der stärker gefedert scheint als ein Trampolin und blickt auf ein Cockpit, das nur noch entfernte Ähnlichkeit mit einem Auto hat. Vor dem Bauch wächst ein riesiges Lenkrad aus dem Boden, im Fußraum gibt es nur zwei Pedale, und neben der Armlehne ragt ein Joystick in die Höhe, der manchen Computerspieler neidisch machen würde. Kaum ist der Zündschlüssel gedreht, ertönt tief unten das Grollen eines riesigen Dieselmotors. Neun Liter Hubraum, 313 PS und mehr als 1300 Nm Drehmoment stehen im Datenblatt, das jeden Sportwagen schmücken würde.

Was sich mit dieser immensen Kraft alles ausrichten lässt, zeigt der Griff zum Joystick. "Nach vorn heißt 'Schaufel senken', nach hinten heißt 'Schaufel hoch', und nach links oder rechts wird die Schaufel geöffnet und geschlossen", sagt Brandenburg und meint damit das mit scharfen Zähnen bestückte Ungetüm vorn am Ausleger, in dem eine Badewanne verschwinden könnte. Doch wer mit einem kleinen Stups am Hebel gut vier Kubikmeter Kies aufnehmen möchte, braucht Fingerspitzengefühl. Schließlich reißt jede Schaufel ein Loch, für das man im heimischen Garten einen halben Tag lang graben müsste. Und so tastet man sich gaaanz langsam durch das Kiesgebirge, durch Sand und Staub und schämt sich der Geringschätzung, die den Männern vom Bau mitunter entgegen gebracht wird.

Erst wird gebaggert, dann folgen Sonderprüfungen

Wer das kleine Einmaleins beherrscht, den schickt Maschinenführer Brandenburg zur ersten Sonderprüfung des Tages: den Hindernis-Parcours um den Kieshaufen. Wer dabei an eine leichte Übung denkt, der sieht sich schon nach wenigen Metern getäuscht. Erstens federt man auf dem Sessel im Fahrerhaus über die Bodenwellen wie ein Cowboy beim Rodeo. Und zweitens braucht es schon Konzentration, um mit dem rechten Fuß Gas zu geben und mit dem linken zu bremsen. Fortgeschritten versuchen, mit dem Kran einen riesigen Fußball in eine Torwand zu bugsieren - oder mit einem Bagger Mini-Golf zu spielen.

Auch an die ungewöhnliche "Knicklenkung" muss man sich gewöhnen: Nicht die Vorderräder weisen dem Radlader den Weg, sondern über ein Gelenk in der Mitte des Gefährts knickt der ganze Bug in die gewünschte Richtung. Dadurch wird der gelbe Riese fast so wendig wie ein Kleinwagen und jagt mit bis zu 40 Sachen übers Gelände. Auf der Straße mag das quälend langsam sein. Doch wenn die Steine spritzen und die Staubwolken dicht werden wie Novembernebel, fühlt man sich bei diesem Tempo hoch oben auf dem gelben Riesen wie der König der Kiesgrube.

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