Steuerung per Augenkontakt Da guckst du
Es ist ein seltsames Gefühl, das einen am CES-Messestand von Valeo beschleicht. Bei der Innovation, die der Automobilzulieferer in Las Vegas präsentiert, traut man nämlich seinen eigenen Augen nicht - obwohl man mit ihnen gerade ein Infotainmentsystem bedient. Je nachdem welchen Menüpunkt der Simulation man fixiert, erscheint auf dem Bordcomputer der Radiosender, die Navigationskarte, der Abstand zum Vordermann oder eine Verkehrswarnung.
Bei der Bedienung ist es weder nötig, nach dem richtigen Knopf zu suchen, noch muss man ständig den gleichen Befehl wiederholen, weil die Spracherkennung nur Bahnhof versteht. Stattdessen: Kontrolle, so weit das Auge reicht. Der Touchscreen wird abgelöst vom Watchscreen.
"Der Augenkontakt ist die direkteste Art der Interaktion", sagt Patrice Reilhac. Er ist bei Valeo für Innovationen im Bereich "Comfort and Driving-Assistance" zuständig und hat den sogenannten Gaze Detector entwickelt. "Zwischen Menschen funktioniert die Kommunikation doch auch über Blicke", meint er, "deshalb ist es auch eine natürliche Art, das Auto zu bedienen."
Das System reagiert tatsächlich erstaunlich präzise: Wo der Blick hinfällt, wird die Anwendung aktiviert. Die Erkennung funktioniert durch eine Infrarot-Stereokamera, die unterhalb des Armaturenbretts eingebaut ist. Sie ermöglicht aber nicht nur eine berührungslose Bedienung, sondern dient auch als Müdigkeitserkennung. Fallen dem Fahrer die Augen zu, registriert das die Kamera und kann Alarm schlagen.
Mit einem Blick passt sich das Auto dem Fahrer an
Ein ähnliches System, das auf Augenerkennung beruht, hat der Zulieferer Continental im vergangenen Jahr vorgestellt. Es erkennt, wenn der Fahrer den Blick von der Straße abwendet, zum Beispiel weil er sich zu den Kindern auf dem Rücksitz umdreht. Droht Unfallgefahr, blendet von hinten ein Leuchtstrahl auf und lenkt den Fahrer wieder nach vorne.
Auf der diesjährigen CES präsentiert Continental nun eine Weiterentwicklung. Außer der Sicherheit steht dabei vor allem der Komfort im Vordergrund. Die Infrarotkameras erkennen nämlich anhand der Augenposition die Größe des Fahrers. Automatisch werden dann das Lenkrad, das Head-up-Display und die Kopfstütze in die passende Stellung gebracht.
"Wenn das Head-up-Display falsch eingestellt ist, kann der Fahrer es gar nicht erkennen", sagt Tejas Desai, Leiter der Vorentwicklung von Continental in Nordamerika. Durch die Augenerkennung rückt es in die optimale Position. Das Gleiche gilt für die Kopfstütze: Wenn sie zu hoch oder zu niedrig justiert ist, bietet sie weniger Schutz bei einem Auffahrunfall. Die Infrarotkamera sorgt dafür, dass das Auto sich dem Fahrer anpasst - und zwar augenblicklich.
Zum Start eine Spielerei
Den Sicherheitsaspekt hebt auch Patrice Reilhac hervor. Er sieht den Gaze Detector als wichtigen Schritt auf dem Weg zum autonomen Fahren. "Über Radar, Sensoren, Kameras und Ultraschall wissen wir zwar fast alles über das Fahrzeug und seine Umgebung. Aber was der Fahrer im Cockpit gerade macht, wird noch zu wenig verfolgt." Das muss sich seiner Meinung nach ändern: "Wenn sich Mensch und Maschine beim Fahren abwechseln sollen, muss das Fahrzeug zum Beispiel wissen, ob der Insasse gerade schläft."
Bis das Auto seinem Fahrer jeden Wunsch von den Augen abliest, wird es wohl noch etwas dauern. "Der Gaze Detector befindet sich noch auf einer Vorentwicklungsstufe", sagt Reilhac. Er glaubt, dass das Augenerkennungssystem zuerst bei Videospielen eingeführt wird. "Die Leute müssen sich wohl auch erst einmal daran gewöhnen, Geräte mit den Augen zu steuern."
Da hat er recht. Bei der Simulation am Valeo-Stand springen die Menüpunkte wild durcheinander, wenn man die Blicke zu schnell wandern lässt. Ist es nicht möglich, eine Einstellung zu sichern - etwa durch ein Blinzeln? "Das geht nicht", sagt Reilhac. Stattdessen ist geplant, den Gaze Detector mit den Bedienknöpfen am Lenkrad zu verknüpfen. Es wird also nicht endgültig Schluss sein mit der Fummelei im Auto. Ob das nun gut oder schlecht ist, liegt ganz im Auge des Betrachters.