BeeCar Ein Scheich auf dem Campingplatz
"In diesem Wohnwagen wird man wohl kaum eine ruhige Minute verbringen können", sagt Jörn Schmidt-Wiegand, 37, Designer aus Göttingen und "Vater" des extravaganten Wohnanhängers mit dem Namen BeeCar. "Wo der Wagen auch hinkommt, stets bildet sich eine Menschentraube um das Fahrzeug." Der futuristisch gestylte Caravan, der ein bisschen an ein riesiges Insekt erinnert und ein bisschen an einen ICE, wird vermutlich kaum jemals auf einem normalen Campingplatz auftauchen. Denn sein Besitzer ist Mitglied des Königshauses von Katar, wohnhaft in London, wird wohl kaum die Nachbarschaft von Klappstühlen, Gasgrills und Vorzelten suchen.
Jörn Schmidt-Wiegand entwickelte das BeeCar im Auftrag eines deutschen Wohnwagenherstellers, der vor rund vier Jahren einen speziellen Wohnanhänger für den New Beetle von VW auf den Markt bringen wollte. Die Studie erregte Aufsehen in der Branche - zur Realisierung kam es allerdings nicht. Doch Schmidt-Wiegand arbeitete unverdrossen weiter an seinem Konzept. Als eine Architekturzeitschrift über das Projekt berichtete, wurde der Scheich aus dem Wüstenstaat darauf aufmerksam. "Wir trafen uns in der Präsidentensuite des Interconti in Frankfurt", berichtet Schmidt-Wiegand. "Der Scheich war überrascht, dass es sich bis dahin nur um eine Computerdarstellung handelte, doch sein Ehrgeiz war geweckt." Nach eineinhalb Jahren zäher Verhandlungen schließlich stimmte seine Exzellenz zu: Das BeeCar sollte gebaut werden. Als Wohnwagen-Unikat zum Preis von rund 250.000 Euro.
Gemeinsam mit dem ehemaligen VW-Designer Stefan Seiffert stellte Schmidt-Wiegand den Exklusiv-Caravan auf die Räder, im Sommer war das gelbe Gefährt mit drei Schlafplätzen, Klimaanlage, elektrischer Trittstufe und elektrisch ausfahrbarem Dach, DVD- und HiFi-System, elektrischen Jalousien, Alcantara-Verkleidung und Microfaserteppich fertig. Wenige Tage später machte sich Schmidt-Wiegand auf die Überführungsfahrt nach London. Doch in der britischen Hauptstadt, kurz vor dem Ziel, schrammte ein roter Doppeldeckerbus in den 4,50 Meter langen und 2,20 Meter breiten Caravan. Schmidt-Wiegand: "Es passierte bei einem Ampelstopp. Die Seite des Wohnwagens wurde aufgerissen." Also ging es zur Reparatur retour.
Da der Scheich erst im kommenden Frühjahr wieder an Campingtouren denken mag, ist das durchgestylte Gespann aus rechtsgelenktem (und natürlich gelb lackiertem) VW New Beetle (dank Chiptuning mit 193-PS-Motor) und BeeCar derzeit auf Sightseeing-Tour. Gegenwärtig stehen Auto und BeeCar im VW-Audi-Zentrum in Göttingen. Außerdem sind Ausstellungen beim Genfer Automobilsalon im März sowie in der VW-Autostadt in Wolfsburg geplant, ehe der nächste Zustellungsversuch in London erfolgen wird.
In der Zwischenzeit arbeitet Jörn Schmidt-Wiegand an zwei weiteren Caravan-Projekten: Ein anderes Unikat, das "in Ausstattung und Technik das BeeCar noch weit übertreffen wird" und ein serienfähiges Wohnwagenmodell für designorientierte Camper. "Schließlich ist", sagt der Caravan-Crack, "auf dem Wohnwagenmarkt seit 50 Jahren nichts mehr Aufregendes passiert."