Benzingespräch mit Peter Kloeppel "Da musste ich selber singen"
SPIEGEL ONLINE:
Herr Kloeppel, hören Sie als Fernsehmann eigentlich gerne Radio, etwa im Auto?
Kloeppel: Ja, regelmäßig. Ich steige jeden Morgen gegen halb neun ins Auto und schalte eigentlich sofort das Radio ein. Je nach Verkehrslage rund um Köln kann ich dann zwischen 30 und 45 Minuten in Ruhe Radio hören. Die Fahrt wäre mir sonst zu langweilig.
SPIEGEL ONLINE: Welchen Sender hören Sie?
Kloeppel: Das kommt ganz auf meine Laune an. Manchmal will ich nur Musik hören, da schalte ich dann SWR3 oder WDR2 ein. Für Nachrichten eher Deutschlandradio oder WDR 5, vor allem wenn ich im Stau stehe und sich gar nichts mehr bewegt. Da will ich wissen, was los ist.
SPIEGEL ONLINE: Die Moderatoren vieler Sender gehen mittlerweile dazu über, ihre Hörer zu duzen. Was empfinden Sie als Kollege dabei?
Kloeppel: Die müssen sich halt an ihre Klientel wenden. Die Moderatoren der Sender, die ich höre, duzen höchstens mal jemanden, der anruft. Was mich aber viel mehr nervt am Radiohören, ist dieses dauerhafte Fröhlichsein, egal was passiert, egal zu welcher Uhrzeit. Dieses Dauergrinsen, das man zwar nicht sehen, aber hören kann.
SPIEGEL ONLINE: "Die größten Hits der 80er, der 90er und das beste von heute" - können Sie solchen Radioformaten etwas abgewinnen?
Kloeppel: Eher nicht, ich höre lieber ältere Sachen aus den Siebzigern. HipHop zum Beispiel ist gar nicht meine Sache.
SPIEGEL ONLINE: Haben Sie vor Ihrer Zeit beim Fernsehen selbst mal beim Radio gearbeitet?
Kloeppel: Nein, nie. Obwohl ich manchmal denke, wie schön das vielleicht gewesen wäre. Denn ich stelle immer wieder fest, wie unaufwendig Radio doch im Vergleich zum Fernsehen ist. Da war ich als Fernsehkorrespondent früher ein bisschen neidisch auf die Kollegen vom Radio, die nicht viel mehr brauchten als ihren kleinen Taperekorder und nicht das ganze andere Geraffel, mit dem wir Fernsehmenschen so unterwegs sind.
SPIEGEL ONLINE: Sie haben also noch nie Verkehrsnachrichten verlesen?
Kloeppel: Nein. Obwohl, eigentlich doch... Ich bin im Frankfurter Raum groß geworden und habe als Kind sehr viel Radio gehört, vor allem AFN und den Hessischen Rundfunk. Und beim Hessischen Rundfunk fingen die ja in den späten sechziger, frühen siebziger Jahren mit Verkehrsnachrichten an. Der Wagen meiner Eltern hatte noch kein Autoradio, deswegen wurde immer ein kleines Kofferradio mitgenommen. Und die Nachrichten fand ich als Junge irgendwie so spannend, dass ich die nachgesprochen habe und mir vorstellte, wie toll sich das wohl anhören würde, wenn ich im Radio die Verkehrsnachrichten verlesen würde. Aber es ist dann nie wirklich dazu gekommen.
SPIEGEL ONLINE: Können Sie sich an Ihr erstes eigenes Autoradio erinnern?
Kloeppel: In meinem ersten Auto, einem VW 1200, hatte ich gar kein Radio, da musste ich selber singen... Mein zweiter Wagen war ein VW 1300, also eine echte Steigerung, und der hatte ein Autoradio. Allerdings noch ohne Kassettenteil. Das war so ungefähr 1978, da habe ich mir irgendwann einen Walkman gekauft und halbillegaler Weise im Auto mit Kopfhörern Musik gehört. Erst bei meinem vierten Auto, einem Golf, hatte ich ein Autoradio mit eingebautem Kassettenspieler.
SPIEGEL ONLINE: Und da haben Sie dann die selbst aufgenommenen Mixtapes gehört?
Kloeppel: Klar, logisch. Ich hatte viele Tapes, die ich speziell fürs Auto aufgenommen habe. Was habe ich da gehört? In den Siebzigern war ich Genesis-Fan, und auch von den Rolling Stones. Meine Musik waren eher so die etwas härteren Rockarten. In den frühen achtziger Jahren kam viel Van Morrison dazu, und auch Jethro Tull.
SPIEGEL ONLINE: Hat die Musik Ihren Fahrtstil beeinflusst? Ging's mit Jethro Tulls "Locomotive Breath" schneller voran?
Kloeppel: Ja, also ich glaube, dass man zu entspannender Musik entspannter fährt und zu wummernden Bässen auch schon mal gerne kräftiger aufs Gaspedal tritt, klar. Heute ist es so, dass ich mir im Auto lieber eine CD einlege. Ich höre beim Fahren oft Opernarien. Da singe ich dann auch gerne mal mit, ich sitze ja meistens alleine im Wagen.
SPIEGEL ONLINE: Sie sprechen Italienisch?
Kloeppel: Nein. Aber es gibt ja auch bei Schubert oder bei Mozarts "Zauberflöte" zum Beispiel einige Stücke, bei denen man gut mitsingen kann.
SPIEGEL ONLINE: Und wie fahren Sie mit Opernbegleitung, eher schnell oder langsam?
Kloeppel: Eher langsam, weil ich mich ja aufs Singen konzentriere. Da bin ich dann auf der rechten oder mittleren Spur zu finden, nicht auf der linken.
SPIEGEL ONLINE: Ist Ihnen schon einmal das Autoradio geklaut worden?
Kloeppel: Ja, leider. In Paris war das, Ende der achtziger Jahre. Da bin ich mit meinem Golf GTI zu meiner Freundin nach Paris gefahren, und der Wagen stand draußen auf der Straße. Am nächsten Morgen hatte man mit einem dünnen Draht den Knopf in der Tür hochgezogen, und das Radio war weg. Danach habe ich mir ein Radio gekauft, das man aus der Halterung nehmen und im Kofferraum verstauen konnte.
SPIEGEL ONLINE: Wenn Sie im Stau oder an der Ampel stehen, werden dann eigentlich andere Autofahrer auf Sie aufmerksam: "Hey, das ist ja der Kloeppel..."?
Kloeppel: Das kommt natürlich vor, aber die Menschen sind meistens freundlich. Natürlich nervt es mich manchmal, denn für mich ist das Auto, wie für viele Menschen, eine Art Rückzugsraum, in dem ich meinen Gedanken nachhänge und meine Ruhe haben möchte. Aber so schlimm ist das nicht, und die Menschen lächeln ja auch oft einfach mal herüber. Das gehört halt dazu. Und dann springt die Ampel auch wieder auf Grün und es geht weiter.
Das Interview führte Philip Wesselhöft.