Benzingespräch mit Rekordfahrer: "Immer schön rollen lassen" - DER SPIEGEL
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Benzingespräch mit Rekordfahrer "Immer schön rollen lassen"

Das Guinness-Buch nennt ihn den "vielseitigsten Autofahrer der Welt". Gerhard Plattner hat den Globus schon in der kürzesten Zeit und mit dem geringsten Verbrauch umrundet. Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE verrät der Österreicher, wie man Spaß und Sparsamkeit vereint.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL ONLINE:

Herr Plattner, Sie haben mehrmals den Erdball umrundet, Europa von West nach Ost und von Nord nach Süd durchquert und dabei immer Strecken- oder Sparrekorde aufgestellt. Jetzt sitzen Sie wieder am Steuer. Was ist diesmal der Sinn der Reise?

Plattner: Diesmal geht es im großen Kreis durch ganz Europa. Ich fahre mit einem Skoda Fabia von Hamburg nach Skandinavien, über den Balkan nach Griechenland, weiter nach Italien, auf die iberische Halbinsel, durch Frankreich nach Großbritannien und wieder zurück nach Hamburg. Das sind 31 Staaten und 18.000 Kilometer in vier Wochen. Dafür habe ich 1000 Ein-Euro-Münzen als Benzingeld dabei - die müssen reichen.

SPIEGEL ONLINE: 1000 Euro sind ja nicht wenig. Ist das wirklich eine Herausforderung?

Plattner: Eine Spazierfahrt wird das sicher nicht. Der neue Dreizylinder-Dieselmotor mit 70 PS im Fabia hat einen Normverbrauch von 4,7 Litern auf 100 Kilometern. Bei 18.000 Kilometern sind das rein rechnerisch 846 Liter Diesel. Weil der Liter Diesel in Deutschland derzeit zwischen 1,07 und 1,15 Euro kostet, wäre das hier kein Problem. Insgesamt rechne ich aber mit einem europäischen Durchschnittspreis von 1,20 Euro pro Liter, so dass ich unterhalb des Normverbrauchs bleiben muss. Außerdem bin ich mit Winterreifen unterwegs, was den Verbrauch erhöht. Und dann hätte ich ja am Schluss gerne noch ein paar Euro übrig.

SPIEGEL ONLINE: Was wollen Sie mit einer solchen Gewalttour beweisen?

Plattner: Ich will zeigen, dass man ein Auto nicht nur unter Idealbedingungen auf einer abgesperrten Teststrecke sparsam bewegen kann. Mit der entsprechenden Fahrweise lässt sich ein Pkw sogar unter winterlichen Bedingungen mit weniger als dem Normverbrauch ins Ziel bringen.

SPIEGEL ONLINE: Wo sind die größten Schwierigkeiten bei Ihrer Tour, wann wird es richtig eng?

Plattner: Das Wetter ist gerade am Anfang der Tour wahrscheinlich mein größter Gegner. Denn Winterreifen lassen den Verbrauch schon auf Asphalt oder einer festgefahrenen Schneedecke um 0,2 oder 0,3 Liter je 100 Kilometer ansteigen. Wenn jedoch Neuschnee liegt, geht der Verbrauch gleich um einen halben Liter hoch.

SPIEGEL ONLINE: Sie fahren diese Tour wahrscheinlich mit einem speziell umgerüsteten Auto und alles andere als alltagsgerecht. Was kann dann der Otto-Normal-Fahrer davon lernen?

Plattner: Von wegen Spezialfahrzeug! Das Auto stammt aus der normalen Serienproduktion. Wir haben nur die Winterreifen aufgezogen und lassen auf einzelnen Etappen den Tank verplomben. Sogar der Bordcomputer ist original.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie eine spezielle Sparroute ausgewählt?

Plattner: Nein, die Tour ist keine Spazierfahrt, bei der ich nur über die Autobahn rolle. Auf dem Balkan gibt es auf langen Abschnitten gar keine Autobahn, und auf dem Weg nach Griechenland werde ich ein paar Pässe überqueren.

SPIEGEL ONLINE: Also dann mal Klartext: Was muss ich tun, damit auch bei meinem Auto der Verbrauch sinkt?

Plattner: Die wichtigste Devise ist "keep rolling" - also immer schön rollen lassen. Das Beste wäre, Sie steigen daheim ein, fahren los und treten erst an Ihrem Ziel wieder auf die Bremse. Das ist natürlich nicht möglich, aber mit einer vorausschauenden Fahrweise kommen Sie diesem Ideal schon ziemlich nahe.

SPIEGEL ONLINE: Geht das auch etwas konkreter, bitte?

Plattner: Die Tipps sind ja nicht neu und gelten bei einer Rekordfahrt wie im Alltag gleichermaßen. Rollen Sie ohne Gas an rote Ampeln heran und machen Sie dort den Motor aus, wenn Sie länger als 20 Sekunden stehen müssen. Fahren Sie gleichmäßig, weil Beschleunigen Sprit kostet und Bremsen nur Energie vernichtet. Und schalten Sie möglichst früh in einen höheren Gang.

SPIEGEL ONLINE: Ihr Weg führt auch durch die Alpen und in die Pyrenäen. Kann man auch im Gebirge sparsam fahren?

Plattner: Natürlich braucht ein Auto an einer Steigung mehr Sprit. Aber wo es bergauf geht, geht es auch wieder runter, so dass es sich unter dem Strich ausgleichen dürfte. Außerdem kann man viel sparen, wenn man die Bergauffahrt mit viel Schwung beginnt.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es noch andere Einflussfaktoren als den Gasfuß?

Plattner: Den meisten Sprit können sie schon vor dem Losfahren sparen, wenn sie ihren Wagen in Schuss halten. Kaum jemand kontrolliert zum Beispiel den Ölstand, und der Reifendruck ist den meisten völlig egal. Das ist nicht nur gefährlich, sondern auch teuer, weil ein zu geringer Druck den Verbrauch um bis zu zehn Prozent erhöht. Wer dagegen mit einem leichten Überdruck fährt, kann schnell ein paar Liter sparen. Außerdem sollten sie unnötigen Ballast ausladen, denn 100 Kilo zusätzliches Gewicht kosten einen halben Liter Kraftstoff. Noch schlimmer sind Dachträger: Sie reißen auf der Fahrt mit bis zu zwei Liter Benzinzuschlag schnell ein Loch in der Reisekasse.

SPIEGEL ONLINE: Am Stammtisch der Bleifußfraktion heißt es, wer sparsam fährt, kommt nicht voran. Sind Sie ein rollendes Verkehrshindernis?

Plattner: Natürlich fahre ich nicht mit Vollgas und Höchstgeschwindigkeit über die Autobahn, sondern habe mir ein Limit von 120 km/h gesetzt. Doch damit ist man kein Schleicher. Deshalb rechne ich bei der Tour mit einem Schnitt von 80 bis 85 km/h. Das ist ein sehr realistischer Wert, den ich schon oft erreicht habe. Zum Beispiel auch bei der Sparfahrt rund um die Welt, die mit 85 km/h und einem Durchschnittsverbrauch von 3,8 Litern zu Ende ging.

SPIEGEL ONLINE: Meinen Sie, diese Erfahrungen nimmt man Ihnen auch im Alltag ab?

Plattner: Ich denke schon, dass immer mehr Menschen auf die Tankuhr statt auf den Tacho schauen. Früher hieß es, "ich schaffe die Strecke Hamburg München in weniger als sechs Stunden". Heute dagegen ist es für viele ein Ansporn, die Distanz mit weniger als sechs Litern zu schaffen.

SPIEGEL ONLINE: Um Kosten zu sparen, stellen sich manche Autofahrer bei einer Billigtankstelle an. Machen Sie auf ihrer Tour auch Umwege zu billigen Zapfsäulen?

Plattner: Große Umwege rechnen sich nicht, weder auf so einer Tour, noch im Alltag. Wenn man dann noch die Zeit kalkuliert, die man eventuell in der Schlange steht, dann ist das kein großer Gewinn.

SPIEGEL ONLINE: Wenn Sie am 3. Dezember wieder in Hamburg ankommen - wie geht es dann weiter?

Plattner: Dann habe ich von meinen 1000 Euro hoffentlich noch genug übrig, damit es für ein Fläschchen Sekt reicht. Zumindest an der Tankstelle, und mit etwas Glück auch am Jungfernstieg.

SPIEGEL ONLINE: Und dann?

Plattner: Fahre ich zurück nach Hause. Und zwar mit Vollgas!

Das Gespräch führte Tom Grünweg

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