Benzingespräch mit Uli Stein: "Dingdong! Sie haben einen Platten" - DER SPIEGEL
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Benzingespräch mit Uli Stein "Dingdong! Sie haben einen Platten"

Mit Cartoons - in mehr als acht Millionen Büchern und auf 80 Millionen Postkarten - verdient Uli Stein sein Geld. Bei Autos aber ist Schluss mit lustig. Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE erklärt der 59-Jährige, warum er seinen Bentley mag, an seinem BMW verzweifelt und Handbücher hasst.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL ONLINE:

Herr Stein, in Ihrer Garage ist es ziemlich eng, oder?

Stein: Naja, ich mag eben Autos. Mein Lieblingswagen ist mein Bentley Turbo R., der ist jetzt schon 15 Jahre alt und macht noch die gleiche Freude wie am ersten Tag.

SPIEGEL ONLINE: Und mit dem fahren Sie täglich?

Stein: Wo denken Sie hin, der hat jetzt gerade mal 60.000 Kilometer runter. Mit dem fahre ich immer nur dann, wenn ich keinen Parkplatz suchen muss. Denn das Auto ist schon ein ziemliches Trumm.

SPIEGEL ONLINE: Aber Sie sind doch häufig unterwegs, womit fahren Sie denn dann?

Stein: Für längere Strecken nehme ich die Bahn, da kann ich während der Fahrt auch arbeiten. Aber bei allen Erledigungen in einem Umkreis von 150 Kilometer um Hannover greife ich zum Auto, so in etwa Hamburg ist für mich die Grenze. Wenn ich da was zu besorgen habe, nehme ich meinen BMW. Aber fragen Sie nicht weiter, das Auto nervt ohne Ende.

SPIEGEL ONLINE: Na jetzt erst recht - was ist denn mit dem Wagen los?

Stein: Es ist ein Siebener, den ich mir vor drei Jahren gekauft habe, weil ich dachte, ich bräuchte auch mal ein Auto mit aktueller Technik. Aber leider spinnt die nur rum. Es vergeht kaum eine Fahrt, während der nicht irgendeine Fehlermeldung auf dem Bildschirm auftaucht. So in der Art 'Dingdong! Sie haben einen Platten'. Das erste Mal ist das passiert, als ich mit dem nagelneuen Wagen vom Hof des Händlers gefahren bin. Seitdem nervt mich das Auto - aber es fährt.

SPIEGEL ONLINE: Was sagt denn die Werkstatt?

Stein: Die können da wohl auch nichts machen. Ungefähr fünfzig Mal war ich schon dort, aber es fängt immer wieder an. 'Dingdong!' Das Auto hat dies, das Auto hat das. Inzwischen ignoriere ich die Warnungen. Denn eigentlich ist der Wagen ja top. Und diese ganzen elektronischen Fahrwerkshilfen, die sind ja auch gerade jetzt im Winter ganz hilfreich. Und auch das Navigationsgerät schätze ich sehr.

SPIEGEL ONLINE: Brauchten Sie lange, um die moderne Technik zu verstehen?

Stein: Erst dachte ich ja, ich sollte das Handbuch lesen. Wissen Sie wie dick das beim Siebener ist? Nach einem Drittel habe ich den Wälzer zugeklappt und wieder ins Handschuhfach gelegt, dort ruht er seitdem unberührt. Im Grund hasse ich solche Bedienungsanleitungen, eigentlich sollten sie überflüssig sein.

SPIEGEL ONLINE: Warum denn?

Stein: Weil man ein Auto sofort kapieren muss, oder es taugt nichts. Wo der Schlüssel rein gesteckt wird, das sehe ich. Lenkrad, Pedale und Schaltknüppel erkenne ich auch. Was braucht man dann noch? Die Knöpfe für Licht, Scheibenwischer, Gebläse. Und bei der Heizung bedeutet blau kalt und rot warm - fertig. Wer benötigt einen Regensensor? Wozu soll ein Lichtsensor gut sein? Warum gibt es so viele Knöpfe für dies und das, was keiner haben will?

SPIEGEL ONLINE: Wenn es nicht so viele Funktionen und Knöpfe in den Autos gäbe, wären vielleicht auch die Bedienungsanleitungen nicht so dick...

Stein: ...Sie sagen es. Und die Autos wären viel weniger anfällig für Elektronikpannen.

SPIEGEL ONLINE: Wäre es nicht mal eine Herausforderung für Sie, eine Auto-Bedienungsanleitung humorvoll zu bebildern?

Stein: Die Idee ist nicht schlecht, witzige Bilder könnten den trockenen Stoff etwas auflockern. Aber ich wäre dafür ungeeignet. Und wenn ich es mir recht überlege: mir sind die Handbücher ja nicht zu langweilig, sondern zu dick.

SPIEGEL ONLINE: Wie dick ist denn das Ihres Bentleys?

Stein: Keine Ahnung, hab' es noch nie benutzt. Wahrscheinlich ist es in furchtbar edles Connolly-Leder gebunden. Es müsste im Handschuhfach liegen, und wahrscheinlich schlage ich es das erste Mal auf, wenn ich eine Reifenpanne habe. Ich glaube, die Radabdeckungen abzukriegen, ist relativ verzwickt. Aber vermutlich würde ich auch bei einem Platten nicht im Buch nachgucken, sondern stinkfaul den ADAC rufen.

SPIEGEL ONLINE: Dabei müsste ein ehemaliger Rennfahrer wie Sie einen Reifenwechsel doch aus dem Effeff beherrschen...

Stein: Na, dafür waren natürlich unsere Mechaniker zuständig, aber klar kann ich Reifen wechseln. Nur - wenn man's delegieren kann...

SPIEGEL ONLINE: Sie waren sogar norddeutscher Kart-Meister!

Stein: Ja, ich hab mit dem Kartsport angefangen, da war ich ich allerdings schon knapp 40, für meine sehr viel jüngeren Konkurrenten also quasi scheintot. Einmal bin ich Ende der Achtziger sogar gegen Michael Schumacher Kart gefahren, das war beim Winterpokal auf seiner Hausstrecke in Kerpen.

SPIEGEL ONLINE: Und?

Stein: Naja, gegen Michael Schumacher gefahren ist wohl übertrieben. Wir anderen sind hinter ihm hergefahren. Der Mann ist einfach eine Klasse für sich.

SPIEGEL ONLINE: Herr Stein, Sie als Humorist haben doch sicher einen Lieblings-Autowitz. Erzählen Sie den doch bitte!

Stein: Also ich höre schon gerne Witze, aber ich kann mir einfach keinen merken. Autowitz, mmh? Kennen Sie denn einen?

SPIEGEL ONLINE: Leider nein.

Stein: Dann sind wir quitt. Sie kriegen von mir stattdessen einen Auto-Cartoon. Dann kriegen Ihre Leser auch mit, dass Sie das Interview nicht mit dem ehemaligen Fussballtorwart geführt haben.

Das Gespräch führte Jürgen Pander

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