Benzinpreise Das doppelte Spiel der Ölkonzerne
Hamburg - Der jüngste Preisschub ging von Shell aus, und die anderen großen Konzerne zogen nach - wie immer. Vor einer Woche war es nicht anders: Aral hatte den Liter Benzin um vier Pfennig und Diesel um fünf Pfennig verteuert. Innerhalb von 24 Stunden hatten die BP, Shell, DEA, Elf und Esso ebenfalls die Preisschraube nach oben gedreht.
Aus den Unternehmenszentralen schallen als Begründung für die Erhöhungen monoton dieselben Argumente. Der Dollar sei zu stark, der Kurs für das Fass Rohöl (Barrel, 159 Liter) auf dem Weltmarkt sei weiter auf Rekordhöhen und der Staat verdiene durch immer neue Steuererhebungen am stärksten am Autofahren. Das alles lasse die Tankstellen mit Verlusten arbeiten, die ausgeglichen werden müssten. Man befinde sich im "roten Bereich", klagt Esso-Sprecher Karl-Heinz Schult-Bornemann. Eigentlich müsste der Liter Sprit sechs bis sieben Pfennig mehr kosten, um die Verlustzone zu verlassen, schließt sich BP-Sprecherin Claudia Braun an. Ein solcher Preisschub sei am Markt aber nicht durchzusetzen.
Der Referenzkurs des Euro wurde von der Europäische Zentralbank (EZB) am Mittwoch mit 0,8476 Dollar festgelegt und setzte damit seinen Sinkflug fort. Ein Greenback ist damit 2,3075 Mark wert, nachdem er am Vortag noch 2,2899 Mark gekostet hat. Mit dem neuen Rekordstand verteuern sich Importe in die Euro-Zone - auch das Rohöl, das in Dollar gehandelt wird. So erhöht sich der Barrelpreis weiter. Ein Fass der Nordsee-Referenzsorte Brent stieg am Mittwoch in London von 33,63 auf 34,49 Dollar.
Doch die Mineralölkonzerne, vor allen die, die selbst Öl fördern, verdienen an den hohen Weltmarktpreisen. "Jeder Dollar, den das Fass Öl teurer werden lässt, beschert der Shell-Gruppe 400 Millionen Dollar mehr Nettogewinn", räumt Jeroen van der Veer, Vorsitzender der Royal Dutch, ein. Derzeit fördert die Shell-Gruppe, zu der Royal Dutch gehört, 2,2 Millionen Barrel Öl am Tag. 1999 verzeichnete der Konzern einen Jahresumsatz von 140 Milliarden Dollar. Im ersten Halbjahr 2000 wies das britisch-niederländische Unternehmen ein Reingewinn-Plus von 95 Prozent aus.
Shell ist keine Ausnahme. Der Erlös von Total Fina Elf schnellte in den ersten sechs Monaten des Jahres um 165 Prozent nach oben. BP legte gar um 256 Prozent zu. Exxon Mobil (Esso) erwartet für das gesamte Jahr einen Überschuss von 15 Milliarden Dollar (plus 80 Prozent). Die Börse reagiert auf solche Zahlen. Analysten empfehlen die Aktien einiger Mineralölgesellschaften zum Kauf - Shell gehört dazu.
"Es ist geradezu unverschämt, vor diesem Hintergrund mit dem defizitären Tankstellengeschäft zu argumentieren und neue Preisrunden in Gang zu setzen", greift der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Michael Müller, die Öl-Multis an. Den Staat treffe keine Schuld an den hohen Benzinpreisen. Seinen Angaben nach schlägt die Ökosteuer seit ihrer Einführung gerade mal mit zwölf Prozent bei der Spritpreisverteuerung zu Buche. Die übrigen Steuern blieben seitdem unverändert.