Bildband Speedseekers Hommage an die Geschwindigkeit
"I am a speed seeker", bekennt Alexandra Lier gleich am Beginn des Vorworts zu dem Bildband, in dem es um schnelle Autos, tempoverrückte Menschen und die besondere Ästhetik dieser Szene geht. Lier kam über die Musik in Berührung mit der Hot-Rod-Szene in Frankfurt, wo sie Kommunikationsdesign studierte. Denn vom Punkrock ist es nicht weit in die Garagen, in denen an Autos geschraubt wird, die mit üblichen Pkw oder gar TÜV-Vorschriften nicht mehr viel gemein haben.
Alexandra Lier war sofort begeistert. 1999 besuchte sie zum ersten Mal die Bonneville Speed Week, die legendäre Raserei um Geschwindigkeitsrekorde auf dem großen Salzsee in Utah. "Seither war ich fast in jedem Jahr dort. Dort tummeln sich die echten Speedseekers. Was dort mit den Autos angestellt wird, wollte ich mit meinem Buch nachahmen", sagt die Fotografin, die in dem 274 Seiten starken Bildband ein faszinierendes Panorama jener Gemeinschaft ausbreitet, in der es um mehr geht als immer nur Vollgas.
Das Buch lebt von den Bildern, Texte gibt es nur wenige; Kevin Thomson hat sie beigesteuert. Das einzige richtige Lesestück des Bandes ist ein kurzer Abriss über die Geschichte des Hot Rodding in den USA, wo der Kult um Motoren und Geschwindigkeit in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts begann. Ansonsten wird auch jedes der fünf Kapitel - History, Garage, Speed, Landspeed und Style & Sound - von kurzen Einführungstexten eröffnet. Der Rest sind Bildtexte, doch die braucht man nur selten, denn die meisten Fotos sprechen für sich.
Ruhige Bilder, die doch vibrieren vor Energie
Überraschend oft sind die Bilder sehr ruhig komponiert - und so steht der erste Eindruck in krassem Kontrast zur Botschaft, die transportiert wird. Stets geht es um das Schneller-Sein. Die vielen Detailfotos machen klar, wie trotz des oft anarchisch anmutenden Drumherums auf keinen Fall etwas dem Zufall überlassen bleibt. Alle technischen Details sind bis ins Letzte durchdacht, hergestellt und oft natürlich von den Protagonisten auch selbst entwickelt.
"Mich fasziniert das technische Können der Teams, die ihre Autos in Bonneville auf Rekordjagd schicken. Ich bewundere den Teamgeist, ich liebe den Sound der Autos und die spezielle Ästhetik, die untrennbar dazugehört", sagt Lier, die heute in Hamburg lebt und als Fotografin und Designerin arbeitet. Sie selbst fährt einen '67er Plymouth Barracuda, schraubt an dem Auto, wann immer sich die Gelegenheit ergibt, und plant gerade die erste Ausstellung zum Buch. "Die Bilder werden auf Blech gedruckt und dann aufgehängt", sagt sie. Macht Sinn, es geht ja um Autos.
Alexandra Lier: Speedseekers, Gingko Press, 275 Seiten, Hardcover, Preis: 39,90 Euro