Billige Extras: VW will Golf-Absatz pushen - DER SPIEGEL
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Billige Extras VW will Golf-Absatz pushen

Die Klimaanlagen-Aktion Anfang des Jahres hat sich bewährt, der zunächst wenig gefragte neue Golf wurde gekauft. Jetzt will VW erneut mit Preissenkungen den Absatz ihres wichtigsten Modells ankurbeln. Kunden können zusätzlich bis zu 975 Euro sparen.
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Wolfsburg - Volkswagen senkt erneut im großen Stil die Gesamtpreise für sein wichtigstes Modell, den Golf. Der Konzern stellte am Mittwoch in Wolfsburg ein neues Preismodell vor, das zusätzliche Preisvorteile bis zu 975 Euro bietet. Damit betragen die Preisvorteile ab 1. Oktober gegenüber den Golf-Preisen von Januar bis zu über 2000 Euro. Volkswagen will trotzdem mit dem neuen Modell mehr Geld verdienen, weil nun mehr Kunden zu edler ausgestatteten Modellen greifen würden, wie Marketingchef Jörn Hinrichs sagte. Der Einstiegspreis von 15.220 Euro wird aber nicht gesenkt.

Volkswagen hatte im Februar begonnen, auf dem deutschen Markt eine kostenlose Klimaanlage im Wert von 1225 Euro in alle Golf einzubauen, weil der Absatz deutlich hinter den Erwartungen lag. VW verkaufte damals nur 350 Stück am Tag, nach Beginn der Aktion stieg der Absatz auf 650 Stück am Tag, wie der Konzern damals mitteilte. Diese Aktion läuft am 30. September aus.

Ab dem 1. Oktober soll dann ein genauer auf die Kundenwünsche abgestimmtes Preismodell Käufer in die Niederlassungen locken: Bei rund 50 Prozent der Golf, nämlich den nobleren Ausstattungslinien Comfortline und Sportline bleibt die kostenlose Klimaanlage erhalten. Gleichzeitig werden viele Extras billiger: Der Aufpreis für das viertürige Modell wird um 300 Euro gesenkt, der 102-PS-Benzinmotor fällt um 300 Euro im Preis, die Multifunktionsanzeige gibt es bei Comfortline in Zukunft kostenlos.

Bei der Basisversion Trendline fällt dagegen die kostenlose Klimaanlage künftig weg, dafür wird ein Paket geschnürt aus Klimaanlage und Radio, das für 750 Euro statt regulär 1745 Euro eingebaut wird. "Über 90 Prozent der Kunden verbessern sich mit der neuen Struktur gegenüber dem bisherigen Angebot, sieben bis acht Prozent stellen sich schlechter", sagte Marketingchef Hinrichs. Grundsätzlich gilt, dass einfache Modelle kaum von der Preissenkung profitieren, höher ausgestattete aber umso mehr.

VW rechnet trotz der höheren Rabatte nicht mit Ertragsverlusten: Die Manager hoffen darauf, dass die Kunden nach der Preissenkung zu höherwertigen Modellen greifen. An diesen edler ausgestatten Modelle verdient der Konzern aber mehr Geld. So ist es für VW lukrativer, wenn ein Kunde statt zum 75-PS-Motor zum 102-PS-Motor greift, obwohl die große Maschine jetzt um 300 Euro im Preis gesenkt wurde. Schon heute liegt der Golf-Durchschnittspreis bei 22.000 Euro, rund 7000 Euro über dem Einstiegspreis. Dennoch hatten sich viele Kunden über die hohen Preise für Extras beschwert.

Außerdem wird mit dem neuen Modell die Angebotspalette gestrafft, so dass in der Produktion Kosten gespart werden. Der 90-PS-FSI-Motor wird zum Beispiel ganz gestrichen.

Deutschland-Verkaufschef Peter Maiwald hielt an der Prognose fest, dass im laufenden Jahr 600.000 Golf abgesetzt werden. Bis Ende August lag die Zahl in Europa allein bei 310.000 ausgelieferten Wagen. Laut Maiwald war der September in Deutschland mit über 20.000 bestellten Golf einer der besten Monate überhaupt. Im Jahr 2005 rechne VW beim Golf mit einem "ordentlichen Schluck obendrauf". Mit der Preisaktion will VW aber auch die Preisdifferenzen in Europa anpassen, weil die Rabatte nur in Deutschland gegeben werden.

Laut Verkaufschef Maiwald gibt es außerdem noch verstecke Rabatte über die Händler. So bekommt der Händler eine Prämie für die Inzahlungnahme des Gebrauchten und noch zusätzlich 1000 Euro, wenn der Kunde vorher eine andere Marke fuhr. Ob er das Geld an den Kunden weitergibt, bleibt dem Händler überlassen.

Von Claus-Peter Tiemann, AP