Blitz-Marathon: Standorte der Geschwindigkeitskontrollen - DER SPIEGEL
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24-Stunden-Kontrolle in Deutschland Das sollten Autofahrer über den Blitz-Marathon wissen

Am Donnerstag wird wieder in ganz Deutschland geblitzt. Wo genau sind die Standorte der Tempokontrollen? Der Überblick.
Tempokontrolle: Diesmal geht es um die Kinder
Tempokontrolle: Diesmal geht es um die Kinder

Tempokontrolle: Diesmal geht es um die Kinder

Foto: Oliver Berg/ picture alliance / dpa
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wer gern schnell fährt und sich über Bußgelder ärgert, sollte am Donnerstag zu Hause bleiben - oder zumindest das Auto in der Garage lassen. In ganz Deutschland werden nämlich wieder an Tausenden Stellen die Geschwindigkeiten gemessen. Zum zweiten Mal findet bundesweit der sogenannte Blitz-Marathon statt.

  • Wann geht es los?

Die Aktion startet am Donnerstag, 6 Uhr morgens. Dann wird bis Freitag, 6 Uhr morgens, durchkontrolliert. 24 Stunden lang.

  • Wo wird kontrolliert?

Die meisten Bundesländer verraten die Standorte der Blitzer. Auf diesen Webseiten und PDF-Unterlagen sind die Kontrollpunkte aufgelistet (einige Länder veröffentlichen die Standorte erst im Laufe des Tages):

  • Was soll der Blitz-Marathon bringen?

Durch die Aktion sollen Autofahrer für die Einhaltung von Tempolimits sensibilisiert werden. Überhöhte Geschwindigkeit ist eine der Hautpursachen für tödliche Unfälle. Die aktuellen Statistiken zeigen, dass Maßnahmen für mehr Verkehrssicherheit nötig sind: Nachdem in der Vergangenheit die Zahl der Unfalltoten immer weiter zurückging, ist sie 2014 bisher im Vergleich zu den Vorjahren gestiegen.

Schon bei den Positivrekorden hatte Sven Rademacher, der Sprecher des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR), vor zu viel Euphorie gewarnt: Seiner Einschätzung zufolge lagen die sinkenden Zahlen weniger am vorbildlichen Verhalten der Autofahrer, sondern vielmehr an einer günstigen Witterung und an weiterentwickelten Sicherheitsstandards der Fahrzeuge.

  • Wie teuer wird es, wenn man geblitzt wird?

Tempoüberschreitungen innerorts von bis zu 20 km/h kosten maximal 35 Euro. Ab 21 km/h Überschreitung werden 80 Euro Bußgeld und ein Punkt fällig. Fährt man außerorts bis 20 km/h zu schnell, kostet das 30 Euro, ab 21 km/h steigt das Bußgeld auf 70 Euro und es wird 1 Punkt eingetragen.

Eine genaue Übersicht über die Höhe der Bußgelder sowie die Regelungen des Punktesystems finden Sie bei unserem Bußgeldrechner.

  • Wie groß ist der Aufwand?

Über 13.000 Polizeibeamte sind laut Angaben des Innenministeriums Nordrhein-Westfalen bundesweit im Einsatz, hinzu kommen noch Mitarbeiter aus Kommunen. Kontrolliert werde an mehr als 7500 Stellen. Damit ist der Aufwand geringer als im vergangenen Jahr, als es rund tausend Blitzer mehr gab.

  • Warum steht plötzlich eine Schulklasse vor mir, wenn ich von der Polizei angehalten worden bin?

Der Schwerpunkt liegt in diesem Jahr auf der Verkehrssicherheit für Kinder (mehr dazu im nächsten Punkt). Deshalb werden an einigen Kontrollpunkten Schüler stehen, zusammen mit ehrenamtlichen Helfern der Deutschen Verkehrswacht  (DVW). "Den Kindern wird dabei gezeigt, auf welche Gefahren sie auf der Straße achten müssen", sagt eine Sprecherin der DVW. "Und Raser, die die Polizei anhält, werden mit den Kindern konfrontiert - das soll den Temposündern die Augen öffnen, wen sie gefährden."

  • Was ist anders als beim ersten Blitz-Marathon vor einem Jahr?

2013 waren Bewohner von Gemeinden dazu aufgerufen, Standorte für Geschwindigkeitskontrollen vorzuschlagen - sogenannte Wutpunkte. In diesem Jahr will die Polizei "Raser aus dem Blickwinkel von Kindern ins Visier" nehmen, wie es in einer Pressemitteilung des Innenministeriums NRW heißt.

Die Polizei habe dazu Kinder befragt, wo der Straßenverkehr für sie besonders gefährlich sei. "Kinder müssen das Gefühl für Geschwindigkeit erst noch entwickeln", sagt Kurt Bodewig, Präsident des DVW. "Gerade die nicht angepasste Geschwindigkeit von Autofahrern gefährdet sie extrem."

  • Wie viele Temposünder wurden vor einem Jahr erwischt?

Beim ersten bundesweiten Blitz-Marathon wurden mehr als drei Millionen Autofahrer kontrolliert. Insgesamt registrierte die Polizei 83.000 Tempoverstöße. Die Raser-Quote lag damit bei 2,8 Prozent. Das bedeutet, bei den Kontrollen wurde im Schnitt jeder 36. Autofahrer geblitzt.

  • Am Tag des Blitzmarathons wird vielleicht vorsichtiger gefahren. Aber wie lang hält der Effekt an?

In NRW, wo schon seit einigen Jahren solche Aktionen stattfinden, zeigen die Maßnahmen laut Angaben des Innenministeriums Erfolg: In Dortmund habe sich seit 2011 beispielsweise die durchschnittliche Überschreitungshöhe von 14 km/h auf jetzt 10 km/h verringert.

Weitere Erkenntnisse hätte eine Untersuchung der RWTH Aachen bringen sollen. Wissenschaftler am Lehrstuhl für Straßenwesen hatten geplant, die Ergebnisse von Geschwindigkeitskontrollen über einen längeren Zeitraum zu betrachten - und zwar exakt an den Stellen, wo während des Blitz-Marathons jetzt kontrolliert wird. Aber das Projekt wurde abgeblasen: "Wegen einer Haushaltssperre ist es gestrichen worden", sagt Dirk Kemper, Oberingenieur an der Uni Aachen.

Kleinere Untersuchungen haben Kemper zufolge aber gezeigt, dass an den Blitz-Marathon-Punkten auch nach der Aktion tendenziell weniger gerast werde.

cst/smh