Blitzmarathon 2015: Das sollten Sie wissen - DER SPIEGEL
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24-Stunden-Kontrolle in Europa Das sollten Autofahrer über den Blitz-Marathon wissen

Vorsicht, Raser! An diesem Donnerstag gibt es einen Mega-Blitz-Marathon - dieses Mal beteiligen sich nicht nur fast alle deutschen Bundesländer, sondern auch 21 weitere EU-Staaten. Wo stehen die Radarfallen? Wann geht es los? Der Überblick.
Geschwindigkeitskontrolle: Am 16. April 2015 ist wieder Blitz-Marathon
Geschwindigkeitskontrolle: Am 16. April 2015 ist wieder Blitz-Marathon

Geschwindigkeitskontrolle: Am 16. April 2015 ist wieder Blitz-Marathon

Foto: Karl-Josef Hildenbrand/ dpa
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

  • Schon wieder Blitz-Marathon? Der letzte war doch erst im September. Gibt es den jetzt mehrmals im Jahr?

Nein. Laut einer Pressesprecherin des Innenministeriums in Rheinland-Pfalz ist in diesem Jahr zunächst kein weiterer bundesweiter Blitz-Marathon geplant.

  • Wann geht es los?

Die Tempokontrollen laufen seit Donnerstag 6 Uhr morgens. Dann wird bis Freitag, 6 Uhr morgens, durchkontrolliert. In Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz wird die Aktion bereits sechs Stunden früher beendet. Grund dafür ist die Trauerfeier am 17. April in Köln für die Opfer des Germanwings-Absturzes.

Schleswig-Holstein beteiligt sich in diesem Jahr nicht am Blitz-Marathon, weil die Polizei dort mit der Sicherung des G7-Treffens beschäftigt ist.

  • Wo genau wird kontrolliert?

Alle teilnehmenden Bundesländer verraten bereits jetzt die Standorte der Blitzer. Auf diesen Webseiten und PDF-Unterlagen sind die Kontrollpunkte aufgelistet:

  • Welche EU-Länder beteiligen sich an der Aktion?

Neben Deutschland machen 21 weitere europäische Länder beim Blitz-Marathon mit, außerdem auch Norwegen und Serbien. Die deutschen Nachbarländer Frankreich, Polen, Österreich, Tschechien und Dänemark werden sich allerdings nicht beteiligen.

  • Wie teuer wird es, wenn man geblitzt wird?

In Deutschland kosten Tempoüberschreitungen innerorts von bis zu 20 km/h maximal 35 Euro. Ab 21 km/h bis 25 km/h Überschreitung werden 80 Euro Bußgeld und ein Punkt fällig. Fährt man außerorts bis 20 km/h zu schnell, kostet das 30 Euro, ab 21 km/h steigt das Bußgeld auf mindestens 70 Euro, und es wird mindestens ein Punkt eingetragen.

Eine genaue Übersicht über die Höhe der deutschen Bußgelder sowie die Regelungen des Punktesystems finden Sie bei unserem Bußgeldrechner.

Im europäischen Ausland werden Verkehrssünder dagegen teils viel härter bestraft. Ein Knöllchen in Finnland richtet sich beispielsweise nach dem Einkommen - und das kann teuer werden. Ein offenbar vermögender Autofahrer aus Deutschland musste dort vor zwei Jahren 95.000 Euro zahlen, weil er innerorts mit 27 km/h zu schnell geblitzt wurde.

Eine Übersicht mit den erlaubten Höchstgeschwindigkeiten in den teilnehmenden Staaten finden Sie hier. Klicken Sie dazu auf das jeweilige Land:

  • Was soll der Blitz-Marathon bringen?

Laut Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) sollen Autofahrer für die Einhaltung von Tempolimits sensibilisiert werden. Überhöhte Geschwindigkeit ist die häufigste Unfallursache, alleine in Deutschland starben im vergangenen Jahr 3350 Menschen bei Verkehrsunfällen. 2014 sind EU-weit im Schnitt 70 Menschen am Tag im Straßenverkehr ums Leben gekommen. Die EU-Kommission musste dabei einräumen: Das selbst gesetzte Ziel, die Zahl der Verkehrstoten zwischen 2010 und 2020 zu halbieren, droht verfehlt zu werden.

  • Wie groß ist der Aufwand?
In Deutschland sind mehr als 13.000 Polizeibeamte im Einsatz. Kontrolliert wird an mehr als 7500 Stellen.

  • Wie viele Temposünder wurden bei den vergangenen Aktionen erwischt?

Im September 2014 haben die Beamten rund drei Millionen Autofahrer kontrolliert und dabei etwa 93.000 Raser ertappt. Bei der Premiere der Aktion ein Jahr zuvor waren 83.000 Verkehrssünder erwischt worden.

  • Am Tag des Blitz-Marathons wird vielleicht vorsichtiger gefahren. Aber hält der Effekt an?

Da gehen die Meinungen auseinander. "Kontrollen, die jedes halbe Jahr stattfinden, bringen wenig. Um die Sicherheit im Verkehr langfristig zu erhöhen, muss mehr getan werden", sagte eine Sprecherin des Verkehrsclubs Deutschland (VCD). Der Auto Club Europa (ACE) hält die die europäische Blitz-Kampagne dagegen für "sinnvoll und gut begründet". Denn laut ACE steigt mit jedem zusätzlichen km/h Durchschnittsgeschwindigkeit die Unfallwahrscheinlichkeit um drei Prozent.

Die Mehrheit der Bundesbürger zweifelt laut einer Umfrage an der dauerhaften Wirkung des Blitz-Marathons. "Am nächsten Tag wird wieder gerast", antworteten fast drei Viertel der Befragten (74 Prozent) in einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov. Sie meinen, angekündigte Kontrollen wirkten sich nur am Aktionstag selbst aus. Lediglich 19 Prozent der 1065 Befragten glauben demnach, dass der Blitz-Marathon auf das Thema aufmerksam macht und bewirkt, dass auf insgesamt weniger gerast wird.

Der nächste Blitz-Marathon kommt also bestimmt.

Mit Material von dpa