BMW 1er Cabrio: Striptease im Dauerregen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

BMW 1er Cabrio Striptease im Dauerregen

Ausgerechnet während der fade Sommer einem feucht-frostigen Herbst weicht, zeigt BMW erste Bilder des neuen 1er Cabriolets. Dem Wagen haben die Münchner ein klassisches Stoffverdeck spendiert - der Preis indes dürfte so manchen Kunden nach frischer Luft schnappen lassen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ist es clever, mitten im Schmuddelwetter ein neues Cabriolet vorzustellen? Vielleicht schon. Zwar werden die Autos mit dem Faltverdeck vornehmlich während der warmen Jahreszeit bewegt, wenn die Sonne vom Himmel lacht und die Luft lau ist. Doch wird die Sehnsucht bei grauem Himmel und frostigen Temperaturen nur umso größer. Und die Entscheidung zum Kauf eines Cabrios fällt vermutlich selten spontan im Frühjahr.

Marktforscher haben ermittelt, dass die meisten Kunden wohlüberlegt und voller Vorfreude an trüben Herbst- und Wintertagen ihr Cabrio aussuchen. "Wer seinen offenen Wagen nicht an Weihnachten draußen hat, macht im Frühjahr keinen Stich", sagt ein Peugeot-Sprecher. Das würde erklären, warum immer mehr Autos just dann ihre Hüllen fallen lassen, wenn es draußen so richtig schön ungemütlich wird.

Dieser Strategie folgend, setzt nun auch BMW auf Striptease im Dauerregen und zeigt noch vor der Markteinführung des Coupés, der dritten Karosserieversion der 1er-Baureihe, bereits die vierte Spielart: das 1er Cabrio. Zwar feiert der Wagen seine offizielle Weltpremiere erst im Januar auf der Motorshow in Detroit, und zu den deutschen Händlern kommt er im März 2008. Um die Unentschlossenen jedoch noch im Prozess der Entscheidungsfindung zu erreichen, gibt es erste Fotos und detaillierte Informationen schon jetzt. Sogar die Preise zwischen 28.850 Euro für das Einstiegs- und 43.700 Euro für das Top-Modell haben die Bayern bereits kundgetan. Vielleicht, damit der Kundschaft mehr Zeit bleibt, sich den happigen Open-Air-Aufschlag von beinahe 5000 Euro im Vergleich zum Coupé zu sparen.

Das Stoffdach macht sich klein im Heck

Anders als beim offenen 3er, den BMW in der jüngsten Generation mit versenkbarem Stahldach vorgestellt hat, gibt es für den 1er ein klassisches Stoffverdeck. Es öffnet binnen 22 Sekunden auf Knopfdruck und braucht im Kofferraum natürlich sehr viel weniger Platz als ein Hardtop: Das Ladevolumen schmilzt bei geöffnetem Verdeck um lediglich 40 auf 240 Liter.

Wer mehr mitnehmen möchte, bestellt einen Transportsack mit einer ungewöhnlich breiten Durchreiche in den Fond oder einen Heckträger. Auf dem lassen sich zwei Fahrräder und auch Ski und Snowboards transportieren. Die Rückkehr zum Stoffverdeck schafft auch neue Freiheiten für Schnellentschlossene: Im Gegensatz zum 3er-Hardtop lässt sich das 1er-Dach bis Tempo 40 auch während der Fahrt bedienen.

Unter der Haube gibt es, anders als beim Coupé, vom Start weg eine deutlich größere Motorenauswahl: Außer dem 177 PS starken 120d (33.500 Euro) als einzigem Diesel werden für die Ottomotoren-Fraktion je zwei Vier- und Sechszylinder-Maschinen angeboten. An der Basis stehen der 118i mit 134 und der 120i mit 170 PS, und an der Spitze der 218 PS starke 125i und der 135i mit 306 PS, den es ab Werk mit einem Sportpaket der M GmbH gibt.

Für reichlich Fahrtwind ist also gesorgt, denn schon der Einstiegsmotor schafft 209 km/h, der serienmäßig gefilterte Diesel kommt auf 223 km/h und der 135i muss sogar bei 250 km/h abgeregelt werden. Aber auch die Vernunft bleibt nicht ganz außen vor, versprechen die Bayern. Zwar liegen Verbrauchswerte bislang nur für 120i (6,5 Liter) und 125i (8,2 Liter) vor, doch sollen Module des Spritspar-Baukastens Efficient Dynamics wie Rückgewinnung der Bremsenergie, Start-Stopp-Funktion und Schaltanzeige bei allen Modellen ohne Automatikgetriebe den Kraftstoffdurst zügeln.

Glanzfäden im Stoff für den Metallic-Effekt

5000 Euro Open-Air-Aufschlag sind üppig, doch BMW ist ja ohnehin nicht für eine moderate Preispolitik bekannt. Außerdem gibt es für das Extrageld neben dem Faltdach auch bei einem Crash automatisch ausfahrende Schutzbügel hinter den Fond-Sitzen. Dazu kommen iPod-Schnittstelle und Windschott sowie auf Wunsch ein spezielles Leder, das sich in der Sonne angeblich deutlich weniger stark aufheizt als konventionelle Bezüge. Das Stoffverdeck ist in Grau gehalten und von Glanzfäden durchwirkt, so dass die Haube fast wie Metall aussieht.

Für BMW ist das 1er Cabrio ein neues Auto in einem neuen Segment. Aber in der gehobenen Kompaktklasse werden demnächst noch mehr Kunden an die frische Luft gesetzt. So hat Audi bereits bestätigt, dass auch der A3 im nächsten Jahr sein Oberteil ablegen wird. Aus Wolfsburg sind zumindest immer wieder Gerüchte zu hören, wonach es bald als Alternative oder Ersatz für den glücklosen New Beetle wieder einen offenen Golf geben soll. Und bei Peugeot laufen bereits die Arbeiten am Nachfolger des 307 CC. Das wird zwar noch ein wenig dauern. Aber der nächste Winter kommt bestimmt. Und mit ihm die langen Abende voller Sehnsucht nach Sonne und Fahrtwind.