BMW 3/15: Urahn des Mini - DER SPIEGEL
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BMW 3/15 Urahn des Mini

Das Auto, mit dem die Bayerischen Motoren Werke als Autohersteller Premiere feierten, war ein winziges Sparmobil: Vor 75 Jahren präsentierten die Münchner in Berlin den BMW 3/15 mit 15 PS und Platz für zwei Erwachsene und drei Kinder.
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München/Eisenach - Im Jahr 1929 gab es so einiges, das Deutschland bewegte. Man jubelte, dass der Literaturnobelpreis an Thomas Mann ging oder sprach über die Weltumrundung durch das Luftschiff "Graf Zeppelin". Da mag es fast als nebensächlich erscheinen, dass im Juli des Jahres in Berlin ein neuer Kleinwagen vorgestellt wurde. Doch hatte dieses Ereignis vor 75 Jahren weit reichende Folgen: Das winzige Spar-Mobil mit der Bezeichnung 3/15 machte die Bayerischen Motoren Werke - kurz BMW - zum Autohersteller.

Das Unternehmen aus München hatte sich bereits einen Namen als Hersteller von Flugzeugmotoren und Motorrädern gemacht. Von einem Automobil mit dem bekannten BMW-Logo gab es aber kaum eine Spur. Erst Ende der zwanziger Jahre wurde BMW auf einen Autohersteller in Eisenach aufmerksam. 1926 waren die Verantwortlichen dieser Firma namens Dixi auf eine Idee gekommen, die wenige Jahre später die Basis für den Autohersteller BMW bilden sollte.

Man hatte bei Dixi erkannt, dass ein preisgünstiger Kleinwagen der richtige Weg sein könnte - nur hatte man nicht das Geld, ein Fahrzeug völlig neu zu entwickeln. Doch es gab da ein Auto, das bereits jenen Erfolg hatte, von dem die Eisenacher träumten. In Großbritannien hatte die Firma Austin Motor 1922 den Austin Seven auf den Markt gebracht, der sich bestens verkaufte.

Also nahmen die deutschen Autobauer Kontakt zu Sir Herbert Austin auf und bemühten sich erfolgreich um einen Vertrag zur Lizenzproduktion des Kleinwagens in Eisenach. Die Konstruktion des Austin wurde für den deutschen Markt noch einmal überarbeitet - und schon im Dezember 1927 wurden die ersten Dixi 3/15 ausgeliefert.

Von der Weymann- zur Ganzstahlkarosserie

Das Geschäft lief gut an. Doch dann kamen andere Probleme. Die Eisenacher Autofabrik gehörte zur Gothaer Waggonfabrik, in deren Kassen es nicht gut aussah. Die Notlösung: Verkauf der Autoabteilung. Und so wurde im November 1928 ein Vertrag über den Verkauf der Fahrzeugfabrik an BMW aufgesetzt, so die Autoren Rainer Simons und Walter Zeichner in dem Buch "Die Entwicklungsgeschichte der BMW-Automobile".

Zunächst bauten die neuen Herren noch den alten Dixi 3/15 weiter. Doch der sollte schnellstmöglich weiter entwickelt werden. Das Hauptaugenmerk der BMW-Mannen galt der Karosserie des Dixi. Dabei handelte es sich noch um eine so genannte Weymann-Karosserie: Auf einen Rahmen aus Holz kamen Tafeln aus Sperrholz, Blech oder Kunstleder. Das war einfach zu bauen, leicht, aber nicht wirklich für die Ewigkeit gedacht. BMW wollte eine echte Ganzstahlkarosserie.

Als wäre es nicht genug, Lizenzgebühren an Austin zu zahlen, nahm BMW nun noch Kontakt mit der Firma Rosengart in Frankreich auf. Die baute ebenfalls einen Lizenz-Austin, und zwar mit Ganzstahlkarosserie. Also bezahlte BMW auch noch Rosengart, um eine Karosserie nach diesem Vorbild bauen zu dürfen. Doch Einrichtung einer eigenen Produktionslinie für die Karosserie schien zu teuer. Also beauftragte man damit die Firma Ambi-Budd in Berlin. Die Premiere der BMW-Limousine fand schließlich am 9. Juli in der Hauptstadt statt.

Was die ersten Bewunderer sahen, war ein Auto, das sich nicht nur im Hinblick auf die Karosserie vom alten Dixi entfernt hatte. Statt nur an zwei gab es jetzt an allen vier Rädern Bremsen. Der Benzinhahn konnte nun vom Innenraum geöffnet werden - Dixi-Fahrer mussten dafür noch in den Motorraum greifen. Stolz war man vor allem auf den Innenraum: Denn bei gerade einmal 3,25 Metern Länge hatte der BMW Platz für zwei Erwachsene und zwei bis drei Kinder. Für die Werbung erfand man später den Spruch "Innen größer als außen".

Austin Seven, Mini, BMW

In Sachen Motor blieb es bei einem kleinen Vierzylinder mit 743 Kubikzentimetern Hubraum. Der war auch für die Namensgebung verantwortlich. Zum einen leistete er 15 PS. Die 3 ergab sich aus einer komplizierten Berechnung der damals üblichen Steuer-PS - für jedes angefangene Steuer-PS waren 33 Reichsmark Steuer zu zahlen. Beim BMW gab die Berechnung über Hubraum und Zylinderzahl den Wert 2,84, aufgerundet eben 3.

Der günstige Kleinwagen (Limousine ab 2500 Reichsmark) wurde gut aufgenommen - allerdings führte in den Folgejahren die Weltwirtschaftskrise dazu, dass sich immer weniger Menschen ein Auto kaufen konnten. BMW überlebte die schwierige Zeit. Und nachdem es vom 3/15 eine ganze Reihe an Modellvarianten gegeben hatte, löste man 1932 den Lizenzvertrag mit Austin, um ein wirklich eigenständiger Autohersteller zu werden.

Austin gehörte ab 1952 zur British Motor Corporation. Und dort wurde später ein revolutionärer Kleinwagen entwickelt, der bei gerade drei Meter Länge vier Menschen befördern konnte. Auf den Markt kam der Kleine 1959 - anfangs unter der Traditionsbezeichnung Austin Seven. Berühmt wurde der Auto-Winzling jedoch unter dem Namen Mini. Wieder einige Jahrzehnte später übernahm BMW die Rover Group in Großbritannien, zu der mittlerweile Markennamen wie Austin und Mini gehörten. Als die ganze Sache nicht so lief wie gewünscht, trennte man sich wieder von Rover - den Namen Mini allerdings behielt man. Und so steht heute in den BMW-Schaufenstern ein direkter Verwandter des ersten Autos der heute so erfolgreichen Marke aus München.

Von Heiko Haupt, gms

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