BMW 3er Cabrio Klappe bitte!
Ginge es nach Entwicklungsvorstand Burkhard Göschel, dann würde dieses Auto so nicht existieren. "Zu einem Cabrio gehört einfach ein Stoffdach alles andere passt weder zum Stil noch zur Silhouette", sagt der oberste Techniker bei BMW. Dass das neue Open-Air-Modell, das im Januar auf der Detroit Motor Show Premiere feiern wird und im März zu Preisen ab 39.900 Euro in den Handel kommen wird, nun trotzdem die textile Sportkappe gegen eine versenkbare Haube aus Stahlblech eintauscht, hat Göschel den Kollegen aus Marketing und Vertrieb zu verdanken. "Die haben für diese Lösung einfach den besseren Business-Case aufgezeichnet und die größeren Absatzerwartungen geweckt", sagt er mit einem Schulterzucken und dem Verweis auf die Macht des Marktes.
Trotzdem ist er wie sollte es auch anders sein mit der vierten Generation des offenen Klassikers natürlich hochzufrieden. "Immerhin haben wir eine Lösung gefunden, die zu BMW passt - pfiffig, anspruchsvoll und elegant", lobt der Entwicklungschef, der seinen Technikern mächtig Dampf gemacht haben muss.
Diesem Nachdruck ist es offenbar zu verdanken, dass man dem Auto zumindest auf den ersten offiziellen Fotos den aufklappbaren Blechdeckel kaum ansieht. Wie das Vorgängermodell hat er eine extrem schlanke Silhouette, die hinten nicht ins Uferlose ausläuft. Dort, wo andere Blechdach-Cabrios gerne ein wenig Speck ansetzten und ein unförmiges Hinterteil bekommen, damit auch ja der Hut unter die Haube passt, bleibt der BMW beinahe zierlich. Auf jeden Fall aber sieht er elegant aus.
Dafür nehmen die Bayern auch zwei Mankos in Kauf: Zum einen haben sie, ähnlich wie Opel und Volvo, ein dreiteiliges Verdeck entwickelt, dessen Optik in geschlossenem Zustand von einer unschönen Fuge gestört wird. Und zum anderen ist der Kofferraum eben nicht nur äußerlich flach und kurz geraten, sondern auch ein wenig knapp bemessen. Mit 350 Litern bei geschlossenem und 210 Litern Fassungsvermögen bei geöffnetem Verdeck bleibt das Cabrio deutlich hinter anderen Modellen dieser Bauart zurück.
Das dreiteilige Verdeck hebt und senkt sich vollautomatisch
Die Verwandlung zwischen Cabrio und Coupé funktioniert bei BMW wie bei allen anderen Herstellern auf Knopfdruck. Einmal kurz am Schalter auf der Mittelkonsole gezogen oder auf die Fernbedienung am Schlüssel gedrückt, schon faltet sich das Dach binnen 22 Sekunden unter den Heckdeckel. In umgekehrter Richtung dauert das Spiel eine Sekunde länger, und wer auch das per Fernbedienung erledigen möchte, muss dafür Aufpreis zahlen und in der Nähe bleiben. Denn aus Sicherheitsgründen wird das Signal nur auf eine Entfernung von maximal vier Metern übertragen.
Verschließt das Verdeck den freien Blick zum Himmel, ist die vierte Spielart des Dreiers aber noch immer als Cabrio zu erkennen und vom gerade eingeführten Coupé zu unterscheiden. Schließlich zahlen die Kunden für dieses Modell rund 8000 Euro weniger. Die nicht zuletzt deshalb nötige Distanz signalisiert eine Chromleiste auf Höhe der Gürtellinie, die das in Wagenfarbe lackierte Dach optisch vom Karosseriekörper trennt. Außerdem verspricht BMW den Kunden deutlich bessere Aussichten: Im Vergleich zum stoffbedachten Vorgänger sei der Sichtbereich nach hinten dank der größeren Heckscheibe um 38 Prozent gewachsen. Und wer im Fond Platz nehmen muss, der schaut nun durch erheblich größere Seitenfenster und fühlt sich nicht mehr an die Guckluken im Zelt des letzten Camping-Urlaubs erinnert.
Fünf Motorisierungen sind anfangs im Angebot
Die Antriebstechnik übernimmt das Cabrio komplett aus der Großfamilie und profitiert damit auch von den Fortschritten, die vor ein paar Monaten mit dem Coupé vorgestellt wurden. So gibt es die neue Sechsstufen-Automatik mit den schnellen Gangwechseln und den Schaltpaddeln am Lenkrad, und selbstverständlich montiert BMW auch im Cabrio den neuen Twin-Turbo-Motor. Er steht an der Spitze der vier direkteinspritzenden Benzinaggregate, die zusammen mit einem Dieseltriebwerk das Startaufgebot der Bayern bilden. Im 50.750 Euro teuren 335i lockt der mit durchschnittlich 9,9 Litern Verbrauch veranschlagte Sechszylinder mit 306 PS, 400 Nm Drehmoment und einem Sprintwert von 5,8 Sekunden. Das Spitzentempo bleibt allerdings auf 250 km/h limitiert.
Das gilt auch für den 272 PS starken 330 i (48.350 Euro), der mit 320 Nm, 6,7 Sekunden und 8,1 Litern im Datenblatt geführt wird. Mit 245 km/h begnügen muss sich, wer für 44.450 Euro den 325i bestellt. Er hat 218 PS und 270 Nm, ist in 7,6 Sekunden auf 100 Sachen und verbraucht im Mittel 7,9 Liter. Einziger Vierzylinder im Programm ist der 320i im 39.900 Euro teuren Einstiegsmodell, der 170 PS leistet, 210 Nm vorweisen kann, im Mittel 6,7 Liter braucht, nach 9,2 Sekunden Tempo 100 erreicht und die Frisur mit 220 km/h eher schonen wird als die stärkeren Modelle. Den Geldbeutel wiederum schont der 330d wenn man erst einmal den Grundpreis von 49.000 Euro verdaut hat. Dann verspricht er bei 231 PS und 500 Nm, einer Sprintzeit von 7,1 Sekunden und 245 km/h Spitzentempo viel Vergnügen und bleibt mit durchschnittlich 6,9 Litern schön vernünftig.