BMW 518g Der Erdgas-Dauerläufer
Eigentlich sollte es nur ein kurzes Experiment werden: Als Kersten Schulz bei einem Jobwechsel den Dienstwagen abgeben musste und als schnellen Ersatz als Familienauto einen BMW 518g kaufte, dachte er erst einmal nur an ein paar Monate. Der Wagen war acht Jahre alt, hatte bereits 300.000 Kilometer auf der Uhr und kostete 4500 Euro. "Da gehe ich kein Risiko ein", schildert der Freiburger seine damalige Überlegung. Inzwischen sind fünf Jahre vergangen und der Kilometerzähler steht mittlerweile kurz vor 400.000 Kilometer. Damit ist der 5er Touring eine Rarität. "Wohl kaum ein Erdgasauto in Deutschland wurde so viel gefahren wie dieser Kombi", sagt Schulz.
Als er sich den Wagen zulegte, musste sich Schulz reichlich dumme Fragen und schräge Blicke von Nachbarn und Freunden gefallen lassen. Wie kann man nur ein Erdgas-Auto kaufen? "Mir war das egal", sagt der Innenarchitekt. "Ich habe ein Faible für alternative Energien und wollte früh mit dabei sein. Den ersten Sonnenkollektor auf dem Dach und das erste Erdgasauto in der Straße", erklärt er seine Motivation. Da kam ihm der Gebrauchtwagen, der bis dahin bei einem Bushersteller im Flottentest eingesetzt worden war, gerade recht. Um den Spareffekt sei es ihm bei der Wahl eines Erdgasautos erst in zweiter Linie gegangen. Dass man nicht nur beim Tanken, sondern auch bei Steuer und Versicherung nur etwa halb so viel zahlt, habe er erst später gemerkt. Welche Summe er seither sparte, hat er nie ausgerechnet. Schulz: "Ein paar Tausender werden es wohl gewesen sein."
Anders als heutige Erdgas-Fahrer muss Schulz in seinem BMW ein paar Einschränkungen hinnehmen. Der zylinderförmige Tank, den er scherzhaft als Fliegerbombe bezeichnet, liegt im Kofferraum und schmälert das Ladevolumen; und mit den Fahrleistungen ist es auch nicht weit her. 115 PS leistet der Vierzylindermotor im Benzinbetrieb, 101 sind es mit Erdgas. Kein heutiger BMW ist so leistungsschwach.
Nur bergab oder mit Rückwind wird es richtig schnell
"Die Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h schafft das Auto nur bergab oder mit Rückenwind", sagt Schulz, "und bei Steigungen braucht man schon etwas Geduld." Über die verfügt er zweifellos; Schulz berichtet, das er mit dem Wagen kaum schneller als Tempo 120 oder mal 130 fährt. Vollgetankt mit 14 Kilo Erdgas und 85 Litern Benzin ist der Wagen dann so genügsam, dass er jedem Dieselmodell davon fährt. "In den Urlaub nach Süditalien schaffe ich es regelmäßig ohne Tankstopp", lobt Schulz den geizigen Dauerläufer.
Auch mehr als zehn Jahre nach dem Debüt der ersten werkseitig umgerüsteten CNG-Modelle ist das Tankstellennetz mit derzeit rund 800 Stationen in Deutschland noch zu lückenhaft. Obendrein liegen die Erdgas-Zapfsäulen oft weit weg von der Autobahn. Im Alltag ist das jedoch unproblematisch. "Die meiste Zeit bin ich im Großraum Freiburg unterwegs. Zwei Erdgastankstellen und ein Aktionsradius von knapp 400 Kilometern, damit komme ich unter der Woche prima hin", berichtet Schulz. "Aber am Wochenende mal spontan einen längeren Ausflug machen, das ist mit Erdgas noch immer nicht drin", klagt der Innenarchitekt. Statt einfach loszufahren, sitzt er vorher am Computer und sucht auf der Erdgasauto-Webseite geeignete Tankstopps entlang der Route heraus.
Nicht alle Werkstätten kennen sich mit Erdgasautos aus
Damit müssen alle Erdgas-Fahrer leben, aber Schulz hat noch ein spezielles Problem: Ihm fehlt die passende Werkstatt. "Weil die Gasumrüstung von 3er und 5er für BMW nur ein Versuch war, sind die Mechaniker der Marke in dieser Hinsicht kaum geschult", klagt Schulz. In Pilsting bei Dingolfing, wo er den Wagen kaufte, kennen sich die Schrauber mit der Gasanlage aus. Doch der Kfz-Meister in Freiburg schüttelt beim 518g nur den Kopf. "Der Service und normale Reparaturen sind kein Problem, aber für alles was den Antrieb betrifft, muss ich zu einem Spezialisten", sagt Schulz. Zum Glück gibt es einen in der Nähe.
Allmählich rückt für den weißen Erdgas-Dauerläufer das Ende näher. Das nächste Kilometerjubiläum mit 500.000 auf dem Zähler will er jedenfalls nicht mehr in diesem Modell feiern. Deshalb hat die Suche nach einem Nachfolger bereits begonnen. Welche Marke und welches Modell es werden wird, kann Schulz noch nicht sagen. Doch dass es wieder ein Erdgasauto sein wird, steht nach dem überraschend langen Experiment mit dem 5er BMW fest. "Es gibt keinen Grund, es nicht wieder zu tun", sagt Schulz nach mehr als 100.000 Erdgas-Kilometern. Diesmal muss er sich auch nicht mehr belächeln lassen.