BMW 760i: Beeindruckendes Vorspiel - DER SPIEGEL
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BMW 760i Beeindruckendes Vorspiel

Gut ein Jahr nach der Premiere der neuen 7er-Limousine von BMW schieben die Bayern jetzt mit der Zwölfzylinder-Version den dicksten Brocken der Baureihe nach. Das Auto ist unter anderem auch eine Art Generalprobe für den kommenden Rolls-Royce.
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Wenn, wie es bei BMW der Fall ist, eine Marke den Anspruch auf Technologieführerschaft erhebt, dann genügt ein schlichter Zwölfzylindermotor natürlich nicht. Entsprechend hohen Aufwand trieben die Münchner Entwickler bei der Konstruktion des neuen Prunktriebwerks, das ab Januar in der 7er-Limousine angeboten wird.

Der neue V12-Motor schöpft aus sechs Litern Hubraum eine Leistung von 445 PS (327 kW) und packt mit einem Drehmoment von maximal 600 Nm an der Kurbelwelle zu. Wer Zahlenspiele dieser Art mag, dürfte beeindruckt sein. Und es geht ja noch weiter: Die Maschine vermag das knapp 2,2 Tonnen schwere Auto in 5,5 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 zu beschleunigen. Bei 250 km/h dann stoppt die Motorelektronik den weiteren Vorwärtsdrang. Als durchschnittlichen Verbrauchswert gibt BMW 13,4 Liter je 100 Kilometer an - was absolut gesehen unzeitgemäß ist, in Relation zum Fahrzeug und seiner Leistung jedoch respektabel.

Und wo sind jetzt die Besonderheiten des neuen Zwölfzylinder-Aggregats? Sie stecken in den Zylinderköpfen. Denn erstmals gibt es mit dem V12 von BMW einen solchen Motor mit Benzin-Direkteinspritzung. Allerdings werde diese Technik nach Angaben von BMW-Sprecher Alfred Broede nicht wie sonst üblich aus Verbrauchsgründen eingesetzt, sondern allein zur Erhöhung der Leistung und des Drehmoments. Das hat zur Folge, dass die Maschine nie im so genannten Magerbetrieb (also mit dünnem Benzin-Luft-Gemisch) läuft. Dadurch wiederum könne auf spezielle Katalysatoren und schwefelfreies Benzin verzichtet werden - das übrigens in vielen Märkten weltweit noch gar nicht verfügbar ist.

So aber kann der BMW 760i - das der offizielle Name des Zwölfenders - weltweit vermarktet werden, was angesichts der hohen Verkaufserwartungen nicht nur in den USA, sondern auch in Nah- und Fernost den Vertriebsstrategen des Unternehmens sehr gelegen kommt. Damit sich der Verbrauch dennoch einigermaßen in Grenzen hält, bekam der Motor die bereits von anderen BMW-Aggregaten bekannte variable Ventilsteuerung "Valvetronic" verpasst. Angeblich lassen sich damit bis zu zehn Prozent Kraftstoff einsparen.

Von außen erkennbar ist das Topmodell durch V12-Schriftzüge an den Flanken, einer breiteren und mit Chrom verzierten Kühlerniere sowie schwarzem Hochglanzlack an der B-Säule und den Außenspiegelfüßen. Im Innenraum gibt es ebenfalls ein paar Besonderheiten, etwa die lederbespannte Armaturentafel oder den mit Alcantara ausgekleideten Dachhimmel. Sehr viel mehr fällt das Auto auf, wenn es in der Langversion als 760Li vorfährt. BMW bietet die Chauffeurslimousine mit einem um 14 Zentimeter verlängerten Radstand an - und diversen Luxuseinbauten im Fond. Als Aufpreis für den gestreckten 7er verlangen die Bayern 5400 Euro. Bei einem Grundpreis von ohnehin 110.600 Euro für den Zwölfzylinder-Wagen ist das dann auch nicht mehr groß der Rede wert.

BMW rühmt sich, weltweit "immer noch unangefochten der erfolgreichste Zwölfzylinder-Hersteller" der Branche zu sein. Seit 1987, als erstmals eine BMW-Limousine mit V12-Motor in den Handel kam, wurden knapp 74.000 dieser Fahrzeuge gebaut. Das aktuelle V12-Modell soll auf absehbare Zeit der einzige BMW-Motor mit der Kombination von Benzin-Direkteinspritzung und variabler Ventilsteuerung bleiben. Allerdings wird vermutlich ein anderes Fahrzeug der "BMW Group" demnächst mit einer solchen Maschine antreten. Nämlich der neue Rolls-Royce Silver Seraph, der am 3. Januar 2003 - also unmittelbar nachdem das britische Traditionsunternehmen von VW an BMW zurückgefallen sein wird - vorgestellt werden soll. Der Höhepunkt der Zwölfzylinder-Euphorie steht also noch aus.