BMW M3 Rasante Salamischeibchen
Sie hätten Metzger und nicht Kommunikatoren werden sollen: Kaum einer schnibbelt so geizig an der PR-Salami herum wie die Produktstrategen von BMW. Schon seit mehr als einem Jahr giert die sportliche Kundschaft nach dem neuen M3, doch aus München gibt es nur kleinste Informationshäppchen. Beim Genfer Autosalon, dem größten Frühjahres-Schaufenster der Branche, ziert sich BMW noch immer. Es parkt dort zwar eine Designstudie des potenten Zweitürers. Doch zu den Details hört man kein Wort. Und auch über den Motor schweigen sich die Bayern aus in drei Wochen, so die Botschaft, gebe es das nächste Informationsschnipselchen.
Auch wenn es diesmal, wie gemunkelt wird, alle Karosserievarianten der 3er-Baureihe in einer M-Version geben soll, basiert die aktuelle Studie auf dem im Herbst eingeführten Coupé. Anders als die Konkurrenten von Mercedes AMG oder Audi Quattro haben die BMW-Entwickler zumindest für die Studie kaum ein Karosserieelement vom Serienmodell übernommen. "Der Tradition der BMW M GmbH folgend, haben die Ingenieure das M3 Concept Car als grundlegend eigenständiges Fahrzeuge entwickelt", tönt es aus München. Neben der tragenden Grundstruktur stammen nur Türen, Kofferraumdeckel, Scheinwerfer und Rückleuchten vom Standard-Coupé. Alle anderen Teile wurden neu geformt und zwar nicht nur für den schönen Schein. Angeblich erfüllt jedes neue Stück auch einen technischen Zweck.
Ein "Powerdome" auf der Motorhaube
Der Anspruch steht dem Auto ins Gesicht geschrieben: Die weit nach vorn ausgerichtete Frontschürze zeigt drei riesige Luftöffnungen, für die sogar die Nebelscheinwerfer weichen mussten, damit der Motor genügend Sauerstoff bekommt. Bislang verrät BMW nur, dass es ein hochdrehendes Achtzylinder-Aggregat sein wird. Die aus Aluminium gefertigte Motorhaube trägt eine kräftige Ausbeulung, den "Powerdome", der wiederum von zwei auffälligen Kühlrippen mit Chromeinlage flankiert wird.
Die Kotflügel des Autos wölben sich über mächtigen 19-Zoll-Felgen und symbolisieren die bereite Spur des Sportlers. Zudem recken sich die Außenspiegel schlanker in den Wind, und der neu geformte Seitenschweller kleistert den Wagen optisch auf die Straße. Dazu gibt es für den Kunden unsichtbar Seitenwände aus leichtem Kunststoff und für jedermann zu erkennen ein Leichtbaudach aus lackierter Kohlefaser, das zuletzt beim M3 CSL zum Einsatz kam und bereits jetzt einen Ausblick auf noch sportlichere Varianten des M3 gibt. Denn für die Großserie könnte diese Technik eventuell noch ein wenig zu teuer sein.
Wildes Heck mit Diffusor und fettem Doppelauspuff
Damit der gemeine 5er- oder 7er-Fahrer auch weiß, warum dieser 3er auf der Autobahn so locker an ihm vorbei ziehen wird, hat der M3 ein besonders rasantes Heck. Geprägt wird es von einer kleinen Spoilerlippe auf dem Kofferraumdeckel und einem mächtigen Diffusor sowie weit in die Mitte gerückten Auspuff-Doppelendrohren.
Ob der M3 allerdings tatsächlich so sportlich fährt, wie er im Stand aussieht, kann man bislang nur vermuten. Es wird wohl einige Monate dauern, bis zunächst das Coupé und später dann das Cabriolet als M-Modell antreten. Doch weil Audi im RS4 und Mercedes in der AMG-Version der neuen C-Klasse jeweils Achtzylindermotoren mit mehr als 400 PS einsetzen, wird BMW wohl kaum mit weniger zufrieden sein. In München wetzen sie schon die PR-Messer: Ende März ist nämlich "Motorentag" im Entwicklungszentrum. Dann wird die nächste Scheibe von der PR-Salami geschnibbelt.