BMW-Sechszylinder Saus und Braus
Vor allem der Dieselmotor, der ab September in der 5er-Baureihe die Limousine 535d und den Kombi 535 d Touring antreiben soll, darf als weiterer Meilenstein in der Selbstzünder-Entwicklung angesehen werden. Was bei Schiffsdieseln, in schweren Lkw oder Panzern längst genutzt wird, hat BMW nun auch für das sportliche Familienfahrzeug nutzbar gemacht: eine zweistufige Turboaufladung. Opel hat eine vergleichbare Technik zwar früher vorgestellt als BMW, doch wird es mit dem Serienstart noch etwas dauern. Erst in gut einem Jahr soll ein sportlicher Vectra mit Doppel-Turbo-Dieselmotor bei den Händlern stehen.
Der Vorteil dieser bei Pkw neuen Aufladetechnik besteht darin, dass bei niedrigen Drehzahlen mehr Drehmoment und bei hohen Drehzahlen mehr Leistung erzeugt wird. Gleich nach dem Anfahren sorgt ein kleiner Turbolader für Druck in den Brennkammern, um die Motorkraft zu steigern. Bei höheren Drehzahlen übernimmt der größere Turbolader die Zwangsbeatmung der Zylinder, was einen forschen Antritt bis 5000 Umdrehungen pro Minute ermöglicht.
Man kommt bei dieser Technik nicht umhin, ein paar Zahlen zu nennen. So entwickelt der Dreiliter-Sechszylinder schon bei 1500 Umdrehungen erstaunliche 530 Newtonmeter, und das maximale Drehmoment von 560 Newtonmeter liegt dann bei 2000 Touren an. Die Höchstleistung von 272 PS (200 kW) gibt der Motor bei 4400 Umdrehungen ab. Dass diese Werte in vehementen Vortrieb umgesetzt werden können, hat der Ex-Skirennfahrer Luc Alphand bei der diesjährigen Rallye Paris-Dakar bewiesen. Er gewann in einem BMW X5 mit Doppel-Turbo-Technik die Dieselwertung des Langstreckenrennens.
Otto Normalfahrer dürfte mit den BMW-535-Modellen ebenfalls recht forsch unterwegs sein. Die Münchner nennen als Maßzahl für die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h 6,5 Sekunden, bei 250 km/h riegelt die Elektronik ab. Als Verbrauchswert werden offiziell 8,0 Liter für die Limousine (8,2 Liter für den Kombi) angegeben. Immerhin: Die immer brachialere Kraftentfaltung wird mit vergleichsweise geringem Kraftstoffverbrauch erzielt. Und damit die Euro-4-Abgasnorm erreicht wird, baut BMW auch einen Rußpartikelfilter serienmäßig ein, was den schönen Nebeneffekt hat, dass nicht nur der Gesetzgeber zufrieden gestellt wird, sondern einem weiteren Dieselmodell die Dreckschleuderei abgewöhnt wird.
Der neue Reihensechszylinder-Benzinmotor, den BMW zeitgleich mit dem Diesel entwickelt hat, kommt zunächst in der 6er-Baureihe zum Einsatz, und zwar in den Modellen 630i Coupé oder Cabriolet. Das Dreiliter-Aggregat leistet 258 PS (190 kW) und produziert ein maximales Drehmoment von 300 Newtonmeter bei 2500 Umdrehungen. Damit gelingt der Spurt von 0 auf 100 in 6,5 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 250 km/h und der Verbrauch liegt laut BMW bei 9,0 Liter. Diese Werte gelten für das Coupé mit Sechsgang-Schaltgetriebe. Für die Cabrio-Version und die Varianten mit Sechsgang-Automatik sind die Kennzahlen etwas höher.
Fahrerisch bemerkbar machen dürfte sich das um bis zu 120 Kilogramm geringere Gewicht der Sechszylinder-Modelle gegenüber den 6er-Varianten mit Achtzylinder-Motor. Erkennbar sind die neuen, "bescheideneren" Typen an anders gestylten 17-Zoll-Rädern, runden (statt ovalen) Auspuffrohren sowie an schwarzen (statt verchromten) Rippen im Kühlergrill. Die Sechszylinder-Benziner sollen übrigens, nachdem das Debüt im 6er vorüber ist, auch in anderen Baureihen von BMW die bisherigen Reihensechszylinder ablösen.
Wie der neue Dieselmotor, so wird auch das Otto-Triebwerk im September für die Kundschaft bereit stehen. Was die neu motorisierten Modelle kosten werden, mag BMW jedoch noch nicht verraten. Erst sollen sich Interessenten an den Daten berauschen, der Kater nach der Lektüre der Preisliste kommt noch früh genug.