BMW Welt Münchens PS-Petersdom
Für die Bauten des BMW-Konzerns denkt sich die Münchner Bevölkerung seit jeher eigenwillige Bezeichnungen aus: Es gibt den "Vierzylinder" (Firmenzentrale) und die "Salatschüssel" (Werksmuseum). Welchen Rufnamen die BMW Welt vom Volksmund verpasst bekommt, ist noch offen. Die von der Architektur des PS-Tempels begeisterten Feuilleton-Redakteure der "Süddeutschen Zeitung" machten bereits einen Vorschlag - sie erkannten in der Form des Eingangsbereichs einen "rätselhaften Pilz". Nach vier Jahren Bauzeit eröffnet BMW heute das neue "Erlebnis-Portal" des Konzerns. Mit einem Investitionsvolumen von offiziell 100 Millionen Euro hat der Automobilhersteller einen Steinwurf entfernt von Zentrale einen atemberaubenden Prachtbau aus dem Boden gestampft. So wie der VW-Konzern mit der Autostadt oder Mercedes mit seinem Komplex aus Museum und Werksniederlassung haben die Bayern mit ihrer BMW Welt nun einen Tempel, in dem Käufer und Fans die Marke inhalieren und zelebrieren können. Ach ja, neue Autos abholen kann man dort auch.
Entworfen vom Wiener Architekturbüro Coop Himmelb(l)au wirkt der Bau wie eine riesige Wolke aus Glas und Stahl, die mit einem Doppelkegel in Form eines stählernen Tornadowirbels auf dem bayerischen Boden festgezurrt wurde. Die technischen Daten der Halle, unter der sich auch ein Fußballfeld oder der Bahnhof einer mittleren Stadt verstecken könnten, lesen sich wie der Fahrzeugschein eines Supersportwagens.
Auf einer Fläche von 25.000 Quadratmetern haben die Bayern eine Konsum-Kathedrale errichtet, die 180 Meter lang, 130 Meter breit und 28 Meter hoch ist. Auf sieben Etagen unter wie über der Erde bietet die BMW Welt etwa 73.000 Quadratmeter Fläche. 12.000 mal mussten die Lkw anrücken, um den Aushub der Baugrube abzutransportieren. Mehr als 6.000 Laster haben im Gegenzug jene 55.000 Kubikmeter Beton angeliefert, aus denen die mit Glas, Stahl und Solarzellen verkleidete Grundkonstruktion besteht.
Junior Campus und Business Club
Nicht kleckern, klotzen war das Motto für den Bau, dessen tatsächliche Kosten manche Beobachter auf eine halbe Milliarde Euro beziffern. Entsprechend markig sind die Sprüche der Manager: "Wenn der Händler die Stadtkirche ist, dann ist die BMW-Welt der Petersdom", verkündete etwa der Vorstand Michael Ganal.
Innen gibt es unter anderem eine sogenannte Straße der Mobilität: Weil das BMW-Museum nur eine Fußgängerbrücke weit entfernt ist, halten sich die Bayern dort allerdings nicht mit der Unternehmenshistorie auf. Statt zwischen Oldtimern flaniert man zwischen aktuellen Autos und Motorrädern, die mit Exponaten und Einspielungen garniert werden. Die Ausstellung biete "faszinierende Einblicke in Forschung, Entwicklung, Design, Produktion und Technik", schwärmt BMW.
Wer es noch genauer wissen will, bummelt durch die sogenannten Technik-Ateliers und wirft einen Blick auf die Zukunft des Autos. Hier erklären die Bayern ihren Wasserstoffantrieb ebenso wie die Segnungen der Elektronik. Dazu gibt es für die Kunden von Morgen einen Junior Campus sowie für Branchenprofis das Forum. Vor virtuellen Flackerfeuern können dort im Business Club intime Kamingespräche, Produktpräsentationen oder Bankette mit bis zu 800 Gästen anberaumt werden.
Rituelle Fahrzeugübergabe
Nabel der BMW Welt ist allerdings die Fahrzeugübergabe. Mit einem Spektakel, an das sich die Kunden lange erinnern sollen, werden dort bis zu 250 Käufer am Tag ihren neuen BMW entgegen nehmen. Weil das Unternehmen mit rund 45.000 Selbstabholern aus aller Welt rechnet, liefern nach Recherchen des Branchenblattes "Auto, Motor und Sport" täglich bis zu 40 Transporter die automobile Frischware an.
Zweimal gewaschen und auf Hochglanz poliert parken die Autos in Hochregalen, bis der große Moment gekommen ist. 60 speziell geschulte Mitarbeiter sollen die Kunden in Empfang nehmen, sie in die Mysterien des BMW einweisen - und ihnen dann den lang ersehnten Schlüssel übergeben.