BMW X3: Testfahrt im Tarnkleid - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Fotostrecke

BMW X3: Mehr Komfort im Kompakt-SUV

Foto: BMW/Max Kirchbauer

BMW X3 Testfahrt im Tarnkleid

In BMWs Geländewagensparte geht es gerade Schlag auf Schlag. Der X1 ist noch ganz frisch, der X5 wurde jüngst aufpoliert und demnächst geht der neue X3 an den Start. Das Kompakt-SUV wird ab November verkauft, SPIEGEL ONLINE saß in einem Prototypen bereits am Steuer.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Seit vor kurzem ein BMW-Testfahrer am Central Park in New York von einem übereifrigen Polizisten für einen potentiellen Attentäter gehalten wurde und die Fotos des getarnten Fahrzeugs über den Ticker liefen, weiß alle Welt: Der bayerische Autohersteller wird demnächst einen neuen X3 in den Handel bringen. Denn um diese Typen handelte es sich bei dem verdächtig abgeklebten Mobil in New York.

Jetzt - ein halbes Jahr vor der Premiere - bat das Unternehmen sogar schon zu einer ersten Testfahrt mit den Prototypen des neuen Geländewagens. Der Grund dafür ist auch, dass BMW beim neuen X3 einen Richtungswechsel vollzieht. War das aktuelle Modell so sportlich ausgelegt, dass zumindest Beifahrer und erst recht Hinterbänkler bei forcierter Fahrt nichts zu lachen hatten, startet der kommende X3 fast schon eine Komfortoffensive.

"Natürlich wollten wir bei der Fahrdynamik keine Abstriche machen", sagt Heinz Krusche, der die Fahrwerksabstimmung bei BMW leitet. "Aber zugleich wollen wir beim Komfort neue Maßstäbe setzen. Da waren nicht andere Geländewagen, sondern unsere Limousinen das Vorbild." Tatsächlich rollt der mit Tarnfolie beklebte Prototyp bei der Testfahrt von SPIEGEL ONLINE sanft und gemütlich durchs Alpenvorland. Zwar rappeln und klappern ein paar der handgeschnitzten Kunststoff-Konsolen, doch egal wie schlecht die Straßen auch werden, die Zeit der wüsten Bocksprünge über der Hinterachse scheint endgültig vorbei zu sein. Während die neue Automatik unmerklich wie ein Doppelkupplungsgetriebe die acht Gänge wechselt, rollt man kommod über Schlaglöcher und tief ausgefahrene Feldwege.

Mit variablen Dämpfern lässt sich die Fahrcharakteristik verändern

Dennoch ist der X3 kein Softie, sondern lässt sich auch stramm und sportlich bewegen. Dafür habe man tief in die Trickkiste gegriffen, erläutert Krusche. Während die größere Spurweite per se für mehr Gelassenheit sorgt, wird es die neue elektrische Lenkung in drei Ausprägungen von komfortabel bis sportlich geben. Dazu verteilt eine Elektronik an der Hinterachse die Antriebskraft so, dass der Wagen schneller um die Kurve kommt, und zum ersten Mal bietet BMW für den X3 ein Fahrwerk mit variablen Dämpfern an. Ein Druck auf die Performance-Taste auf dem Mitteltunnel genügt, schon zeigt der Wagen sein zweites Gesicht. Die Lenkung wird dann direkter, die Straßenlage straffer und der doch recht stattliche Wagen ziemlich flink in den Kurven.

In Fahrt bringen den X3 zum Verkaufsstart zwei Motorisierungen vom oberen Ende der Leistungsspanne: Ein drei Liter großer Benziner im X3 35i mit 306 PS und ein zwei Liter großer Diesel, der im X3 20d auf 184 PS kommt. Erst im nächsten Jahr will BMW das Programm bei den Benzinern mit einer neuen Generation von aufgeladenen Vierzylinderaggregaten nach unten abrunden. Bei den Dieselmotoren geht es in beide Richtungen - schwächer und stärker.

Auch der X3 wird nun mit Start-Stopp-Automatik bestückt

Wie immer in den letzten Jahren folgen die Entwickler der Mehr-für-Weniger-Strategie und haben den Triebwerken ein Plus bei der Leistung und ein Minus beim Verbrauch mitgegeben. Das ermöglicht nicht nur der Feinschliff an den Motoren, sondern beim X3 auch erstmals eine Start-Stopp-Funktion für die Achtgangautomatik. "Der 20d als Bestseller unter den BMW-X3-Modellen bietet vier Prozent mehr Leistung, acht Prozent mehr Drehmoment und 15 Prozent weniger Verbrauch", sagt Projektleiter Lutz Römer.

Die Verbrauchsminderung ist auch deshalb erfreulich, weil das Auto aufgrund eines Längenzuwachses von acht Zentimetern deutlich größer geworden. Mit 4,65 Meter Länge ist der neue X3 nun fast so lang wie der alte X5. Schwerer allerdings wurde das Auto nicht. "Wachsen ohne Gewichtszunahme, das war uns wichtig", sagt Projektleiter Römer. Dank dünnerer aber stabilerer Bleche und einer besonderen Struktur hat der X3 sogar um 25 Kilo abgespeckt. Die größere Karosserie bietet mehr Platz für die Fondpassagiere und das Kofferraumvolumen wuchs um 70 auf nun 550 Liter.

Moderneres Interieur und erstmals ein Head-Up-Display in dieser Klasse

Auch sonst deutet vieles darauf hin, dass man sich im X3 demnächst ein bisschen wohler fühlen wird. Obwohl das Armaturenbrett bei der Testfahrt noch soweit wie möglich mit schwarzen Tüchern verhängt war, kann man die wesentlichen Änderungen schon erkennen oder zumindest erahnen: Der Navigationbildschirm ist jetzt endlich ordentlich integriert, der bisherige Klappmonitor ist passé. Und über dem Cockpit wird demnächst - ein Novum in dieser Klasse - ein Head-Up-Display die wichtigsten Informationen direkt in die Frontscheibe projizieren.

Nachdem unfreiwilligen Coming-Out am Central Park und der ersten Ausfahrt im Allgäu gibt es jetzt nur noch zwei Geheimnisse, die der X3 für sich behält: Das konkrete Außendesign und den Preis. Beides wollen die Bayern erst zur Premiere im Oktober auf dem Autosalon in Paris enthüllen - ein bisschen Spannung muss schließlich noch sein.

Mehr lesen über