BMW Z4 Dicke Mütze am Polarkreis
Da kann die generelle Stimmung in Detroit noch so eisig sein. Als BMW am Pressetag der Motorshow in Motown das Tuch vom neuen Z4 gezogen hatte, wurde den Gästen am Messestand richtig warm. Was zum Teil am ansehnlichen Auto lag, vornehmlich jedoch an den vielen Scheinwerfern an der Decke. BMW-Mitarbeiter wie Heinz Krusche können von derartigen Temperaturen nur träumen. Während sich die Führungsriege in den USA neben dem Roadster im Rampenlicht sonnt, stehen sie mit dem Z4 in der Kälte am Polarkreis. Dort finden derzeit die letzten Wintertests mit dem Zweisitzer statt, der im Mai zu Preisen ab 35.900 Euro bei den Händlern stehen soll.
Die Fahrten mit den zu großen Teilen noch in Handarbeit hergestellten und bis zur Unkenntlichkeit getarnten Prototypen sind für Entwickler wie Krusche Alltag. Allerdings stand gerade beim neuen Z4 die so genannte Nordlanderprobung im Zentrum des Interesses. Denn der Roadster erhält, unter anderem zur Verbesserung der Wintertauglichkeit, kein Textilverdeck, wie es die Konkurrenzmodelle Audi TT oder Porsche Boxster tragen, sondern einen stabilen Aluminiumhelm, wie bislang in dieser Riege nur der Mercedes SLK.
Projektleiter Werner Kleeberger nennt für den Wechsel von Stoff zu Metall mehrere Gründe: "Der Kunde empfindet jetzt mehr Sicherheit als unter einem Stoffdach, und das Fahrzeug wirkt mit geschlossenem Dach in der Linienführung so harmonisch wie ein Coupé." Dazu kämen Vorteile bei der Akustik, beim Diebstahlschutz sowie bei der Aerodynamik was auch den Verbrauch senke. Und schließlich betont Kleeberger die verbesserte Ganzjahrestauglichkeit dank des festen Klappverdecks. Auch im Winter bleibe das Raumklima stabil, wohingegen bei einem Stoffdach bisweilen der Eindruck von Feuchtigkeit aufkommen könne.
Bei der ersten Begegnung mit dem neuen Z4 am Polarkreis kann man das erahnen. Tatsächlich fühlt man sich unter der festen Haube auch während der finnischen Eiszeit so wohl wie hinterm Kachelofen. Ob Flocken fallen oder der Wind widrig bläst wenn die Sitzheizung glüht und die Klimaanlage einen heißen Schwall aus den Lüftungsdüsen neben dem endlich elegant gezeichneten Cockpit drückt, würde den Entwicklern ein dünnes T-Shirt für die Winter-Probefahrt ausreichen. Vom angeblichen Geräuschvorteil ist jedoch in den Prototypen noch nichts zu spüren. Das Verdeck dröhnte wie die Membran eines Lautsprechers. BMW sagt, bis zum Anlauf der Produktion, die künftig nicht mehr im US-Werk Spartanburg, sondern in Regensburg stattfindet, werde sich da noch etwas ändern.
Mehr Auto, aber nicht unbedingt mehr Platz
Auch wird nicht recht klar, wo der Raumgewinn sein soll, den der neue Z4 gegenüber dem Vorgängermodell reklamiert. Richtig ist, dass man durch die längeren Türen besser einsteigen kann, dass der Wagen etwas breiter geworden ist und dass man durch die größeren Scheiben an Seiten und Heck besser sieht. Aber dass der Z4 auch rund zehn Zentimeter länger geworden ist, kommt bei den Insassen kaum an. Die Knie schleifen am Armaturenbrett, die Ablage hinter den Sitzen taugt allenfalls für eine dünne Jacke, und von großer Kopffreiheit zu sprechen wäre schlichtweg falsch.
Dafür funktioniert das neue Verdeck selbst unter radikalen Umständen problemlos. Anders als Stoffhauben lässt sich das feste Dach zwar nur bei stehendem Auto bedienen sonst wären Kennzeichen und dritte Bremsleuchte nicht mehr zu sehen, und das darf nicht sein. Parkt der Wagen, reicht ein Knopfdruck, und 20 Sekunden später steht das Coupé plötzlich als Cabrio da. Obwohl faltbare Metalldächer meist viel Platz beanspruchen und für dicke Autohecks sorgen, bietet der Z4 ein überraschend schlankes Finale und ordentlich Stauraum: 310 Liter bei geschlossenem und 180 Liter bei offenem Dach.
Hitze, Kälte und dann der Schwalltest
Das Verdeck haben die Entwickler akribisch getestet."Wir machen Klimawechseltests zwischen extremer Hitze und Kälte mit Feuchtigkeitsbeaufschlagung sowie eine Funktionserprobung aller relevanten Teile bis minus 20 Grad, teilweise sogar darüber hinaus", berichtet Projektleiter Kleeberger. Außerdem werde die Dichtigkeit aller relevanten Teile überprüft: Beim so genannten Schwalltest in der Waschstraße oder durch einem Sprühnebel aus Salzwasser. Auch mit 100 Kilo Schnee pro Quadratmeter wurde der Wagen belastet, um die Stabilität von Karosserie und Verdeck zu prüfen.
Das ist zwar alles ganz interessant, wird die potenziellen Kunden aber kaum beeindrucken. Denn wenn der neue Z4, denn es zum Verkaufsstart zunächst nur mit Sechszylindermotoren (204 bis 306 PS) geben wird, auf die Straßen rollt, ist längst wieder der Frühling im Land. Und dann stehen Beschleunigungswerte, Handling oder die Gangwechsel des erstmals angebotenen Doppelkupplungsgetriebes im Mittelpunkt und auf der Stirn der Fahrer vermutlich ein bisschen Schweiß. Wie jetzt bei den Premierengästen in Detroit.