Bologna Motorshow Finale bolognese
Die Liste liest sich imposant und viel versprechend: 109 neue Autos stellen die Macher der Motorshow in Bologna in Aussicht darunter 13 Welt- und zwölf Europa-Premieren. Zwar kann die letzte größere Automesse des Jahres nicht mit den Branchengipfeln in Paris, Frankfurt oder Detroit konkurrieren. Weil die internationalen Autohersteller 2006 mehr Neuheiten als Großmessetermine haben, adeln sie das Finale bolognese dieses Mal tatsächlich mit ein paar Pkw-Typen, die zwar nicht spektakulär, aber immerhin brandneu sind.
Die besondere Aufmerksamkeit gilt dabei der Golf-Klasse. Bevor sich im nächsten Jahr alles um die Novitäten in der Mittelklasse dreht, bringen die Hersteller in Italien noch einmal ihre Modelle im wichtigsten Segment des Marktes auf Vordermann. So feiert Toyota nur wenige Wochen nach dem Debüt der Studie in Paris nun in Bologna die Premiere des neuen Auris, der als elegantes Raumwunder ab März den Corolla beerben und damit eines der bekanntesten Autos aus Japan ersetzten soll.
So ganz verschwindet der Name allerdings nicht. Denn im Umfeld der Enthüllung von Drei- und Fünftürer wurde bekannt, dass zumindest das viertürige Stufenheckmodell als klassischer Biedermann auch weiterhin den alten Namen tragen wird, wenn es ein paar Wochen nach dem Auris an den Start geht. Eine Halle weiter dreht sich der frisch geschminkte Opel Astra im Rampenlicht, der kurz nach dem Jahreswechsel mit einer Reihe neuer Motoren mit mehr Leistung und niedrigeren Verbrauchswerten an den Start geht.
Frisch geschminkte Kompaktvans von VW und Ford
Bei VW und Ford bringt man die Kompaktvans neu in Stellung: So krönen die Niedersachsen den frisch renovierten Touran mit einer "Cross"-Variante. Für einen Aufpreis von rund 1300 Euro auf das Basismodell legt das Auto ein wenig Camouflage auf und rückt - wie schon Polo und Golf Plus - mit mehr Bodenfreiheit, stabileren Schutzleisten und serienmäßiger Dachreling zumindest optisch in die Nähe eines Geländewagens. Innen ändert sich kaum etwas, unterm Blech gar nichts: Es bleibt beim Frontantrieb und den bekannten Motoren, von denen VW zunächst je drei Benziner und Diesel in der Cross-Variante anbieten wird. Ach eine Premiere gibt es im "Cross"-Touran doch noch: Zum ersten Mal kombinieren die Niedersachsen ihren 170 PS starken TSI-Motor nun serienmäßig mit dem Doppelkupplungsgetriebe DSG.
Ford belässt es zunächst bei der ganz gewöhnlichen Schminke, die ein Facelift so mit sich bringt. Weil die Kölner technische Details allerdings erst zum Verkaufsstart im Frühjahr verraten wollen und die Option auf ein Panoramadach, die neuen Scheinwerfer und die LED-Rückleuchten nicht gerade eine Sensation sind, wird der Namen des Neuen zur Nachricht. Denn um den kleinen Van näher an den gerade zum "Auto des Jahres" gewählten S-Max zu rücken, streicht Ford das Wort Focus und nennt den Fünfsitzer künftig nur noch C-Max.
Die italienischen Marken üben sich in Bescheidenheit
Relativ bescheiden bleibt der Auftritt der italienischen Hersteller, die zwar die größte Standfläche belegen, dort aber nicht viel Neues zeigen können. Weil Fiat den Stilo-Nachfolger Bravo erst Ende Januar als eine Art Staatsakt in Rom enthüllt, bleibt es auf der Messe bei einem Panda Tanker aus der Kooperation mit dem Motorradausrüster Dainese. Lancia schürt mit dem Konzept des Delta weiter die Hoffnung auf eine bessere Zukunft, und Alfa macht noch einmal Lust auf den 8c Competizione.
Zu den Premieren in Bologna zählen darüber hinaus auch eine ganze Reihe Autos, die dem Publikum zwar neu sein werden, den Journalisten aber sattsam bekannt sind. Dazu gehören die erstmals öffentlich ausgestellte Neuauflage des Smart Fortwo sowie die zweite Generation des BMW X5, die erstmals in Europa zu sehen ist.
Chinesische Premieren und leicht bekleidete Models
Was der Messe in Bologna an neuen Modellen möglicherweise fehlt, macht sie mit überraschend vielen neuen Marken wett. So werden die vielen kleinen Hallen zu einem Brückenkopf zahlreicher chinesischer Hersteller, die hier klammheimlich und zum Teil noch ziemlich unbeholfen ihr Europadebüt geben. Gedruckte Informationen sucht man zwar vergebens, doch vielfach erklären sich die Autos von selbst. So braucht man nicht viel Phantasie, um die Neuheiten von "DR" als alte Suzukis zu enttarnen, der Hover von Great Wall erinnert an die Geländewagen von Nissan, und die Offroader von "Martin Motors" sehen so aus, als hätten ein Toyota RAV-4 und ein BMW X5 zu lange gemeinsam in einer Garage gestanden.
Ums schillernde Blech tänzeln in Bologna viele leicht bekleidete Models. Zumindest auf den ersten Blick scheint die Verbindung von weiblichem Liebreiz und automobiler Kauflust nirgendwo so eng wie in Italien. Die Absätze der Damen an den Neuwagen sind hier deshalb etwas höher, die Dekolletés ein wenig tiefer, die Körbchen etwas größer und die Röcke einen Hauch kürzer als sonst. Wer dabei chauvinistisches Gedankengut unterstellt, sei an die Souvenirstände verwiesen. Dort, wo auf anderen PS-Paraden Kataloge und Modellautos verkauft werden, gibt es hier den offiziellen Motorshow-String-Tanga. Da sage noch einer, Automessen seien Männersache.