Bundes-Blitzer: Rasen ohne Reue - DER SPIEGEL
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Bundes-Blitzer Rasen ohne Reue

Vom Straßenatlas "Bundes-Blitzer", der vergangene Woche erschien, ist die erste Auflage von 40.000 Exemplaren bereits verkauft. Nun druckt der Verlag nach, denn wo die rund 2400 festen Blitz- und Rotlichtüberwachungsanlagen stehen, scheint brennend zu interessieren.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Autor des Werkes, Hans Biermann, hat nach eigener Auskunft den Atlas mit dem Ziel verfasst, "Autofahrer künftig vorzuwarnen". Nämlich vor den so genannten Starenkästen, also den fest installierten Geschwindigkeits-Überwachungsanlagen, und vor jenen Kameras, die festhalten, wenn Verkehrsteilnehmer bei Rot über die Ampel preschen.

Im Durchschnitt der letzten drei Jahre, so hat Biermann errechnet, wurden 2,3 Millionen Geschwindigkeitsübertretungen an die Verkehrssünderkartei in Flensburg gemeldet. Das entspricht mehr als 6000 erfassten Rasereien pro Tag. Künftig könnte diese Zahl sinken, denn zumindest die Tempoüberschreitungen an stationären Blitzanlagen muss nicht mehr sein. Es genügt ein Blick in den "Bundes-Blitzer", um sich über die Anlagen auf der ausgewählten Fahrtstrecke zu informieren.

Die Gewerkschaft der Polizei kritisiert den neuartigen Atlas als unsinnig. Es würde dadurch kein Verkehrsteilnehmer langsamer fahren, im Gegenteil, die Raser würden noch geschützt, lautet die These. Biermann hält das für Polemik. Sein Standpunkt: Da die offizielle Begründung für Blitzanlagen lautet, sie würden an Unfallschwerpunkten aufgestellt, hält Biermann eine Veröffentlichung der entsprechenden Standorte für einen Beitrag zu mehr Verkehrssicherheit. "Wenn das offizielle Argument zutrifft, dann warnen wir mit dem neuen Straßenatlas vor Unfallschwerpunkten. Und das kann ja nur im Interesse der Polizei sein."

Biermann behauptet, viele der Blitzer seien nur zu dem Zweck installiert, "um abzukassieren". Warum sonst, so seine rhetorische Frage, würden mitunter an völlig geraden und gut zu übersehenden Landstraßen plötzlich Tempo-60-Schilder aufgestellt, einige hundert Meter weiter eine Blitzanlage und wiederum einige hundert Meter danach werde das Tempolimit wieder aufgehoben.

Während in Deutschland noch der Streit um Sinn oder Unsinn eines Blitz-Atlas tobt, gehen die Dänen längst einen Schritt weiter. Dort sollen demnächst sogar sämtliche mobilen Geschwindigkeitskontrollen mit genauer Orts- und Zeitangabe im Internet aufgelistet werden. Zumindest was die stationären Anlagen betrifft, gibt es den Service nun auch hier zu Lande. Bei Stadtplandienst.de können sich Nutzer die jeweils fünf nächstgelegenen Anlagen innerhalb eines ausgewählten Bereichs anzeigen lassen. Sogar mit Foto des entsprechenden Blitzgerätes. Biermann: "Wir haben einfach zurückgeblitzt."

"Autoatlas Bundes-Blitzer". Falk-Verlag, Ostfildern; 443 Seiten; 17,95 Euro.