Cabrios aus der Kälte Schwedisch Open
Viersitzige Cabriolets haben ein Problem. Sie sind meist zu groß und zu wuchtig, um sportlich zu wirken. Andererseits müssen die Proportionen sorgfältig aufeinander abgestimmt sein, um der Karosserie trotz der fehlenden Dachlinie Eleganz und Stimmigkeit einzuhauchen. Mit dem offenen Modell C70 bewies Volvo, dass das funktioniert. Auf der IAA im September in Frankfurt wird Volvo den Nachfolger des offenen Modells präsentieren: diesmal mit versenkbarem Stahldach statt wie bisher mit Stoffmütze.
Das bisherige Modell ist praktisch ausverkauft. Letzte Bestände wurden bereits im vergangenen Jahr mit der Sonderserie "Collection" unters Cabrio-fahrende Volk gebracht, inzwischen gelten die Autos bei Liebhabern schon als Raritäten. Das kommende Modell baut auf der technischen Basis der Volvo-Mittelklasse-Baureihe S40 / V50 auf und wird wohl abermals durch sein kühles, klares, kraftvolles Design aus der manchmal verspielt wirkenden Konkurrenz hervorstechen. Die aufwendige Konstruktion des großen Klappdachs hat Volvo gemeinsam mit Pininfarina bewerkstelligt. Gebaut wird der Wagen im schwedischen Udevalla, wo beide Unternehmen ein Gemeinschaftswerk betreiben (Volvo 51 Prozent, Pininfarina 49 Prozent).
Zur Cabriosaison 2006 wird der neue Volvo C70 also in den Startlöchern bereit stehen. Da fährt das Saab 9-3 Cabrio, das im Herbst 2003 auf den Markt kam, dann schon in seinen dritten Sommer. Das zweite Viersitzer-Cabriolet aus Schweden ist in Deutschland der Bestseller der zuletzt eher schwächelnden Marke. Im vergangenen Jahr wurden laut Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg 1815 Saab-Cabriolets neu in Deutschland zugelassen.
Während die Cabrio-Tradition bei Volvo mehr als 50 Jahre zurückreicht, stellte Saab sein erstes offenes Modell auf der IAA im Jahre 1983 vor - wenn man vom Modell Sonett 1 aus dem Jahre 1956 absieht, von dem lediglich sechs Exemplare gebaut wurden. Nach der IAA-Premiere dauerte es weitere drei Jahre, bis das Saab-Cabrio tatsächlich auf die Straßen kam. Das aktuelle Modell erinnert in seiner keilförmigen Grundanmutung noch immer an den offenen Debütanten, gewöhnte sich aber dessen optische Exaltiertheit ab und legte dafür den schlicht-schicken Skandinavien-Style an. Sparsame Linien, große glatte Flächen und eine feine Balance der Karosserieteile prägen das Äußere des Autos, das gemeinsam mit Magna Steyr entwickelt und auch dort, im Werk Graz, gebaut wird.
Der Fronttriebler mit dem elektrisch versenkbaren Verdeck, das binnen 20 Sekunden unter einer Klappe im Heck verschwindet oder eben sich von dort entfaltet, wird in drei Motorvarianten angeboten. Es handelt sich um Benziner mit 150, 175 oder 210 PS (110, 129 oder 154 kW), das Einstiegsmodell wird zu einem Preis von 32.800 Euro verkauft. Als erstes Cabrio mit Stoffdach erreichte das Saab-Modell die Fünf-Sterne-Höchstnote beim Euro-NCAP-Crashtest. Anders als Volvo nämlich, wo das kommende Modell mit einem Stahlverdeck vorfahren wird, setzt Saab nach wie vor auf einen Stoffhut.
Die Montage dieses Faltdachs erfordert neben Präzision vor allem Erfahrung und Geschick - weshalb bei Magna Steyr lediglich ein einziger Roboter beim Zusammenbau des Saab 9-3 Cabriolets mithilft. Joachim Schmiedhofer, Manager für das Modell bei Magna Steyr sagt: "Ein Roboter ist nicht in der Lage, solche engen und bündigen Standards zu produzieren, die wir für eine hervorragende Versiegelung und geringe Windgeräusche brauchen." Die Handarbeit geht zu Lasten des Tempos: Lediglich sieben Autos pro Stunde werden gefertigt - was circa einem Fünftel der Produktionsleistung eines "normalen" Pkw-Montagewerks entspricht.
Andererseits ist die Fehlerquote dadurch geringer. Denn am Ende muss jedes Cabrio in eine spezielle Regenkammer, wo das Dach binnen fünf Minuten mit 1500 Liter Wasser überschüttet wird. Sobald es im Innenraum tröpfelt, muss nachgearbeitet werden. "Doch das", so Schmiedhofer, "kommt nur sehr selten vor. Wir sind nahe an der Null-Fehler-Grenze." Das ist erfreulich. Denn Cabrio-Fahrer aller Marken wissen es zu schätzen, wenn ihr Auto dichthalten kann.