Cabrios und Roadsters 2004 Gefaltet oder geklappt
München/Rüsselsheim - Ob Stofffalt- und Stahlklappdach - das ist für Cabrio- und Roadsterfahrer oft eine Frage der Überzeugung. In Sachen Geräuschentwicklung, Wärmedämmung und Platzersparnis zumindest nehmen sich die beiden Dachvarianten nicht mehr viel. Um alle Fraktionen der Frischluftfans zufrieden zu stellen, setzen die Autohersteller daher auch in diesem Jahr bei den zahlreichen Cabrio- und Roadster-Neuheiten auf beide Arten der Konstruktion.
Unabhängig vom Öffnungsmechanismus gehören Cabrios und Roadster zu den am stärksten wachsenden Fahrzeugsegmenten in Deutschland. In der Zulassungsstatistik des Kraftfahrt-Bundesamtes in Flensburg wiesen sie im Jahr 2003 einen Zuwachs von mehr als 14 Prozent aus. Allein in den ersten zehn Monaten kamen 129.000 neue Cabrios und Roadster auf die Straßen.
Den Anfang der Premieren 2004 macht bei den Kleinwagen das Mini Cabriolet, das BMW noch im Frühjahr vorstellen wird. Der Cabrio-Zwerg besitzt nach Angaben des Herstellers in München ein Stoffverdeck mit integriertem Schiebedach, das sich beim Öffnen z-förmig hinter den Rücksitzen ablegt. Im Sommer bringt Opel den neuen Tigra Roadster, der mit einem massiven Stahlklappdach gegen den Smart Roadster antreten soll. Auf die gleiche Technik setzt auch der Micra C+C von Nissan, der nach Angaben der Presseabteilung jedoch erst im Sommer 2005 auf den Markt kommen wird.
Auch in der Kompaktklasse gibt es luftige Neuigkeiten: Angeblich schon auf dem Genfer Automobilsalon vom 4. bis 14. März wird VW den Nachfolger für das Wolfsburger "Henkelkörbchen" zeigen. Allerdings soll es sich dabei nach Informationen aus Unternehmenskreisen nicht mehr um einen offenen Golf, sondern um ein offenes Stufenheck handeln, das größenmäßig zwischen dem eingestellten Vento und dem Passat liegt. Mit dem Klappdach-Fahrzeug wird Anfang 2005 gerechnet.
Im gleichen Format und zur gleichen Zeit kommen aus Rüsselsheim der offene Opel Astra III und aus Köln zum ersten Mal ein Focus Cabrio. Schon in dieser Saison dagegen können Kompaktklasse-Fahrer mit dem offenen PT Cruiser von Chrysler der Sonne entgegen rollen.
Für Autokäufer, die mehr Spielraum bei ihren Investitionen haben, gibt es von BMW den offenen 6er als derzeit größtes Cabrio aus deutscher Produktion. Der Viersitzer besitzt nach Angaben der Presseabteilung in München ein vollautomatisches Stoffverdeck und eine multifunktionale Heckscheibe, die separat geöffnet und auch als Windschott verwendet werden kann. Wem selbst der 645Ci zu klein ist, dem bleiben der im Januar in Detroit präsentierte Aston Martin DB9 und die Hoffnung, dass sich die Gerüchte über Open-Air-Versionen von Bentley Continental und Rolls Royce Phantom nicht in Luft auflösen.
Für sportliche Gemüter stehen zahlreiche neue Roadster am Start. Dazu gehört die zweite Generation des Mercedes-Benz SLK, die mit neuen Motoren, einer Formel-1-Nase, elektrischem "Heiz-Schal" und dem klassischen Metallverdeck im späten Frühling zu den Händlern kommen soll. Ebenfalls noch für dieses Jahr avisiert ist der Europa-Import des Nissan 350 Z Roadster, der in den USA und in Japan bereits erhältlich ist. Chrysler bringt den offenen Crossfire, und bei Porsche steht wohl zum Jahresende die Nachfolge des Boxster an. Aber auch für 2005 laufen die Roadster-Planungen bereits auf Hochtouren. Dann steht bei Mazda die Neuauflage des MX-5 ins Haus, und Fiat wird wohl einen Nachfolger für die Barchetta auf die Räder stellen.
Wer mehr Geld für einen Roadster ausgeben will, darf auf neue Modelle in der Oberklasse setzen. Dort erwarten zahlungskräftige Kunden den Cadillac XLR als amerikanische Antwort auf den Mercedes SL, die offene Version der neuen Corvette und eine Barchetta des Lamborghini Murciélago - die dann wohl zu den schnellsten Sonnenbänken am Markt zählen dürfte.
Von Thomas Geiger, gms