Caravan-Salon: Granitboden für den Scheich - DER SPIEGEL
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Caravan-Salon Granitboden für den Scheich

Wenn ein Scheich auf Reisen geht, hat er es gerne kommod: Für einen fünf Meter breiten Wohnraum, Edelstahlküche und Granitboden im Bad gibt er 1,5 Millionen Euro aus. Auf dem Caravan-Salon in Düsseldorf zeigen die Hersteller von Spar- bis zu Luxusmobilen ihre Neuheiten.
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Düsseldorf - Während bei der Mehrzahl der Caravaner die Sparsamkeit im Vordergrund steht, können andere gar nicht genug Geld in ihr Reisemobil investieren: Wie gegensätzlich die Vorlieben sein können, zeigt der diesjährige Caravan-Salon in Düsseldorf vom 27. August bis 4. September.

Als großer Trend für die Mehrheit der mobil Reisenden gelten Fahrzeuge, die zu erschwinglichen Preisen bei kompakten Abmessungen Platz für die ganze Familie bieten. Daneben stehen aber auch exklusive Fahrzeuge: Erst bei rund 1,5 Millionen Euro ist die preisliche Spitze erreicht. Dafür gibt es dann ein Reisemobil mit allen erdenklichen Extras - zum Beispiel ein Fahrwerk, wie es auch für Raketentransporter verwendet wird.

Für Camping-Urlauber mit durchschnittlichem Geldbeutel sind eher andere Dinge wichtig. Dazu gehört, dass nun auf den Campingplätzen die Traditionstöne Weiß und Beige abgelöst werden. Die Farbenvielfalt nimmt zu. Nach Angaben von Ralph Binder, Sprecher des Caravaning Industrie Verbandes (CIVD) in Frankfurt/Main, werden von den Herstellern verstärkt bunte Lacke für die Fahrzeuge angeboten. Neue Vielfalt herrscht künftig auch unterhalb der Aufbauten. "Es wird sehr viele Neuheiten auf Basis von Ford oder Renault geben", so Binder. Bisher beschränkte sich die Auswahl oftmals auf Fahrwerke der Hersteller Fiat und Mercedes.

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Caravan-Salon: Einsteigermodelle und Scheich-Luxus

Foto: GMS

Ein Beispiel für die Umsetzung der aktuellen Reisemobil-Mode ist der Fortero von Dethleffs in Isny (Baden-Württemberg). Die Basis bildet hier ein Ford mit Front- oder Heckantrieb. "Die Baureihe zeichnet sich außerdem durch ein neues Farbkonzept aus", erklärt Dethleffs-Sprecher Helge Vester. "Standardmäßig kann bereits unter drei Farben für das Fahrerhaus ausgewählt werden."

Beheizbarer Wohnmobilboden

Ebenfalls auf Kompaktheit und ein Ford-Chassis setzt man bei Hymer in Bad Waldsee (Baden-Württemberg). Hier kommt mit dem Hymer Van eine neue Baureihe, die den Wunsch nach Alltagstauglichkeit erfüllen soll und zwei Personen auch regelmäßige Kurzurlaube in einem komplett ausgestatteten Reisemobil erlaubt. Dass in der Einstiegsklasse auch Elemente teurerer Fahrzeuge Einzug halten, zeigt der neue Profila Alkoven von Eura Mobil in Sprendlingen (Rheinland-Pfalz): Er verfügt über einen beheizten doppelten Boden.

Einen weiteren aktuellen Trend hat man bei Dethleffs in Hinblick auf die Beliebtheit der Aufbau-Ausführung entdeckt - die Vorherrschaft der Alkoven-Fahrzeuge geht demnach zurück. "Heute liegen Alkoven, Teilintegrierte und Vollintegrierte etwa gleichauf", so Helge Vester. Möglicherweise wird es in künftigen Reisemobilen auch innen anders aussehen: Dethleffs hat ein Projekt gestartet, bei dem Frauen ihre Ideen für neue Innenräume einbringen. Dabei habe es bereits viele interessante und neue Detaillösungen gegeben, von denen einige in Düsseldorf vorgestellt werden sollen.

Doch auch andere Hersteller haben frische Ideen. So hat sich Bürstner in Kehl (Baden-Württemberg) um die Optik Gedanken gemacht. Ein Industriedesigner kümmerte sich um Außenformen und -farben, während eine Innenarchitektin sich die Wohnräume vornahm. Um die Modernisierung von Caravans hat man sich bei Eifelland in Jandelsbrunn (Bayern) gekümmert, einem Hersteller, der zur KnausTabbert Group gehört: Ergebnis ist der Deseo, dessen Modul-Ausstattung sich nach Wunsch zusammenstellen lässt. Schluss ist hier auch mit klassischen Holzflächen im Innenraum - der Einsteiger-Cravan ist mit Schränken und Stauelementen aus Stoff ausgestattet.

Fünf Meter breiter Wohnraum für den Scheich

Derlei Sparsamkeit dürfte den Kunden anderer Hersteller völlig fremd sein. Denn auch die Klasse der besonders luxuriösen Reisemobile ist mit einigen Neuheiten vertreten. So stellt RMB aus Wolfegg (Baden-Württemberg) den neuen Silver Star NT vor. Ihn zeichnet neben der markanten Frontpartie das moderne Möbeldesign aus. Ein Novum sind Einzelbetten, die auf Wunsch elektrisch zu einem Doppelbett zusammenfahren. Die Preise für das Basismodell mit 7,6 Metern Länge beginnen bei 225.000 Euro.

Variomobil aus Bohmte (Niedersachsen) stellt mit dem Vario Perfect ein zwölf Meter langes Fahrzeug vor, das auf jedem Campingplatz für Aufsehen sorgt. Für üppigen Wohnraum sorgen hier zwei ausfahrbare Erker, in der Heckgarage parkt ein Cabrio vom Typ Peugeot 206 CC. Der Preis liegt bei etwa 700.000 Euro.

Gegenüber dem Desert Challenger von Action Mobil aus Saalfelden in Österreich verblasst aber selbst solcher Luxus: Das 1,5 Millionen Euro teure Fahrzeug gilt als größtes bisher gebautes Wohnmobil. Die Basis bildet ein drei Meter breites Chassis von MAN, wie es auch für Raketentransporter verwendet wird. Bewegt wird der 30-Tonner von vier angetriebenen Achsen, die auch im Wüstensand für Vortrieb sorgen sollen - schließlich ist der Auftraggeber ein arabischer Scheich.

Der Mann kann sich in einem üppig ausgestatteten Wohnraum entspannen, der sich auf fünf Meter verbreitern lässt. Im Bad sorgt edler Granitboden für nobles Ambiente - und gekocht wird in einer Edelstahlküche aus dem Gastronomiebereich. Die notwendigen Zutaten lagern in einem begehbaren Kühlraum. Weil so viel Luxus womöglich auch Neider weckt, sind am Fahrzeug acht Überwachungskameras installiert, deren Bilder auf drei Flachbildschirme übertragen werden. Zumindest solche Sorgen braucht sich die sparsame Masse der Reisenden nicht zu machen.

Von Heiko Haupt, gms