Carl-Peter Forster: "Wir wollen ungewöhnliche Autos" - DER SPIEGEL
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Carl-Peter Forster "Wir wollen ungewöhnliche Autos"

Der Opel-Vorstandsvorsitzende Carl-Peter Forster spricht im Interview mit SPIEGEL ONLINE über das Imageproblem der Marke, die Pläne für künftige Autos und das Al-dente-Fahrwerk im neuen Vectra, der am 26. April zu den Händlern kommt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL ONLINE:

Eigentlich war der Vectra fertig, als Sie im vergangenen Jahr zu Opel kamen. Trotzdem kommt das Auto erst jetzt auf den Markt. Warum?

Carl-Peter Forster: Nun, es gab noch eine Menge Feinschliff zu erledigen. Zum Beispiel beim Fugenbild, bei den Farben oder bei der Fahrwerksabstimmung. Solche Dinge geben einem Auto oft den entscheidenden Kick. Und da konnte ich schon noch ein Wörtchen mitreden. Das Fahrwerk zum Beispiel, das sollte al dente sein.

SPIEGEL ONLINE: Warum hat das Image der Marke Opel zuletzt so stark gelitten?

Forster: Unser Image war schon einmal besser, das stimmt. Ebenso richtig ist aber, dass es die Imagedebatte über Opel ausschließlich in Deutschland stattfindet. In Italien zum Beispiel sind wir die stärkste Importmarke. Dort gibt es nicht das geringste Imageproblem.

SPIEGEL ONLINE: Trotzdem, der derzeitige Ruf von Opel auf dem Heimatmarkt kann Ihnen nicht gefallen.

Forster: Natürlich nicht. Und wir arbeiten hart daran, dies zu ändern. Ende nächsten Jahres werden wir schwarze Zahlen schreiben. Und in fünf bis zehn Jahren möchte ich, dass man auf die Frage "Was fällt Ihnen zu Opel ein?" folgende Aussagen zu hören bekommt: gute Qualität, gute Technik, faire Preise, kreative Ideen.

SPIEGEL ONLINE: Woran denken Sie beim Stichwort Kreativität konkret?

Forster: An die systematische Fortführung einer Strategie, die wir mit Calibra, Tigra oder Zafira bereits begonnen haben. Beim Stichwort Kreativität denke ich auch an die Umsetzung von Konzeptautos. So kommen bereits im nächsten Jahr das Modell Signum und unser in Genf gezeigtes Concept M auf den Markt.

SPIEGEL ONLINE: In welchen Bereichen kann Opel von anderen Herstellern lernen?

Forster: Anregend finde ich, wie Renault mit dem Thema Design umgeht. Allerdings möchten wir nicht so polarisierend sein. Und was VW betrifft, so könnte man sich von der Qualitätsanmutung der Produkte eine Scheibe abschneiden.

SPIEGEL ONLINE: Sie sagen, Ihre Autos sollen nicht polarisieren. Aber folgt daraus nicht, dass Opel-Modelle eher langweilig gestaltet sind?

Forster: Kein bisschen. Unsere Autos dürfen ruhig ungewöhnlich sein. Sie sollen gar nicht jedem auf Anhieb gefallen. Falls das zuträfe, würden bei mir alle Alarmglocken läuten. Denn eine gewisse optische Spannung ist nötig, wenn ein Fahrzeug auch nach sechs Jahren noch reizvoll und gefällig aussehen soll.

SPIEGEL ONLINE: Worin sehen Sie Opel-Kernkompetenzen, mit deren Hilfe das Markenbild geschärft werden kann?

Forster: Zwei wesentliche Punkte möchte ich nennen. Erstens höre ich immer wieder, dass sich unsere Autos erstaunlich gut fahren lassen. Das wollen wir weiter pflegen, und zwar nicht nur mit Super-Technik. Zweitens werden wir großen Wert darauf legen, auch in Zukunft pfiffige Karosseriekonzepte zu entwickeln. Das können wir, das wird auch der neue Signum zeigen. Wir wollen Trends früher erkennen als andere.

SPIEGEL ONLINE: Und welchem Trend wird der Signum folgen?

Forster: Unter anderem dem, dass er Schluss macht mit der grauenhaften Unterprivilegierung von Passagieren auf den Rücksitzen. Da werden wir ein Stück weiter denken. Und das wollen wir uns auch für die Zukunft immer wieder vornehmen.

Das Interview führte Jürgen Pander

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