Carsharing: Mit gutem Gewissen Geld sparen - DER SPIEGEL
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Carsharing Mit gutem Gewissen Geld sparen

Alle diskutieren über Spritfresser, doch kaum jemand will teilen. Dabei wäre Carsharing bei steigenden Kosten für manche Fahrer eine lohnende Alternative. Das ist nicht nur gut für Umwelt und Portemonnaie – es spart auch Zeit.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hannover/Berlin - Viele Autofahrer werden in diesem Jahr finanziell gebeutelt: Sie müssen steigende Spritkosten verkraften, dazu die erhöhte Mehrwertsteuer, die auch zu höheren Beträgen bei der Kfz-Versicherung und den Werkstattkosten führt. Und nicht zuletzt macht sich in der Haushaltskasse die von der Bundesregierung gekürzte Pendlerpauschale bemerkbar. Doch das Gejammer mancher Autobesitzer wirkt bei näherer Betrachtung unglaubwürdig: Denn trotz steigender Autokosten wollen sie nicht auf ihren Wagen verzichten und auf günstigere Alternativen umsteigen - Carsharing zum Beispiel.

Wie stark die Kosten für das eigene Auto anziehen, verdeutlichen Zahlen des ADAC in München. Demnach sind die Kosten für Kauf und Unterhalt allein im Jahr 2006 im Schnitt um 2,5 Prozent gestiegen.

Die Kosten für die allgemeine Lebenshaltung stiegen im selben Zeitraum nur um 1,7 Prozent. Im Vergleich zum Jahr 2000, in dem der Autokosten-Index zuletzt auf den Basiswert 100 gesetzt worden war, verteuerte sich das Autofahren um 14,2 Prozent. Verantwortlich für den Kostenanstieg sind laut ADAC in erster Linie die 2006 um 5,6 Prozent höheren Ausgaben für Sprit. Um je 1,9 Prozent verteuerten sich die Ausgaben für Werkstattbesuche und Ersatzteile.

Von den steigenden Preisen etwa an der Tankstelle bleiben zwar auch Teilnehmer beim Carsharing nicht verschont. Weil bei diesem Alternativmodell für die Automobilität mehrere Fahrer ein Fahrzeug gemeinsam nutzen, verteilen sich die Fixkosten jedoch auf mehrere Schultern, nennt Willi Loose, Geschäftsführer des Bundesverbands CarSharing (bcs) in Hannover, einen entscheidenden Vorteil.

Teilen spart Zeit und Geld

Wie hoch die Ersparnis für den einzelnen Autofahrer ausfallen kann, zeigt eine Beispielrechnung, die Almut Gaude vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) in Berlin aufstellt: So koste ein privater Kleinwagen bei einer monatlichen Fahrleistung von 500 Kilometern rund 300 Euro im Monat. Beim Carsharing fielen für den Nutzer nur 180 Euro an. "Das ergibt eine Einsparung von 120 Euro", rechnet die VCD-Sprecherin vor. Hinzu kommt die Zeiterspartnis, da sich Nutzer laut Willi Loose weder um Wartung noch um Reparaturen kümmern müssen.

Neben den Kostenvorteilen für den Einzelnen ergeben sich durch Carsharing laut Almut Gaude auch positive Effekte für die Umwelt. "Es ist eine Methode, um die Anzahl der Pkw zu reduzieren", sagt die VCD-Sprecherin. Außerdem werde der Fuhrpark regelmäßig erneuert. "Es fahren also keine alten Dieselschleudern durch die Gegend." Das seien gerade vor dem Hintergrund der Diskussion um die Feinstaubbelastung und Einrichtung von Umweltzonen in den Städten weitere Pluspunkte.

In Frage kommt Carsharing laut Gaude vor allem für Fahrer, die nicht täglich auf einen Pkw angewiesen sind, und deren Fahrleistung im Jahr nicht mehr als etwa 7000 Kilometer beträgt. Außerdem sollte der Wohnort in der Nähe einer größeren Stadt liegen, damit die Ausleihstationen bequem mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht werden können. In etlichen Regionen kooperierten Carsharing-Unternehmen mittlerweile mit den Verkehrsbetrieben und böten etwa für deren Nutzer besondere Tarife an, sagt Gaude.

Wählen können "Carsharer" laut bcs-Geschäftsführer Loose in der Regel zwischen nutzungsabhängigen und Zeittarifen. Dabei berechnet sich die Ausleihgebühr anhand der gefahrenen Kilometer oder anhand der Ausleihzeit. In mehr als 250 Städten gibt es nach Looses Angaben mittlerweile Carsharing-Unternehmen: "In allen Großstädten mit mehr als 200.000 Einwohnern sind Anbieter zu finden."

Die steigenden Autokosten verschaffen den Anbietern nun zwar mehr Zulauf. "In den vergangenen Jahren verzeichneten wir zweistellige Wachstumsraten", sagt bcs-Geschäftsführer Loose. Insgesamt nutzten nach Verbandsangaben im Jahr 2006 rund 80.000 Fahrberechtigte Carsharing-Angebote in Deutschland. Bezogen auf die beim Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg gemeldeten rund 46,6 Millionen zugelassene Pkw erscheint diese Zahl jedoch verschwindend gering.

Das räumt auch VCD-Sprecherin Almut Gaude ein. "Das Potenzial für Carsharing in Deutschland liegt etwa bei 2 Millionen Nutzern." Viele Autofahrer hätten noch Vorbehalte gegen die gemeinsame Nutzung des Pkw. "Das hat etwas mit Eigentum und Besitzstand zu tun", versucht Prof. Wolfgang Schubert, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Verkehrspsychologie (DGVP) in Berlin, zu erklären, warum Carsharing noch nicht so verbreitet ist. "Das sind tief im Unterbewusstsein verwurzelte Sachverhalte." Demgegenüber stehe die Sorge, ohne eigenes Auto eingeschränkt und Planungszwängen unterworfen zu sein.

Diese Befürchtungen sind laut Almut Gaude vom VCD jedoch unbegründet. Man werde vielmehr zum "flexibleren Verkehrsteilnehmer" - auch im Hinblick auf den Fahrzeugtyp. Je nach Bedarf, könne ein Kleinwagen, ein Cabrio oder ein Transporter geordert werden. "Das gewünschte Fahrzeug ist meist auch lieferbar." Prof. Schubert von der DGVP vermutet daher, dass für viele Autofahrer die ökonomischen Zwänge noch nicht groß genug sind. "Viele denken: So lange ich mir ein eigenes Auto irgendwie leisten kann, werde ich daran festhalten. Da ist der Mensch einfach wirtschaftlich unvernünftig."

Felix Rehwald, gms

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