Auto-Reform von Raúl Castro: Import-Stau auf Kuba
Auto-Import-Reform auf Kuba Im Westen nix Neuwagen
Gabriels Operation ist geglückt, aber stolz ist er deswegen nicht. Er hat in sein Auto einen neuen Motor eingebaut, und alles scheint zu funktionieren, zumindest klingt es so. Doch Gabriel, 32, ist unzufrieden.
"Der Motor ist mehr wert als das Auto", spottet er. 5000 Dollar hat er dafür bezahlt, laut Gabriel stammt der Motor aus einem Mercedes. Tatsächlich wirkt sein Wagen, Baujahr 1948, ein wenig zusammengeschustert. Und er ist in gewisser Weise ein umgedrehtes Cabrio: Wenn man am Steuer sitzt, kann man die Straße unter sich sehen durch die Löcher im Wagenboden.
Gabriel hätte sich lieber einen Neuwagen zugelegt, ohne Löcher, aber das geht nicht. Er lebt im sozialistischen Kuba. Bisher brauchte man dort eine Sondergenehmigung, um ein neues Auto zu kaufen - oder genügend Geld, um auf dem Schwarzmarkt jemand anderem diese Erlaubnis abzukaufen. Doch im Dezember 2013 hatte Präsident Raúl Castro verkünden lassen, dass es in Zukunft jedem freisteht, sich einen neuen Import-Wagen zu kaufen bei den staatlichen Händlern. Es schien eine kleine Revolution.
Ein Peugeot kostet rund eine Viertelmillion Dollar
"Die Preise für ein importiertes Auto fangen bei etwa 10.000 bis 15.000 Dollar an", sagt Gabriel. Und das für einen alten russischen Lada oder ein gebrauchtes chinesisches Modell. Wer sich ein Fahrzeug von einer westlichen Marke zulegen will, der muss mit Kosten von einer Viertelmillion Dollar rechnen. Und das in einem Land, in dem der durchschnittliche Monatslohn 20 Dollar beträgt.
Rund 250.000 Dollar kostet in Kuba etwa ein Peugeot, der in Deutschland für etwa 34.000 Dollar gehandelt wird. Das kann sich auch Gabriel nicht leisten. Obwohl er reiche West-Verwandtschaft in den USA hat, die ihm regelmäßig Geld schickt. "Was in Kuba die Autos kosten, das kosten anderswo Flugzeuge", lästert Gabriel.
Der Staat behält in Kuba weiterhin das Monopol auf die Neufahrzeuge. Die Preise setzt er so hoch an, dass sich kaum einer ein neues Auto leisten kann. Viele Kubaner fühlen sich daher von Castros Auto-Neuregelung auf den Arm genommen. Es ist, als habe die Regierung den Kubanern mit der Aufhebung des Import-Verbots ein Geschenk überreicht, das sich dann beim Auspacken als leere Packung herausstellte. Warum die Neuwagen-Preise so hoch angesetzt wurden, darüber hüllt sich die Regierung in Schweigen. Auch in den staatlichen Medien wird das Thema vermieden.
"Von jedem Land ist ein Teil drin", spottet der Mechaniker
Notgedrungen flicken die Kubaner daher weiter an ihren maroden Karren herum. Es herrscht ein reger Ersatzteil-Austausch, russische Motoren in amerikanischen Karosserien gehören auf Kuba zum Auto-Alltag. Manche Reparaturstücke sind auch schlichtweg selbstgemacht.
Alberto, ein 44-jähriger Parkplatzwächter und Mechaniker, bastelt in seinem Hinterhof an den Kabeln eines der dort geparkten Oldtimer herum. Er kann sich wie die meisten Kubaner überhaupt keinen fahrbaren Untersatz leisten, nicht einmal einen mit Löchern. Der 44-Jährige sieht den Ärger um die neue Auto-Regelung deswegen mit Humor.
"Was sollen wir denn internationale Autos importieren, unsere sind doch am internationalsten", feixt Alberto und deutet auf die offene Motorhaube eines alten Ami-Schlittens. "Von jedem Land ist ein Teil drin."